Bachelorarbeit, 2006
47 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der Behinderungsbegriff in ausgewählten traditionellen Ansätzen der Heil- und Sonderpädagogik
2.1 Allgemeines zum Begriff der Behinderung
2.2 Medizinischer Ansatz
2.3 Ökologischer Ansatz
2.4 Materialistischer Ansatz
3 Auswirkungen dieser Begriffsverständnisse auf die Heil- und Sonderpädagogik als Profession
3.1 Auswirkungen auf Diagnostik und Förderung
3.1.1 Medizinischer Ansatz
3.1.2 Ökologischer Ansatz
3.1.3 Materialistischer Ansatz
3.2 Auswirkungen des gewandelten Begriffsverständnisses
4 Aspekte neuerer Konzepte als Beurteilungskriterien für obige Ansätze
4.1 Darstellung neuerer Konzepte
4.2 Diskussion über den Begriff der Behinderung
4.3 Klassifikation
4.3.1 Diagnostik
4.3.2 Institutionalisierung
4.3.3 Zusammenfassung
4.4 Entsolidarisierung mit Behinderten
4.5 Grundlegende Kategorien der Heil- und Sonderpädagogik
4.5.1 Diskrepanz zwischen Disziplin und Profession
4.5.2 Prozess der Wissensbildung
4.5.3 Normativität
4.5.4 Zusammenfassung
5 Zusammenfassende Gegenüberstellung und mögliche Auswirkungen auf die Heil- und Sonderpädagogik als Profession
6 Abschließende Betrachtung
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Begriffsverständnisse von Behinderung in traditionellen Ansätzen (medizinisch, ökologisch, materialistisch) und deren Einfluss auf die sonderpädagogische Profession, um zu analysieren, ob Disability Studies neue Impulse zur gesellschaftlichen Inklusion liefern können.
2.2 Medizinischer Ansatz
Dem medizinischen oder auch individuumszentrierten Ansatz liegen klassisch-naturwissenschaftliche Denkweisen zugrunde. Als ein wichtiger Vertreter sei hier Descartes genannt, der im 17. Jahrhundert das Denken des Rationalismus geprägt hat: Das gesamte Universum und auch der Mensch funktionieren hiernach wie eine Maschine, nach mechanischen Gesetzen und mit definitiven Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen. Vor allem in der Medizin werden auch heute noch Grundlagen dieser Auffassung deutlich: Krankheit wird als Fehlfunktion der „Maschine Körper“ verstanden. Deren Ursachen sucht der Mediziner in funktionellen Abläufen, die dann wieder in den Normalzustand zurückversetzt werden sollen.
Bis in die 60er Jahre wurde auch im sonderpädagogischen Kontext hauptsächlich auf dieses Denkmodell zurückgegriffen. Das heißt, Auffälligkeiten und Abweichungen vom Normalzustand eines Menschen wurden als Folge einer Schädigung des physischen Organismus angesehen. Nach Balgo (2002, S.25) ist „der Fokus des wissenschaftlichen und praktischen Interesses individuumszentriert“ auf den Einzelnen gerichtet, „wobei die Ursachen der beobachteten Auffälligkeiten in seiner Person verortet werden“. Der eigentlich rein für die körperliche Ebene entwickelte individuumszentrierte Krankheitsbegriff wird hier auf alle Ebenen des Menschseins angewendet, z.B. auf den Interaktions- und Kommunikationsbereich wie Sprechen, Verhalten oder Lernen. Dadurch wird die Bedeutung des sozialen Kontextes negiert (vgl. Balgo, 2002, S.27). Hermes (2006, S.17) betont sogar, dass „soziale Benachteiligungen behinderter Menschen ... im medizinischen Erklärungsmodell als unabänderliche Folge persönlicher Defizite gesehen“ werden.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität des Behinderungsbegriffs ein und stellt die Forschungsfragen sowie die Auswahl der medizinischen, ökologischen und materialistischen Ansätze vor.
2 Der Behinderungsbegriff in ausgewählten traditionellen Ansätzen der Heil- und Sonderpädagogik: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des medizinischen, ökologischen und materialistischen Modells und ihre jeweilige Sicht auf Behinderung.
3 Auswirkungen dieser Begriffsverständnisse auf die Heil- und Sonderpädagogik als Profession: Hier wird analysiert, wie sich die verschiedenen Begriffsverständnisse konkret auf Diagnostik, Förderung und das sonderpädagogische Handeln auswirken.
4 Aspekte neuerer Konzepte als Beurteilungskriterien für obige Ansätze: Dieses zentrale Kapitel diskutiert Disability Studies und andere reflektive Ansätze und nutzt diese zur kritischen Beurteilung zentraler Kategorien wie Klassifikation, Diagnostik und Normativität.
5 Zusammenfassende Gegenüberstellung und mögliche Auswirkungen auf die Heil- und Sonderpädagogik als Profession: Das Kapitel vergleicht die Ansätze miteinander und bewertet das Potenzial einer veränderten Sichtweise für die zukünftige Ausrichtung der Sonderpädagogik.
6 Abschließende Betrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Schwierigkeit eines Paradigmenwechsels in einer von Angst vor Veränderung geprägten Gesellschaft.
Behinderung, Sonderpädagogik, Disability Studies, medizinischer Ansatz, ökologischer Ansatz, materialistischer Ansatz, Diagnostik, Klassifikation, Normalisierung, Normativität, Partizipation, Inklusion, Exklusion, Professionalisierung, soziale Konstruktion.
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und kritischen Reflexion unterschiedlicher Sichtweisen auf den Begriff "Behinderung" und deren Auswirkungen auf die sonderpädagogische Profession.
Zentrale Themen sind der Vergleich theoretischer Erklärungsmodelle (medizinisch, ökologisch, materialistisch), die Praxis sonderpädagogischer Diagnostik und Förderung sowie die Debatte um die Professionalisierung der Heil- und Sonderpädagogik.
Ziel ist es, herauszufinden, ob eine veränderte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Behinderungsbegriff, insbesondere durch die Disability Studies, zu einer besseren gesellschaftlichen und politischen Verankerung von Inklusion führen kann.
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse und Literaturrecherche, um die traditionellen Ansätze und die neueren Konzepte gegenüberzustellen und auf ihre Reflexionsfähigkeit hin zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert, wie unterschiedliche Theorien Behinderung definieren und welche Konsequenzen dies für Diagnose, Klassifikation, Institutionalisierung und die professionelle Identität von Sonderpädagogen hat.
Wichtige Begriffe sind Behinderung, Disability Studies, Inklusion, Exklusion, soziale Konstruktion, Diagnostik und Normativität.
Vertreter der Disability Studies kritisieren den medizinischen Ansatz scharf, da er Behinderung als individuelles Defizit ("Maschine Körper") betrachtet, was zu Stigmatisierung, Kategorisierung und Ausgrenzung führt.
Sie ist notwendig, um die bei der Unterbringung in Heimen oder Sonderschulen entstehenden Eigengesetzmäßigkeiten und Gewaltstrukturen zu beenden und eine wirkliche Teilhabe als Subjekt zu ermöglichen.
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