Magisterarbeit, 2010
123 Seiten, Note: 1,7
1) Einleitung
2) Theoretische Ansätze
2.1) Neofunktionalismus
2.2) Neorealismus
2.3) Föderalismus
3) Begriffsklärungen
3.1) Globaler Akteur
3.2) Strategische Partnerschaft
4) Die EU auf dem Weg zum "globalen Akteur"
4.1) Die Entwicklung der GASP
4.1.1) Europäische Außenpolitik vor der GASP
4.1.2) Die Ziele der GASP
4.1.3) Institutionen und Prozesse der GASP im Wandel
4.2) Das Selbstverständnis der EU als globaler Akteur
4.3) Die GASP zwischen Anspruch und Realität
5) Die strategische Partnerschaft zwischen der EU und Indien
5.1) Indien als globaler Partner
5.2) Rückblick auf europäisch-indische Beziehungen
5.3) Wahrnehmung Indiens in der EU
5.4) Wahrnehmung der EU in Indien
5.5) Beweggründe für eine strategische Partnerschaft
5.6) Der Joint Action Plan (JAP) der EU und Indiens
5.7) Implementierung des JAP bis 2008
5.8) Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien
6) Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Außenbeziehungen der Europäischen Union am Beispiel der strategischen Partnerschaft mit Indien, um zu evaluieren, ob die EU ihr proklamiertes Ziel, als "globaler Akteur" aufzutreten, effektiv umsetzen kann oder ob die Strategien eher durch nationale Einzelinteressen und Rhetorik geprägt sind.
4.1.1) Europäische Außenpolitik vor der GASP
Die Fortschritte hinsichtlich einer gemeinsamen Außenpolitik im Laufe der Jahre fielen zwar größtenteils sehr ehrgeizig aber auch schleppend aus. Ein sehr früher und groß angelegter Ansatz mit Elementen einer europäischen Außenpolitik bestand in dem Versuch eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft einzurichten. 1950 planten die späteren Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) Niederlande, Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Italien auf einen Vorschlag des damaligen französischen Ministerpräsidenten René Pleven hin die Zusammenlegung der nationalen Streitkräfte und somit die Schaffung eines gemeinsamen Militärapparats zur europäischen Verteidigung.
1954 scheiterte der nach seinem Urheber benannte Pleven-Plan jedoch ausgerechnet durch ein Veto der französischen Nationalversammlung. Die letztendliche französische Ablehnung des Pleven-Plans erklärt sich daraus, dass die Einrichtung einer EVG auch eine frühe Wiederbewaffnung und politische Stärkung der jungen Bundesrepublik Deutschland bedeutet hätte.
Die Gründe hierfür standen gänzlich im Zeichen des aufkommenden Ost-West-Konflikts: Insbesondere seitens der USA wurde in den frühen 1950er Jahren eine baldige Wiederbewaffnung Deutschlands gefordert um einen allmählichen Abzug der alliierten Besatzungstruppen aus der Bundesrepublik zu ermöglichen, ohne diese einer militärischen Gefahr aus der unter sowjetischen Einfluss stehenden Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auszusetzen. Für Frankreich hätte eine deutsche Wiederbewaffnung aufgrund der Erfahrungen mit Deutschland als Aggressor in zwei Weltkriegen eine schwerwiegende Gefährdung des eigenen Sicherheitsempfindens bedeutet. Der Pleven-Plan wäre hierbei für die französische Regierung eine Möglichkeit gewesen, einerseits den amerikanischen Forderungen entgegenzukommen, aber die deutsche Remilitarisierung selbst weitestgehend im Rahmen gemeinsamer europäischer Streitkräfte zu kontrollieren. Letztendlich blieben die Bemühungen durch das besagte Veto jedoch vollkommen erfolglos, da der deutsche Einfluss in der geplanten EVG von der französischen Nationalversammlung trotz allem als zu bedeutend erachtet wurde. Diese frühe Episode der europäischen Einigungsbemühungen war offensichtlich zum einen noch deutlich von den Erfahrungen der nationalstaatlichen Kriege des späten 19. und 20. Jahrhunderts geprägt und zum anderen von der empfundenen kommunistischen Bedrohung aus Osteuropa.
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass die Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) für die EU an Bedeutung gewonnen hat, jedoch durch interne Konflikte wie die Irakkrise und mangelnde Kohärenz in ihren Zielen und ihrer Umsetzung als globaler Akteur herausgefordert wird.
2) Theoretische Ansätze: Das Kapitel umreißt den Neofunktionalismus, den Neorealismus und den Föderalismus, um die Dynamiken und Motive hinter den außenpolitischen Prozessen der europäischen Integration zu erklären.
3) Begriffsklärungen: Hier werden die zentralen Begriffe "globaler Akteur" und "strategische Partnerschaft" definiert, um eine Arbeitsgrundlage für die spätere Analyse der politischen Rhetorik und Realität zu schaffen.
4) Die EU auf dem Weg zum "globalen Akteur": Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung der europäischen Außenpolitik seit den 1950er Jahren, die GASP seit dem Vertrag von Maastricht und deren institutionelle Struktur, um zu bewerten, inwiefern die EU tatsächlich einheitlich agieren kann.
5) Die strategische Partnerschaft zwischen der EU und Indien: Dieser Hauptteil untersucht die strategische Partnerschaft mit Indien als Fallbeispiel, analysiert das indische Selbstverständnis und die wechselseitige Wahrnehmung, den Joint Action Plan sowie die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen auf ihre Praxistauglichkeit.
6) Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die EU trotz institutioneller Fortschritte bei der GASP weiterhin an einem Mangel an kohärenter Strategie und Realitätsbezug leidet, wodurch ihr Anspruch als "globaler Akteur" bisher weitgehend rhetorischer Natur bleibt.
Europäische Union, GASP, globaler Akteur, Indien, strategische Partnerschaft, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Joint Action Plan, Außenpolitik, Integration, Freihandelsabkommen, Weltpolitik, internationale Beziehungen, Souveränität, Macht, Kooperation
Die Arbeit untersucht, ob die Europäische Union in ihren Außenbeziehungen – konkret am Beispiel der strategischen Partnerschaft mit Indien – als einheitlicher, handlungsfähiger "globaler Akteur" agiert oder ob ihr Anspruch an eine kohärente Außenpolitik hinter der Realität zurückbleibt.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), die theoretische Einordnung der europäischen Integration, die bilaterale strategische Partnerschaft zwischen der EU und Indien sowie die damit verbundenen Herausforderungen wie der Joint Action Plan und Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen.
Die zentrale Fragestellung lautet: Sind die Strategien und Zielsetzungen der EU hinsichtlich der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik klar gesetzt, kontinuierlich und der politischen Realität entsprechend?
Der Autor wendet eine empirisch-analytische Methode an, um die strukturellen Prozesse der GASP sowie das Fallbeispiel der strategischen Partnerschaft mit Indien zu untersuchen und auf Basis theoretischer Ansätze (Neofunktionalismus, Neorealismus, Föderalismus) kritisch zu bewerten.
Im ersten Hauptteil wird die historische Entwicklung der GASP und die Herausbildung der EU als außenpolitischer Akteur analysiert. Der zweite Hauptteil konzentriert sich auf das Fallbeispiel der strategischen Partnerschaft mit Indien, einschließlich einer Analyse von Indiens Rolle in der Weltpolitik sowie des Joint Action Plans und der Freihandelsverhandlungen.
Die wichtigsten Schlagworte sind GASP, Europäische Union, Indien, strategische Partnerschaft, globaler Akteur, Außenpolitik und Freihandelsabkommen.
Indien nimmt die EU in erster Linie als wichtigen Wirtschaftspartner wahr, begegnet ihr jedoch mit Skepsis als politischem Akteur, da die EU aufgrund ihrer internen Strukturen und der uneinheitlichen Interessen ihrer 27 Mitgliedsstaaten nicht als geschlossene politische Stimme auftritt.
Der JAP sollte das Herzstück der strategischen Partnerschaft bilden. Die Analyse des Autors zeigt jedoch, dass er primär viele vage Zielsetzungen und Dialogmechanismen enthält, die oft kaum über bestehende Kooperationen hinausgehen und eher als Produkt politischer Rhetorik denn als substanzieller Aktionsplan für eine klare strategische Ausrichtung angesehen werden.
Das Abkommen ist umstritten, da die EU versucht, nicht-wirtschaftliche Standards (z. B. Patentrechte für Medikamente, Umweltauflagen, Kinderarbeit) mit wirtschaftlichen Interessen zu verknüpfen, was von indischer Seite als Einmischung in interne Angelegenheiten und von zivilgesellschaftlichen Akteuren als Gefahr für die medizinische Versorgung und den Agrarsektor kritisiert wird.
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