Diplomarbeit, 2009
136 Seiten, Note: 2,4
Einleitung
1. Einleitende Worte und Zielstellung der Arbeit
2. Argumentationsaufbau
Teil I: Theoretische Überlegungen und Rahmenbedingungen
1. Zum derzeitigen Stand der Forschung und vorhandene Literatur
2. Totalitärer Herrschaftsanspruch der DDR – ihr Regime als eine Form der politischen Religion
3. Die bildende Kunst unter der SED-Herrschaft
3.1 Die Kunst als Instrument der SED
3.2 Der sozialistische Realismus: Kunst muss nicht künstlerisch sein, auf den Inhalt komme es an, Staatskunst bis 1969
3.3 Der offizielle Ausstellungsbetrieb: die Dresdner Kunstausstellungen
3.4 Wie Kunst nicht sein sollte: Feindbild und Zensur in der bildenden Kunst
3.4.1 Das Feindbild in der bildenden Kunst: der Formalismus
3.4.2 Zensur in der bildenden Kunst
4. Zur Situation der Kunst in den 70er Jahren: Die Honecker-Ära
4.1 „Weite und Vielfalt“ in den 70er Jahren: der Anfang vom Ende
4.2 Verschärfte Kontrollmaßnahmen
Teil II: Die Umsetzung der offiziellen Kunstpolitik der 80er Jahre am Beispiel der IX. Kunstausstellung der DDR vom 2.10. 1982 bis zum 3.4.1983
1. Besucheransturm und der Wandel der Kunstwahrnehmung
2. Kunst im Spannungsfeld zwischen Kunstpolitik und Künstler
3. Vorgeschichte und Konzeption der IX. Kunstausstellung
4. Organisation der Ausstellung
4.1 Juryarbeit
4.2 Maßnahmen zur Durchsetzung der parteilichen Vorstellungen
5. Auf der IX. Kunstausstellung gezeigte Kunst: wenig Sozialismus, viel Realität
5.1 Das Arbeiterbild der 80er Jahre
5.2 Eine andere Welt hinter dem Schleier des „sozialistischen Realismus“
5.3 Chaos, Pessimismus und Rückzug ins Unverbindliche
6. Rezeption durch die Besucher
Teil III: Die alternative Künstlerszene und der Mythos „Frühstück im Freien“ 1982 im Leonhardi-Museum
1. Gegenstand und Erkenntnisinteresse der Untersuchung
2. Untersuchungsmethode
2.1 Methode der Datenerhebung: das Leitfadeninterview
2.2 Stichprobe
2.3 Fragenkatalog
3. Datenaufbereitung und -auswertung
3.1 Aufbereitung des Materials, Datenerfassung
3.2 Auswertungsverfahren
4. Ergebnisse der Untersuchung
4.1 Charakteristik der etwas anderen Künstlerszene
4.1.1 Selbstverständnis der Künstler
4.1.2 Reglementierungen und Widerstände
4.1.3 Welchen Weg fanden die Künstler, ihre Kunst auszuüben?
4.1.4 Integration der Künstler in die Strukturen der DDR
4.1.5 Veränderungen nach der Wende beziehungsweise nach der Ausreise
4.2 „Frühstück im Freien“ im Leonhardi-Museum
4.2.1 Organisation der Ausstellung und Erinnerungen
4.2.2 Umsetzung des Themas „Frühstück im Freien“
4.2.3 Brisanz der Ausstellung und des Leonhardi-Museums
4.3 Zitate: Was ist Kunst?
Schlussbetrachtung und Diskussion der Teile II und III
Die vorliegende Arbeit analysiert die bildende Kunst in Dresden in den 1980er Jahren, insbesondere das Spannungsfeld zwischen offizieller staatlicher Kunstpolitik und den Freiräumen alternativer Künstlerszenen. Im Fokus steht die Frage, wie Künstler trotz ideologischer Reglementierungen durch das SED-Regime ihre künstlerische Autonomie wahren und Netzwerke bilden konnten, wobei die IX. Kunstausstellung der DDR und die Gegenausstellung „Frühstück im Freien“ als zentrale Fallbeispiele dienen.
1. Einleitende Worte und Zielstellung der Arbeit
Kunst hat viele Gesichter. Sie begegnet uns akustisch oder visuell, bunt oder mono chrom, laut oder leise, schnell oder langsam. Und Kunst ist auch nicht immer direkt präsent, „manchmal ist Kunst auch abwesend“ (Schroeder & Offner 2000: 15), wie es Bärbel Bohley mit weißer Schrift auf schwarzem Grund ausdrückte.
Eine eindeutige Definition für die Kunst zu finden und ihr Wesen zu bestimmen, stellt sich schon allein deswegen als schwierig heraus, weil Kunst von jedem Menschen anders wahrgenommen wird. Sie besitzt außerdem, nach Luhmann, ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die sich nicht beeinflussen oder von außen zwangsweise umgestalten lassen. Wenn Kunst entsteht, so entsteht sie aus sich heraus, spätestens seit der Renaissance kann die Kunst ihren Autonomieanspruch behaupten. Und oft entwickelt sich Kunst aus dem Moment heraus und entzieht sich schon allein dadurch einer Bestimmung oder Vorgabe. Kunst muss dem System Kunst selbst überlassen werden (vgl. Luhmann 1995).
Das DDR-Regime versuchte jedoch, die Kunst in bestimmte Bahnen zu lenken und somit zu kontrollieren, manchmal auch, Kunstwerke „ideologieecht“ umzudeuten. Es akzeptierte und förderte nur diejenige Kunst, die in sein Weltbild passte. Kunst wurde als Erscheinung des gesellschaftlichen Überbaus verstanden, sie „trägt in der Klassengesellschaft Klassencharakter und dient als ideologische Waffen im Klassenkampf“ (Universallexikon 1989: 243). Als Richtlinie galt der sozialistische Realismus. Kunst sollte figurativ, ja narrativ und vor allem optimistisch sein, so dass sie zu didaktischen Zwecken instrumentalisierbar sei. Der bildenden Kunst wurde also eine deutliche Funktion in der Selbstdarstellung der sozialistischen Gesellschaft zugewiesen. Der Künstler, der sich dem nicht unterordnete oder sogar widersprach, hatte kaum eine Chance, künstlerisch zu überleben, denn ein freier Kunstmarkt existierte nicht, der Staat war der größte Mäzen und hatte daher Macht über die Künstler.
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Kunst in einem totalitären System instrumentalisiert wurde, und definiert das Ziel der Arbeit, die Strategien alternativer Künstler zu untersuchen.
Teil I: Theoretische Überlegungen und Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert den totalitären Herrschaftsanspruch der DDR, die Funktion der Kunst als politisches Instrument und die Bedeutung des sozialistischen Realismus als verbindliche Richtlinie.
Teil II: Die Umsetzung der offiziellen Kunstpolitik der 80er Jahre am Beispiel der IX. Kunstausstellung der DDR vom 2.10. 1982 bis zum 3.4.1983: Dieser Abschnitt analysiert die Organisation, die parteiliche Durchsetzung und die reale künstlerische Resonanz der IX. Kunstausstellung in Dresden.
Teil III: Die alternative Künstlerszene und der Mythos „Frühstück im Freien“ 1982 im Leonhardi-Museum: Hier werden mittels Leitfadeninterviews die Überlebensstrategien, Freiräume und die spezifische Bedeutung des Leonhardi-Museums für die alternative Künstlerszene beleuchtet.
DDR, Kunstpolitik, Bildende Kunst, Sozialistischer Realismus, IX. Kunstausstellung, Leonhardi-Museum, alternative Künstlerszene, Zensur, Widerstand, Überwachungsstaat, DDR-Kultur, Leitfadeninterview, Künstlerautonomie, DDR-Geschichte, DDR-Alltag
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen der staatlich verordneten Kunstpolitik der DDR und den künstlerischen Freiräumen, die sich Künstler in Dresden während der 1980er Jahre zu erschließen versuchten.
Die Schwerpunkte liegen auf der staatlichen Instrumentalisierung der Kunst, der Rolle des sozialistischen Realismus, den Mechanismen von Zensur und Kontrolle sowie dem Wirken einer alternativen Künstlerszene, die sich diesen Strukturen entzog.
Es soll analysiert werden, wie sich bildende Kunst in der DDR unter politischen Vorgaben entwickeln konnte und welche Kompromisse oder Nischen Künstler wählten, um ihre künstlerische Identität zu bewahren.
Die Autorin nutzt eine qualitative Forschungsansatz, der auf dem Auswerten von Fachliteratur sowie auf eigenen, teilstrukturierten Leitfadeninterviews mit sechs Zeitzeugen der alternativen Künstlerszene basiert.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Rahmenbedingungen analysiert. Danach erfolgt eine detaillierte Untersuchung der IX. Kunstausstellung der DDR von 1982 sowie eine Auswertung der Interviews über die alternative Szene am Beispiel der Ausstellung „Frühstück im Freien“.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie totalitärer Herrschaftsanspruch, politische Religion, Zensur, Selbstzensur, Freiraum-Strategien, subkulturelle Boheme und künstlerische Eigenständigkeit.
Das Leonhardi-Museum fungierte als legendärer Ausstellungsort, der es Künstlern ermöglichte, Arbeiten zu zeigen, die den offiziellen staatlichen Vorgaben widersprachen oder sie zumindest umgingen.
Dies war eine 1982 im Leonhardi-Museum veranstaltete Ausstellung, die als provokanter Gegenentwurf zur gleichzeitig stattfindenden IX. Kunstausstellung der DDR konzipiert war.
Die Interviews zeigen, dass die Künstler zwar Freiheit gewannen (Reisen, Museen), aber auch mit neuen existentiellen Herausforderungen und einem hohen Marktdruck konfrontiert wurden, den es in der DDR so nicht gab.
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