Masterarbeit, 2024
98 Seiten
Diese Arbeit untersucht die Relevanz interinstitutioneller Kooperationen im Übergang von der Kindertagesstätte (Kita) zur Grundschule, insbesondere im Hinblick auf sogenannte "Children at Risk". Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern sich solche Kooperationen positiv auf "Children at Risk" auswirken können und welche Bedeutung sie in diesem Übergangsprozess spielen.
2.3 Children at Risk
In diesem Kapitel soll auf die in der Einleitung bereits beschriebenen Children at Risk einge- gangen werden. Dazu erfolgt zunächst eine theoretische Rahmung des Begriffs. In der deutschsprachigen Forschung werden zumeist deutsche Pendants verwendet, die allesamt dem Risikobegriff zuzuordnen sind und das Risiko der Kinder, in der schulischen Laufbahn zu scheitern, fokussieren. In der englischsprachigen Forschung wird der Begriff CaR immer häu- figer von Forscher*innen wie zum Beispiel Michael Brambring, Marc Fraser oder Doris Ent- wisle verwendet. Im Kontext des SchuB-Projektes (Schulwahl und Bildung) hat sich der engli- sche Begriff ebenfalls etabliert. Eine theoretische Rahmung wird im Folgenden auf der Basis der Kapitaltheorie Bordieus erfolgen. Auf diese lassen sich soziale Ungleichheit und Kinderar- mut beziehen. Darauf aufbauend werden im Anschluss sowohl konkrete Merkmale der Kinder als auch der Eltern angeführt, da sich die Merkmale der Kinder nicht unabhängig von den Merkmalen der Familien beschreiben lassen. Sie stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander (vgl. Butterwege, 2022). Dabei werden auch die Konsequenzen für den Transiti- onsprozess angeführt.
2.3.1 Theoretische Rahmung des Begriffs
Zunächst lässt sich bei CaR formal zwischen zwei,Gruppenʻunterscheiden. Diese sollten nicht als trennscharf voneinander gesehen werden, da sie sich teilweise gegenseitig bedingen. Den- noch birgt jede Gruppe für sich bereits Risiken für den erfolgreichen Abschluss der Bildungs- laufbahn. Zum einen können jene Kinder als CaR beschrieben werden, die jegliche Art von Verhaltens- auffälligkeiten, emotionale Probleme, Probleme beim Lernen und kognitiven Verarbeiten oder auch physische Einschränkungen besitzen. Kurz gesagt alle Kinder, die einen sonderpädago- gischen Förderbedarf haben beziehungsweise auch jene Kinder, die besondere Bedürfnisse haben und im Laufe der Schulzeit auf langfristige Unterstützung angewiesen sein könnten. Dies betrifft vor allem den Förderschwerpunkt Lernen, welcher erst nach der zweiten Klasse zugeschrieben werden kann, wenngleich bereits vorher Entwicklungsschwierigkeiten erkenn- bar sind (vgl. Backhaus-Knocke & Hanke, 2023). Zum anderen, so wurde bereits in der Einleitung erwähnt, korreliert der Bildungserfolg von Kindern in Deutschland stark mit ihrer sozialen Herkunft. Wenngleich der „staatlich[e] Bil- dungsauftrag [vorsieht], dass junge Menschen durch die Schule die Verwirklichungschancen zu gesellschaftlicher Teilhabe unabhängig von der Herkunft oder Lebenslage erhalten [soll- ten]" (Gold et al., 2022, S. 63), wurde dieser Gedanke bereits 1971 von Bourdieu und Passeron verworfen. Sie konnten empirisch belegen, dass es innerhalb eines Bildungssystems, wie es in Deutschland besteht, keine Chancengleichheit geben kann (vgl. Bourdieu & Passeron, 1971, 2007). Die PISA-Ergebnisse (vgl. Artelt et al., 2000) belegen dies anhand zahlreicher Analysen und Reflektionen ebenfalls.
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Übergangs von Kita zur Grundschule, fokussiert auf „Children at Risk“ und betont die Notwendigkeit inklusiver Perspektiven und interinstitutioneller Kooperation.
2. Theorieteil: Erläutert Transitionsansätze (Bronfenbrenner, IFP), verschiedene Kooperationsformen, den Begriff „Children at Risk“ (CaR) mit dessen Merkmalen und Häufigkeit, sowie die Bedeutung von Frühförderung und Selektionsmechanismen im Übergangsprozess.
3. Empirischer Teil: Stellt die Methodik einer qualitativen Studie mittels Leitfadeninterviews vor, analysiert die Definition und Merkmale von CaR durch die Akteur*innen, die Häufigkeit und Inhalte von Kooperationen sowie die Rolle der Bildungsdokumentation und interpretiert die Ergebnisse im theoretischen Kontext.
4. Fazit und Desiderata: Fasst die Relevanz interinstitutioneller Kooperation für den Übergang von CaR zusammen, beleuchtet identifizierte Bedingungen und Herausforderungen und zeigt Forschungsdesiderate auf, insbesondere hinsichtlich der Elternperspektive und der Wahrnehmung von Angeboten.
Interinstitutionelle Kooperation, Übergang Kita-Grundschule, Children at Risk, Frühförderung, Bildungsdokumentation, Selektionsmechanismen, Familienpartizipation, Transitionsansätze, soziale Ungleichheit, Bildungsgerechtigkeit, qualitative Studie, pädagogische Fachkräfte, Elternarbeit, Förderbedarf, sozioökonomischer Status.
Die Arbeit befasst sich mit dem Übergang von der Kindertagesstätte zur Grundschule und untersucht dabei speziell die Rolle interinstitutioneller Kooperationen für sogenannte "Children at Risk" in diesem Kontext.
Zentrale Themenfelder sind der Übergang von der Kita zur Grundschule, die spezifischen Herausforderungen für "Children at Risk", verschiedene Formen der interinstitutionellen Kooperation, die Bedeutung der Bildungsdokumentation sowie Selektionsmechanismen im Bildungssystem.
Das primäre Ziel ist es zu erforschen, inwiefern sich interinstitutionelle Kooperationen positiv auf "Children at Risk" auswirken können und welche Relevanz sie im Übergang von Kita zu Grundschule spielen.
Die Arbeit verwendet eine polyperspektivistische qualitative Fallstudie, die auf Leitfadeninterviews und einer mehrphasigen inhaltlich strukturierten Inhaltsanalyse basiert.
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte wie Transitionsansätze und Kooperationsformen, definiert "Children at Risk" und deren Merkmale, beleuchtet empirische Ergebnisse zur Häufigkeit von Kooperationen und zum Umgang mit CaR im institutionellen Alltag sowie die Rolle der Bildungsdokumentation.
Schlüsselwörter sind Interinstitutionelle Kooperation, Übergang Kita-Grundschule, Children at Risk, Frühförderung, Bildungsdokumentation, Selektionsmechanismen, Familienpartizipation und soziale Ungleichheit.
Die Bildungsdokumentation dient als zentrales Element des Informationsaustausches zwischen Kitas und Grundschulen, um die Entwicklung der Kinder festzuhalten und eine anschlussfähige Förderung zu gewährleisten. Ihre Weitergabe ist jedoch an die Einwilligung der Eltern gebunden.
Herausforderungen umfassen lange Wartezeiten bei Kinderärzt*innen und Frühförderanbieter*innen, das Dilemma zwischen frühzeitiger Förderung und der Vermeidung von Etikettierung des Kindes, sowie die begrenzten Ressourcen der Institutionen.
Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status haben oft eingeschränkte Möglichkeiten, eine anregungsreiche Umgebung zu erhalten, und sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, den Übergang weniger erfolgreich zu bewältigen und von Selektionsmechanismen im Bildungssystem betroffen zu sein.
Es werden vier Formen unterschieden: Keine Kooperation, Austausch (Informationsweitergabe), Arbeitsteilung (gemeinsames Ziel, verteilte Aufgaben) und Ko-Konstruktion (intensiver Austausch zur gemeinsamen Aufgaben- und Problemlösung).
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