Bachelorarbeit, 2010
48 Seiten, Note: 1,1
Einleitung
1. Die Exposition
1.1 Nähe zum Geschehen
1.2 Die Rache der Schwarzen
1.3 Neuordnung
1.4 Zwei Mischlinge
2. Vertrauen
2.1 Spiel der Verstellungen
2.2 Fehler in der Inszenierung
3. Liebe
3.1 Zwei exemplarische Legenden
3.2 Kapuzinerpredigt
3.3 Die Liebesnacht
3.4 Der Morgen danach – Ein doppeltes Spiel
3.5 Fest umschlungen
4. Verrat
5. Die Moral von der Geschicht’
6. Ohne Worte
Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das irritierende und gewaltsame Ende von Heinrich von Kleists Erzählung „Die Verlobung in St. Domingo“, um die Beweggründe des Protagonisten Gustav für den Mord an seiner Geliebten Toni zu verstehen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ein als edel charakterisierter Mensch zum Mörder an der Person werden kann, die er liebt, und welche Rolle dabei die spezifische historische Konstellation des Rassenkonflikts auf St. Domingo spielt.
1.1 Nähe zum Geschehen
In einer allerersten Annäherung an Kleists Novelle könnte man versucht sein zu fragen: Warum eigentlich St. Domingo? Was mag den preußischen Dichter Heinrich von Kleist dazu bewogen haben, eine Liebesgeschichte ausgerechnet auf diesem „unselige[n] Eiland“ (164) in der Karibik anzusiedeln?
Als erstes sticht die auffällige zeitliche Nähe ins Auge. Für heutige Leser ist jene Revolution der Schwarzen bereits in weite historische Ferne gerückt und weitgehend in Vergessenheit geraten. Als aber Kleists Erzählung Die Verlobung in St. Domingo 1811 erschien, führte sie ihre damaligen Leser in die allerjüngste weltgeschichtliche Vergangenheit. Das ist ungewöhnlich für Kleist. Die Handlung seiner übrigen Erzählungen spielt in einer historisch weit zurückliegenden ungefähren oder undatierten Zeit, wenn sie nicht im Untertitel gar als „Legende“ ausgewiesen wird.4 Demgegenüber situiert Kleist die Handlung der Verlobung in einem sehr konkreten historischen Augenblick „zu Anfange dieses Jahrhunderts“ (160), „im Jahr 1803, als der General Dessalines mit 30 000 Negern gegen Port au Prince vorrückte“ (161).
Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Ursache der gewaltsamen Eskalation am Ende der Erzählung und skizziert den methodischen Ansatz, der der Chronologie des Textes folgt.
1. Die Exposition: Das Kapitel analysiert die historische Verortung der Novelle in den realen Ereignissen auf Haiti und arbeitet heraus, wie Kleist die komplexe historische Situation zu einem zugespitzten Schwarz-Weiß-Rassenkonflikt verdichtet.
2. Vertrauen: Dieses Kapitel untersucht Gustavs Orientierungsnot auf St. Domingo und definiert diese als Vertrauenskrise, in der die Hautfarbe als trügerisches Identitätsmerkmal fungiert.
3. Liebe: Der Fokus liegt hier auf der Liebesbeziehung zwischen Gustav und Toni, die als einziger möglicher Rettungsanker in einer feindlichen Welt dargestellt wird, aber gleichzeitig den Nährboden für die zerstörerische Täuschung bildet.
4. Verrat: Dieses Kapitel behandelt das Zerbrechen von Gustavs Weltbild, nachdem die Rückkehr Hoangos und Tonis notwendige Täuschungsmanöver ihn zu dem Schluss führen, Opfer eines Liebesverrats geworden zu sein.
5. Die Moral von der Geschicht’: Es wird diskutiert, ob aus der Erzählung ein allgemeines Handlungsrezept oder eine Moral abgeleitet werden kann, wobei die Problematik der Interpretation einer „Erzählung ohne Moral“ im Zentrum steht.
6. Ohne Worte: Das abschließende inhaltliche Kapitel führt den Aspekt der Sprachlosigkeit als entscheidenden Faktor für das Scheitern der Kommunikation zwischen den Liebenden ein.
Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, Rassenkonflikt, Sklaverei, Vertrauen, Liebe, Gewalt, Kommunikation, St. Domingo, Revolution, Verrat, Identität, Sprache, Tragik, Literaturanalyse.
Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Erzählung „Die Verlobung in St. Domingo“ mit dem Ziel, die psychologischen und sozialen Ursachen für das tragische Ende der Novelle zu ergründen.
Die zentralen Themen sind der Rassenkonflikt im Kontext der haitianischen Revolution, die Rolle von Vertrauen und Täuschung in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die zerstörerische Kraft einer idealisierten Vorstellung von absoluter Liebe.
Die Hauptfragestellung lautet, warum Gustav, ein als edel geltender Protagonist, seine geliebte Toni tötet und welche Umstände diesen Gewaltakt verursachen.
Die Untersuchung folgt im Wesentlichen der Chronologie der Erzählung und kombiniert eine werkimmanente Lektüre mit historischem Kontextwissen und fachwissenschaftlichen Diskursen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Exposition, der Vertrauenskrise Gustavs, die Dynamik der Liebesbeziehung, das tragische Missverständnis bezüglich vermeintlichen Verrats und die Bedeutung der Sprachlosigkeit der Figuren.
Die wichtigsten Begriffe sind Kleists „Verlobung in St. Domingo“, Rassenkonflikt, Vertrauen, absolute Liebe, Kommunikation und sprachliche Identitätsfindung.
Die Arbeit zeigt, dass Kleist die historischen Gegebenheiten als simplen Rassenkonflikt inszeniert, was Gustav erst in die Situation bringt, seine Umgebung rein nach Hautfarbe und damit vermeintlicher Loyalität bewerten zu wollen.
Toni wird als Figur zwischen den Polen Schwarz und Weiß begriffen, deren Entwicklung von der intriganten Komplizin zur mitleidigen Retterin durch ihre echte Liebe zu Gustav vorangetrieben wird, was jedoch durch Gustavs Unfähigkeit, dies zu erkennen, in die Tragödie führt.
Die Arbeit argumentiert, dass eine klärende Aussprache zwischen Gustav und Toni die Tragödie hätte verhindern können; da Toni ihr Motiv der „Rettung durch List“ nicht offen kommuniziert, bleibt Gustav gefangen in seinem fatalen Misstrauen.
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