Bachelorarbeit, 2009
76 Seiten, Note: 1,3
1) Einleitung
2) Definition von Hexerei, der Hexentheorie und Hexenprozessen
2.1) „Hexerei“
2.2) „Hexentheorie“
2.3) „Hexenprozess“ und „Zaubereiprozess“
3) Die Hexenverfolgung in der Stadt Lemgo
3.1) Kurzer Exkurs über die Geschichte der Stadt – Position Lemgos im Zeitalter der Hexenverfolgung
3.2) Verlauf und Höhepunkte der Lemgoer Hexenverfolgungen
3.3) Erklärungsansatz
4) Grundkategorien literarischer und volkstümlicher Fiktionen und Entwicklung der Auffassung gegenüber Hexerei bzw. den Hexenverfolgungen
5) Korrektur von Klischees: Untersuchung von volkstümlichen Thesen in Bezug auf die Hexenverfolgungen
5.1) Die massenhaften Hexenverfolgungen fanden im Mittelalter statt
5.2) Die Hexenverfolgung war eine große, zusammenhängende Verfolgung
5.2.1 Opferzahlen – Die Hexenverfolgung, eine große Verfolgung mit Neun Millionen Opfern?
5.2.2 Die Hexenverfolgungen – eine zusammenhängende Verfolgung?
5.3) Die Hexenverfolgungen waren ein Verbrechen der (katholischen) Kirche
5.3.1) Der Umgang mit Schadenzauberei durch die staatliche und kirchliche Gerichtsbarkeit vor dem Zeitalter der Hexenverfolgungen
5.3.2) Initiierung der Hexenverfolgungen
5.3.3) Umsetzung der Hexenverfolgungen
5.3.3.1) Die Umsetzung der Hexenverfolgungen als Verbrechen der Kirche
5.3.3.2) Die extreme Verfolgungswut ging nur von der katholischen Kirche aus
5.3.3.3) Die Umsetzung der Hexenverfolgungen als Faktorenbündel
5.4) Jeder Zaubereiverdacht führte zu einer gerichtsrelevanten Anklage wegen Hexerei
5.5) Hexereiverfahren führten grundsätzlich zum Todesurteil
5.6) Nur Frauen wurden der Hexerei verdächtigt und zum Opfer der Hexenverfolgungen
6) Fazit
Diese Bachelor-Arbeit untersucht kritisch weit verbreitete volkstümliche Thesen und Klischees über die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit, um diese auf ihre historische Korrektheit zu prüfen. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine wissenschaftliche Analyse, unter Einbeziehung des regionalen Beispiels der Stadt Lemgo, ein differenzierteres Bild des Phänomens zu zeichnen und populäre Mythen zu hinterfragen.
3.1) Kurzer Exkurs über die Geschichte der Stadt – Position Lemgos im Zeitalter der Hexenverfolgung
Bis ins 17. Jahrhundert hinein definierte Lemgo sich als die bedeutendste Stadt der Grafschaft Lippe. Sie erlangte vor allem durch den Fernhandel der Kaufleute ihren Wohlstand60.
Auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Blüte konnte Lemgo zwischen den 1470er und 1480er Jahren das ius gladii61 vom verschuldeten Landsherrn Bernhard VII. erwerben. Das Privileg der Hochgerichtsbarkeit gewährte den Bürgermeistern und den beiden Räten von nun an die alleinige Verfahrensherrschaft über alle Stationen eines Kriminalprozesses. Damit waren sie vom Zeitpunkt der Inhaftierung eines Inquisiten bis zur Urteilsfindung und -exekution unabhängig von der Gerichtsbarkeit der Landesherrschaft62. Dass Lemgo als einzige lippische Stadt die Blutgerichtsbarkeit besaß, erklärt vermutlich auch die Tatsache, dass in Lemgo besonders viele Hexenprozesse stattfanden63.
In Lemgo verkörperte also der Rat der Stadt das weltliche Gericht. Die Bürgermeister waren angesehene und einflussreiche Kaufleute und seit dem „Hexenbürgermeister“ Kerkmann (ab 1626) stets ausgebildete Juristen. Aber auch der lippische Graf konnte die Prozesse beeinflussen, indem er „Begnadigungen“ zum Schwert aussprechen und die damit verbundenen Gebühren einnehmen konnte64. Des Weiteren bildeten die reichsrechtlichen Bestimmungen der Carolina zumindest nominell den normativen Rahmen für die die städtische Strafrechtspflege65.
Der wirtschaftlichen Bedeutung entsprach der Anspruch Lemgos auf eine nahezu politische und konfessionelle Autonomie innerhalb des Territoriums. Durch einen Bürgeraufstand im Jahre 1609 („Lemgoer Revolte“) wurde die Annahme der reformierten Konfession verhindert, und mit einem Abschlussvertrag, dem „Röhrentruper Rezeß“ von 1617, konnte die Stadt sich weitgehende Hoheitsrechte sichern und den Verbleib beim Luthertum gewährleisten. Der Rat verkörperte dabei nach wie vor die bestimmende kirchliche und weltliche Obrigkeit. Die zwei Besetzungen des Rates lösten einander in Abstimmung mit Gremien der Bürgerschaft im jährlichen Rhythmus ab66.
1) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Faszination und die Problematik der verzerrten Wahrnehmung von Hexenverfolgungen durch populärwissenschaftliche und subkulturelle Literatur.
2) Definition von Hexerei, der Hexentheorie und Hexenprozessen: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Magie, Schadenzauber und die theoretische Konstruktion des Hexereidelikts.
3) Die Hexenverfolgung in der Stadt Lemgo: Das Kapitel liefert einen Überblick über die spezifischen Verfolgungen in Lemgo und beleuchtet den historischen Kontext der Stadt.
4) Grundkategorien literarischer und volkstümlicher Fiktionen und Entwicklung der Auffassung gegenüber Hexerei bzw. den Hexenverfolgungen: Hier werden die Ursprünge und der Wandel der Hexenbilder in Literatur und Gesellschaft untersucht.
5) Korrektur von Klischees: Untersuchung von volkstümlichen Thesen in Bezug auf die Hexenverfolgungen: Der Hauptteil widerlegt durch historische Analyse verbreitete Mythen, wie die Behauptung, Verfolgungen hätten primär im Mittelalter stattgefunden oder seien ein rein katholisches Verbrechen.
6) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Hexenverfolgungen ein hochkomplexes, multifaktorielles Geschehen waren, das regional und zeitlich stark variierte und nicht durch monokausale Erklärungen fassbar ist.
Hexenverfolgung, Hexenprozesse, Lemgo, Hexentheorie, Frühe Neuzeit, Schadenzauber, Inquisitionsverfahren, Carolina, Kirche, Aberglaube, Hexenhammer, Geschlechtsspezifische Verfolgung, Regionalgeschichte, Hexenproben, Folter.
Die Arbeit untersucht und hinterfragt populäre volkstümliche Mythen und Vorurteile über Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit, um sie mit historisch belegten Fakten abzugleichen.
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Hexerei, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Rolle von Kirche und weltlicher Obrigkeit sowie die soziokulturellen Auslöser der Verfolgungen.
Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse, gestützt auf das Beispiel Lemgo, ein differenziertes Verständnis für die Dynamik der Verfolgungen zu schaffen und die Komplexität des Phänomens aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um existierende Thesen anhand von Primär- und Sekundärquellen zu prüfen und regionale Fallbeispiele (besonders Lemgo) in den größeren Kontext einzuordnen.
Der Hauptteil analysiert gezielt sechs populäre Thesen – von der zeitlichen Einordnung bis zur Rolle der katholischen Kirche und der geschlechtsspezifischen Opferverteilung – und korrigiert diese anhand des Forschungsstandes.
Wesentliche Begriffe sind Hexenprozesse, Frühe Neuzeit, Hexentheorie, Hexenhammer, Carolina und die multifaktorielle Entstehungsgeschichte der Verfolgungen.
Lemgo dient als regionales Fallbeispiel, da es aufgrund seiner spezifischen Blutgerichtsbarkeit und gut erhaltener Akten eine tiefgehende mikrohistorische Analyse der Verfolgungsdynamik ermöglicht.
Die Arbeit differenziert stark und weist die These einer von der Kirche allein initiierten "katholischen Verfolgungswut" zurück, indem sie auf die Beteiligung weltlicher Obrigkeiten und die unterschiedlichen Haltungen innerhalb der Konfessionen verweist.
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