Bachelorarbeit, 2010
62 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Funktionsweisen des Heterotopie-Utopie-Konzepts von Michel Foucault
2.1 Funktionsweisen von Literatur nach Michel Foucault
2.2 Verortung von Literatur im Utopie-Heterotopie-Konzept
3. Die Literatur Daniel Kehlmanns
3.1 Daniel Kehlmann über Literatur – Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Denken Foucaults
3.1.1 Utopien in Daniel Kehlmanns Literatur
3.1.2 Heterotopien in Daniel Kehlmanns Literatur
3.2 Verknüpfungen von Utopien und Heterotopien in Daniel Kehlmanns Literatur
3.2.1 Das Andere
3.2.2 Das Totenreich
3.2.3 Die Mathematik als Grundlage von Raum und Zeit
3.3 Das Motiv des Spiegels
3.4 Zwischenfazit
4. Die Heterotopie des Leseraumes am Beispiel der Literatur Daniel Kehlmanns
4.1 Die Gesellschaft oder das Gleiche
4.2 Das Andere
5. Die Heterotopie des Schreibraumes
5.1 Michel Foucault und seine Positionierung als Autor
5.2 Daniel Kehlmann und seine Positionierung als Autor
6. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Michel Foucaults Konzepten der Utopie und Heterotopie auf literarische Texte, wobei das Werk von Daniel Kehlmann als zentrales Fallbeispiel dient, um die Verknüpfung von realen und imaginären Räumen in der Literatur zu analysieren.
3.1.1 Utopien in Daniel Kehlmanns Literatur
Daniel Kehlmanns erster Roman „Beerholms Vorstellung“, eine Geschichte über einen Magier, der seine Kunst so ernst nimmt, dass er sie irgendwann nicht mehr von der Realität unterscheiden kann, könnte als individuelle Utopie gelesen werden ähnlich den utopischen Erfahrungen, die Foucault in „Der utopische Körper“ beschreibt. Bereits der Titel gibt einen Hinweis darauf, dass diese Geschichte nur in der Vorstellungswelt spielt und damit keinen Realitätsanspruch besitzt. Hinzu kommen textimmanente Hinweise auf Vorstellungsbilder, wie zum Beispiel eine Passage, in der Beerholm sich vorstellt, in ein Kloster zu gehen, an eine Tür zu klopfen, einen blinden Abt anzutreffen und dann dort zu bleiben. Als hätte es den Hinweis auf die bloße Imagination dieser Szene nicht gegeben oder andersherum der Traum nie aufgehört, spielt von diesem Zeitpunkt an die Geschichte im Kloster. Am Schluss des Romans bekennt Beerholm, dass die Geschichte zu einer Traumwelt gehöre, die jedes Dasein umwuchere. Damit ist anzunehmen, dass die gesamte Geschichte ortlos und damit utopisch bleibt.
In „Der fernste Ort“, einem Roman der von einem jungen Mann erzählt, der auf einer Dienstreise zu Tode kommt, sich aber in den Minuten vor dessen Eintreten ausmalt, seinem Ende zu entkommen und die Chance zu nutzen, aus seinem bisherigen Leben zu fliehen. Der Protagonist Julian durchlebt gedanklich in den Minuten vor Eintreten des Todes zentrale Ausschnitte seines Lebens noch einmal. Er trifft auf seinen Bruder, zu dem er immer eine schwierige Beziehung hatte, er geht zu seinem Vater ins Krankenhaus und sieht noch einmal dessen Leiden, er trifft seinen Chef in Form einer Unterweltfigur und er reflektiert seine Kindheit, den Selbstmord seiner Mutter. Am Ende gelingt ihm die Flucht aus diesem Leben, doch der aufmerksame Leser merkt, dass der Ausweg, den Julian gefunden hat, der Tod ist. Hier ist eine Möglichkeit der Anknüpfung an Foucault gegeben. Dieser hatte in „Der utopische Körper“ das Totenreich als typisches Beispiel einer Utopie benannt, da der Weg dorthin die Überwindung des Körpers bedeute.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Anwendbarkeit des Foucaultschen Utopie-Heterotopie-Konzepts auf die Literatur Daniel Kehlmanns.
2. Funktionsweisen des Heterotopie-Utopie-Konzepts von Michel Foucault: Dieses Kapitel arbeitet die theoretischen Grundlagen Foucaults auf, insbesondere die Unterscheidung zwischen realen Heterotopien und den ideellen Utopien.
3. Die Literatur Daniel Kehlmanns: Hier wird das Werk Kehlmanns auf utopische und heterotope Strukturen hin untersucht, wobei Themen wie der Tod, die Mathematik und das Motiv des Spiegels im Zentrum stehen.
4. Die Heterotopie des Leseraumes am Beispiel der Literatur Daniel Kehlmanns: Das Kapitel analysiert, wie Literatur als heterotoper Raum fungiert, der dem Leser eine Identifikation mit dem "Anderen" ermöglicht.
5. Die Heterotopie des Schreibraumes: Dieser Abschnitt vergleicht die Positionierung von Michel Foucault und Daniel Kehlmann als Autoren im Kontext von Heterotopien.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die enge Verknüpfung von Utopie und Heterotopie innerhalb der Literatur von Daniel Kehlmann.
Michel Foucault, Daniel Kehlmann, Heterotopie, Utopie, Literaturtheorie, Raumkonzepte, Totenreich, Spiegelsymbolik, Autorschaft, Andersartigkeit, Realität, Fiktion, Diskursanalyse, Identität, Gesellschaft
Die Arbeit untersucht die theoretischen Konzepte von Michel Foucault zu Utopien und Heterotopien und wendet diese auf literarische Texte von Daniel Kehlmann an.
Zentrale Themen sind die Beziehung zwischen Raum und Literatur, die Rolle des Autors, die Bedeutung des "Anderen" sowie die Analyse von Ordnungs- und Fluchtsystemen in Kehlmanns Romanen.
Das Ziel ist es zu ergründen, wo Anknüpfungspunkte zwischen Foucaults Konzepten und Kehlmanns literarischer Präsenz bestehen und inwiefern Literatur als heterotoper Ort fungieren kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literatur- und Theorieanalyse, die Foucaults philosophische Ausführungen mit Kehlmanns literarischen Texten vergleicht und in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung nach Foucault, die Analyse verschiedener Motive bei Kehlmann (Tod, Spiegel, Mathematik) sowie die Betrachtung der heterotopen Wirkung auf Leser und Autoren.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heterotopie, Utopie, Literatur, Raum und die spezifische Identitätsproblematik bei Foucault und Kehlmann definiert.
Das Spiegelmotiv wird als eine Form der "heterotopen Inversion" verstanden, die es dem Protagonisten ermöglicht, sich von außen zu betrachten und damit die gesellschaftliche Norm zu hinterfragen.
Das Totenreich wird als ein Ort der Überwindung des Körpers und damit als eine spezifische Form der Utopie analysiert, die in Kehlmanns Romanen eine zentrale Rolle für die Protagonisten spielt.
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