Bachelorarbeit, 2025
112 Seiten, Note: 1,0
Diese Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen der unterschiedlichen Sozialisation in der ehemaligen DDR und BRD auf die Bindungsqualität heutiger Erwachsener, insbesondere durch den Besuch von Kinderkrippen in der DDR. Das primäre Ziel ist es, Unterschiede im Bindungsverhalten in Bezug auf die Herkunftsregion (Ost/West) und die Art der frühkindlichen Betreuung (Kinderkrippe/Familie) zu analysieren.
DDR-Tageskrippen: Zahlen, Fakten und Erziehungsprogramme
Für die Kinder unter drei Jahren gab es in der DDR verschiedene Formen von Betreuungseinrichtungen: Tageskrippen mit einem Angebot von 06:00 bis 18:00 bzw. 19:00 Uhr; Wochenkrippen, in denen die Kinder tags und nachts untergebracht waren und nur am Wochenende nach Hause geholt wurden; Ernte- oder Saisonkrippen, in denen die Kinder betreut wurden, während die Eltern in der Ernte waren und schließlich auch Dauerheime (Beronneau, 2020, S. 49).
Nach dem „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ vom 27.09.1950 begann die DDR mit einem gezielten Ausbau des Kinderkrippenangebotes. Während es 1950 194 Kinderkrippen mit 4.774 Plätzen gab (Israel, 2008, S. 17), was zu dem Zeitpunkt einem Angebot für ca. 6 % der Kinder der Altersstufe von 0-3 Jahren entsprach (Liebsch et al., 2024, S. 37), waren es zehn Jahre später bereits 81.495 Krippenplätze und 1989 sogar 348.058 Betreuungsplätze für die unter Dreijährigen, womit – unter Berücksichtigung der oben erwähnten Babyjahre – für 82 % der in Frage kommenden Kinder ein Krippenplatz zur Verfügung stand (Weber, 1996, S. 178).
Aufgrund der angestrebten Vollbeschäftigung auch für Frauen, besuchten in den 70er Jahren „mehr als 20 % der Kinder schon vor dem ersten Lebensjahr die Krippe“ (Nentwig-Gesemann, 2022, S. 87), was sich jedoch mit der Einführung der Babyjahre änderte, so waren nach Beronneau ab 1986 „fast alle Kinder beim Krippeneintritt älter als zwölf Monate“ (2020, S. 50). Vor der Einführung des Babyjahres wurde den Müttern gemäß § 10 (1) des „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ fünf Wochen vor und 6 Wochen nach einer normalen Geburt Urlaub gewährt.
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und stellt die beiden zentralen Forschungsfragen vor, die sich mit Unterschieden im Bindungsverhalten von Erwachsenen aus Ost- und Westdeutschland sowie von in Krippen vs. Familie betreuten DDR-Bürgern befassen.
Theoretische Grundlagen: Hier werden die theoretischen Fundamente der Arbeit gelegt, darunter die Bindungstheorie, die Ökologische Systemtheorie nach Bronfenbrenner, die Kulturdimension Individualismus vs. Kollektivismus und die Besonderheiten der frühkindlichen Erziehung in DDR und BRD.
Methodik: Dieses Kapitel erläutert das Untersuchungsdesign, den verwendeten bestehenden Datensatz sowie die eingesetzten Instrumente (ECR-RD und ADA) zur Erfassung der Bindungsqualität und die statistischen Analyseverfahren.
Ergebnisse: In diesem Abschnitt werden die deskriptiven Statistiken der Gesamtstichprobe und die Resultate der Hypothesentests für beide Forschungsfragen sowie explorative Korrelationsanalysen zu Geschlecht und Alter präsentiert.
Diskussion und Limitation: Die Ergebnisse werden kritisch interpretiert, in den Kontext der Forschungslage eingeordnet und methodische Einschränkungen der Studie, wie die Stichprobengröße und die Erfassungsmethode, diskutiert.
Fazit: Das Fazit fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die nicht-signifikanten Unterschiede bei den Hauptforschungsfragen, aber die signifikanten Zusammenhänge mit Alter und Geschlecht, und weist auf die Komplexität der Bindungsentwicklung und den Bedarf weiterer Langzeitstudien hin.
Bindungsqualität, Sozialisation, DDR, BRD, Individualismus, Kollektivismus, Kinderkrippe, frühkindliche Erziehung, Bindungstheorie, Erwachsenenalter, psychische Gesundheit, Geschlechtsunterschiede, Alterseffekte, quantitative Forschung, ECR-RD, ADA.
Die Arbeit untersucht, wie sich die unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen in der ehemaligen DDR und BRD auf die Bindungsqualität von Erwachsenen heute auswirken, insbesondere im Hinblick auf frühkindliche Betreuungsformen wie Kinderkrippen.
Die zentralen Themenfelder sind die Bindungstheorie, die Kulturdimension Individualismus versus Kollektivismus, die frühkindliche Erziehung in der DDR und BRD sowie deren mögliche langfristige Auswirkungen auf das Bindungsverhalten im Erwachsenenalter.
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob es Unterschiede im Bindungsverhalten zwischen in der DDR und BRD geborenen Erwachsenen gibt und ob ein Unterschied im Bindungsverhalten zwischen in DDR-Kinderkrippen und in der Familie betreuten Erwachsenen feststellbar ist.
Es handelt sich um eine quantitative Untersuchung, die einen bestehenden Rohdatensatz mittels statistischer Verfahren wie t-Tests und Korrelationsanalysen auswertet. Die Bindungsqualität wird dabei mit den Fragebögen ECR-RD und ADA erfasst.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Bindungstheorie und der ökologischen Systemtheorie, die Kulturdimension Individualismus versus Kollektivismus, die detaillierte Darstellung der frühkindlichen Erziehungssysteme in DDR und BRD (insbesondere der DDR-Kinderkrippen), die Methodik der Untersuchung und die Ergebnisse der statistischen Analysen.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Bindungsqualität, Sozialisation, DDR, BRD, Individualismus, Kollektivismus, Kinderkrippe, frühkindliche Erziehung, Bindungstheorie, Erwachsenenalter und psychische Gesundheit.
DDR-Tageskrippen waren Teil eines staatlich geregelten Erziehungssystems, das auf die Formung einer sozialistischen Persönlichkeit und die Integration in Kollektive abzielte, mit umfassenden Betreuungsangeboten von 0-3 Jahren, um die Vollbeschäftigung der Frauen zu ermöglichen.
Die Studie ergab für beide Hauptforschungsfragen, also sowohl für den Vergleich Ost- vs. Westdeutsche als auch für den Vergleich krippen- vs. familienbetreute DDR-Bürger, keine signifikanten Unterschiede in den Bindungsqualitäten.
Korrelationsanalysen zeigten signifikante Zusammenhänge zwischen den Bindungsskalen und den Variablen Alter und Geschlecht: weibliche Probanden hatten tendenziell höhere Werte bei der Bindungsangst, und jüngere Probanden zeigten höhere (schlechtere) Werte auf allen drei Bindungsskalen.
Die Studie nennt als Einschränkungen die Nutzung eines bestehenden Datensatzes, der keine Einflussnahme auf Stichprobengröße oder spezifische Variablen zuließ, und die Schwierigkeit, langfristige Auswirkungen frühkindlicher Erfahrungen retrospektiv zu erfassen.
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