Masterarbeit, 2010
98 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Stand der Grass-Forschung
3. Vorbemerkung zur Auswahl der Grass-Texte
4. „Schreiben gegen das Vergessen“
4.1 Günter Grass und die NS-Vergangenheit
4.2 Vergegenwärtigung des Vergangenen
5. Das ‘Dritte Reich’ und die Deutschen: Eckpunkte in Grass’ Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit
5.1 Die Unfähigkeit der Deutschen zur Auseinandersetzung
5.1.1 Ausgebliebene Aufarbeitung und Schuldverdrängung
5.1.2 Die Schuld der Mitläufer
5.2 „Das hört nicht auf. Nie hört das auf“: Das Nachwirken der Vergangenheit
5.2.1 Streben nach Einheit
5.2.2 Radikalismus von rechts
6. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Motive, die Günter Grass dazu bewegen, sich fortwährend mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen, und analysiert sein schriftstellerisches Konzept der Vergegenwärtigung sowie das Nachwirken dieser Zeit in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
4.1 Günter Grass und die NS-Vergangenheit
„Keines meiner Bücher war frei oder leichtfüßig genug, um das den Deutschen bis heute anhängende Verbrechen – die Vernichtung von sechs Millionen Juden – zu umgehen.“115 Mit dieser Aussage bekennt sich Günter Grass zum zentralen Gegenstand seiner Literatur; die NS-Vergangenheit. Dass diese Beschäftigung die Grenzen seiner schriftstellerischen Arbeit bei Weitem überschreitet, wurde ansatzweise in den Abschnitten 2 und 3 dargelegt. Aufschluss über sein Verhältnis zum Nationalsozialismus kann demzufolge ausschließlich eine Analyse der Person Grass, seines Selbstverständnisses als Schriftsteller und Bürger Deutschlands sowie seiner Biografie geben.
Als Schriftsteller immer auch Zeitgenosse lautet eine Rede des Autors aus dem Jahr 1986, in der er seine Arbeit als „von zeitgeschichtlichen Belastungen und politischer Dreinrede“116 geprägt beschreibt: „Ein Schriftsteller […] ist jemand, der gegen die verstreichende Zeit schreibt.“ (XVI, 257) Die zentralen Anliegen von Grass’ „Konzept der Zeitgenossenschaft“117 sind das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sowie das frühzeitige Aufzeigen negativer Strukturen und Entwicklungen in der Gegenwart, die aus Vergangenem resultieren und deren Wiederholungen zu vermeiden sind.118 Thematisch befassen sich seine Werke mit dem Verlauf von „deutscher Vergangenheit und ihrer Folgelast“119.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der NS-Vergangenheit im Werk von Günter Grass und Einordnung in den Historikerstreit.
2. Stand der Grass-Forschung: Überblick über existierende Forschungsarbeiten zum Verhältnis von Günter Grass zum Nationalsozialismus und zu seinen Werken.
3. Vorbemerkung zur Auswahl der Grass-Texte: Erläuterung der Auswahl an Primärtexten und politischen Reden, die als Grundlage für die Analyse dienen.
4. „Schreiben gegen das Vergessen“: Analyse des Konzepts der Zeitgenossenschaft und der Motivation von Grass, sich literarisch mit der NS-Zeit zu befassen.
5. Das ‘Dritte Reich’ und die Deutschen: Eckpunkte in Grass’ Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit: Detaillierte Untersuchung der Schuldproblematik, des Mitläufertums sowie der politischen Folgen wie das Streben nach Einheit und Rechtsradikalismus.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Erinnerungskultur ohne Zeitzeugen.
Günter Grass, NS-Vergangenheit, Nationalsozialismus, Schuldverdrängung, deutsche Identität, Zeitgenossenschaft, Historikerstreit, Mitläufertum, Rechtsextremismus, Vergangenheitsbewältigung, Danziger Trilogie, Holocaust, deutscher Idealismus, Erinnerungskultur.
Die Arbeit analysiert die fortwährende literarische und politische Auseinandersetzung des Schriftstellers Günter Grass mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Schuld und Schuldverdrängung, das Verhältnis der Deutschen zur eigenen Geschichte, die Identitätskonstruktion sowie die Gefahr des Rechtsradikalismus.
Das Ziel ist es, die Motive aufzudecken, die Günter Grass dazu veranlassen, die NS-Vergangenheit in seinen Werken ständig zu „vergegenwärtigen“, anstatt sie als abgeschlossen zu betrachten.
Die Arbeit basiert auf einer motivorientierten Literatur- und Diskursanalyse unter Einbeziehung von Essays, Reden und zentralen Werken (wie der Danziger Trilogie und Im Krebsgang) von Günter Grass.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der „Unfähigkeit der Deutschen zur Auseinandersetzung“ (einschließlich Schuldverdrängung und Mitläufertum) sowie das „Nachwirken der Vergangenheit“ in Form von Einheitsstreben und Rechtsradikalismus.
Wichtige Begriffe sind „Vergangenheitsbewältigung“, „Schuldverdrängung“, „Zeitgenossenschaft“, „Identitätslosigkeit“ und das Konzept der „Stunde Null“.
Grass steht der schnellen Vereinnahmung der DDR durch die BRD kritisch gegenüber und warnt vor einem Einheitsstaat, der erneut auf den alten, problematischen Strukturen deutscher Machtansprüche fußen könnte.
„Oskarnismus“ beschreibt die Fähigkeit der Figur Oskar Matzerath, durch das Trommeln verdrängte Erinnerungen an das NS-Verbrechen in das Bewusstsein der Menschen zurückzuholen und somit eine Art therapeutische Wirkung zu erzielen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

