Bachelorarbeit, 2010
73 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Geschichtliche Entwicklung des Stiftungswesens und ursprüngliche Motive zur Errichtung von Stiftungen
2.1 Antike Stiftungen: Übertragung von Vermögen und Verwaltung von Gotteseigentum
2.2 Stiftungen zu Zeiten des römischen Kaiserreiches: Sicherung des Seelenheils und der Beginn der Wohltätigkeit
2.3 Das Mittelalter als das Zeitalter der Stiftungen schlechthin
2.4 Zeitstrahl deutscher Stiftungen: Vom Mittelalter bis in die Neuzeit
3 Die verschiedenen Stiftungs-Rechtsformen
3.1 Allgemeine Eigenschaften von Stiftungen
3.2 Stiftungen öffentlichen Rechts: Der Staat als Stifter
3.3 Die rechtsfähige Stiftung des Privatrechts (BGB-Stiftung)
3.3.1 Gründung und Anerkennung einer rechtsfähigen Stiftung des privaten Rechts
3.3.2 Das Stiftungsgeschäft unter Lebenden
3.3.3 Das Stiftungsgeschäft von Todes wegen
3.3.4 Exkurs: Die Bürgerstiftung – Kollektives bürgerschaftliches Engagement
3.4 Nichtrechtsfähige, treuhänderische oder unselbstständige Stiftungen
3.4.1 Merkmale treuhänderischer Stiftungen
3.4.2 Exkurs: Kirchliche Stiftungen – Ausdruck religiöser Nächstenliebe
3.4.2.1 Die rechtsfähige kirchliche Stiftung
3.4.2.2 Die kirchliche Treuhandstiftung am Beispiel der evangelischen Landeskirchenstiftung Württemberg
4 Unternehmerische Motivation zur Errichtung von Stiftungen
4.1 Die Form der Unternehmensträgerstiftung
4.1.1 Die Stiftung & Co. KG: Verbindung von Flexibilität und Kontinuität
4.2 Die Form der Beteiligungsträgerstiftung
4.2.1 Die Familienstiftung: Bestandssicherung von Familienunternehmen und Förderung der eigenen Nachkommen
4.2.1.1 Familienstiftungen mit eingebundener Wohltätigkeitsfunktion
4.2.2 Die (gemeinnützige) Stiftungs-GmbH: „der Name macht‘s!“
4.2.2.1 Vorteile der gemeinnützigen Stiftungs-GmbH gegenüber rechtsfähigen Stiftungen
4.3 Die Form der Doppelstiftung
4.4 Bekannte unternehmensverbundene Stiftungen und die Motive ihrer Stiftungsväter
4.4.1 Die Carl-Zeiss-Stiftung 1889 – 2004 und heute
4.4.2 Die Bertelsmann Stiftung
4.4.3 Die Robert Bosch Stiftung GmbH
4.5 Der Blick über die unternehmerischen Vorteile hinaus: Was Menschen allgemein zum Stiften motiviert
4.5.1 Gründungmotive in der Realität: Eine Studie des BDS und der Bertelsmann Stiftung
5 Stiftungen und ihr Nutzen für die Gesellschaft
5.1 Der moralische Imperativ des Stiftens
5.2 Das Stiftungswesen als wachsender Akteur im Dritten Sektor
5.2.1 Stiftungserrichtungen 1960 – 2009
5.3 Zivilgesellschaftliches Engagement in Zahlen
5.3.1 Die größten Stiftungen privaten Rechts nach Vermögen
5.3.2 Die größten Stiftungen privaten Rechts nach Gesamtausgaben
5.3.3 Stiftungsaufkommen nach Großstädten und Bundesländern
5.3.4 Verteilung der Stiftungszweckhauptgruppen im Stiftungsbestand
5.4 Unternehmen übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft: Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship (CC)
5.4.1 Wie äußern sich CSR und CC im Unternehmensbereich?
5.4.2 CSR in der Kritik: Strategie für das Gemeinwohl oder strategisches Marketing?
6 Zusammenfassung und Schlussbemerkung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das „unbekannte Wesen“ Stiftung näher zu erklären und Vorurteile gegenüber dem deutschen Stiftungswesen, wie etwa die Annahme, Stiftungen seien primär Steuersparmodelle für Reiche, abzubauen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche Motivationen zur Stiftungsgründung in der Wirtschaft existieren und welche positiven Auswirkungen gemeinnützige unternehmensverbundene Stiftungen auf die Gesellschaft haben.
4.1.1 Die Stiftung & Co. KG: Verbindung von Flexibilität und Kontinuität
Die Stiftung & Co. KG ist dadurch gekennzeichnet, dass die Stiftung die Rolle der Komplementärin einer Kommanditgesellschaft übernimmt und somit als persönlich haftende Gesellschafterin gemäß §§ 161-177a HGB auftritt. Dabei besteht für die Stiftung & Co. KG jedoch lediglich eine beschränkte Haftung. Sie bürgt ausschließlich mit dem Stiftungsvermögen, für welches es bei einer Stiftung & Co. KG keines Mindestkapitals bedarf.
Die Stiftung & Co. KG unterliegt als Personengesellschaft, wie jede gewöhnliche Kommanditgesellschaft, der Einkommens- und Gewerbesteuer. Sofern sie jedoch ausschließlich vermögensverwaltende Aufgaben übernimmt, entfällt die gewerbliche Steuerbelastung.
Durch ihre Führungsrolle als Komplementärin ist die Stiftung & Co. KG zusammen mit der Geschäftsleitung in der Lage Einfluss auf die Geschäfte des Unternehmens auszuüben und schafft darüber hinaus eine Art Garantie für die kontinuierliche Durchsetzung des Stifterwillens. Dabei unterliegt sie der Aufsicht der Stiftungsbehörden – eine Aufhebung der Stiftung oder eine Änderung der Satzung bedarf somit der ausdrücklichen Genehmigung des Staates.
Die Stiftung & Co. KG ist durch ihre auf unendliche Dauer angelegte Stiftungsform durchaus für die Unternehmensnachfolge über Generationen geeignet. Ihr besonderer Vorteil, vor allen Dingen gegenüber reinen BGB-Unternehmensträgerstiftungen, liegt darin, dass sie keine Kapitalgesellschaft darstellt. Dadurch ist die Stiftung & Co. KG sowohl von der Mitbestimmung, als auch von der Publizitätspflicht (Offenlegung des Jahresabschlusses) befreit. Diese beiden Punkte und die zuvor erwähnte Einsparung der Gewerbesteuer stellen für Unternehmen in der Praxis vermutlich die größten Anreize zur Errichtung einer Unternehmensträgerstiftung in Form einer Stiftung und Co. KG dar.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation zur Arbeit, setzt sich mit dem öffentlichen Bild von Stiftungen auseinander und definiert die Zielsetzung, die Stiftung als Instrument für gemeinnützige Zwecke aus wirtschafts- und unternehmensethischer Sicht zu beleuchten.
2 Geschichtliche Entwicklung des Stiftungswesens und ursprüngliche Motive zur Errichtung von Stiftungen: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese von Stiftungen von der Antike über das römische Kaiserreich bis zum Mittelalter nach und verdeutlicht den Wandel von eigennützigen Motiven hin zu einer stärkeren Ausrichtung auf das Gemeinwohl.
3 Die verschiedenen Stiftungs-Rechtsformen: Hier werden die rechtlichen Strukturen des deutschen Stiftungswesens differenziert, einschließlich der Abgrenzung zwischen Stiftungen öffentlichen Rechts und rechtsfähigen sowie nichtrechtsfähigen Stiftungen des Privatrechts.
4 Unternehmerische Motivation zur Errichtung von Stiftungen: Das Kapitel analysiert, warum Unternehmen Stiftungen gründen, untersucht verschiedene Gestaltungsformen wie die Unternehmensträgerstiftung, die Beteiligungsträgerstiftung, die Familienstiftung und die Doppelstiftung und illustriert dies anhand bekannter Stiftungsbeispiele.
5 Stiftungen und ihr Nutzen für die Gesellschaft: Dieser Teil beleuchtet die Rolle von Stiftungen als Akteure im Dritten Sektor, analysiert statistische Daten zum Stiftungswesen in Deutschland und thematisiert das Engagement von Unternehmen durch Corporate Social Responsibility (CSR).
6 Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der zentralen Ergebnisse, wobei die Bedeutung von Stiftungen für das Gemeinwohl sowie die moralische Verantwortung von Unternehmen im Kontext des zivilgesellschaftlichen Engagements hervorgehoben werden.
Stiftung, Stiftungsrecht, Gemeinnützigkeit, Unternehmensträgerstiftung, Familienstiftung, Doppelstiftung, Stifterwille, Dritter Sektor, Corporate Social Responsibility, CSR, Corporate Citizenship, Zivilgesellschaft, Stiftungsmanagement, Unternehmensnachfolge, Philanthropie.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit dem deutschen Stiftungswesen, insbesondere mit der unternehmerischen Motivation zur Errichtung von Stiftungen und deren Beitrag zum gesellschaftlichen Nutzen.
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung, die rechtlichen Formen von Stiftungen, unternehmensverbundene Stiftungsformen sowie die gesellschaftliche Rolle und Verantwortung von Stiftungen im Sinne von Corporate Social Responsibility.
Das primäre Ziel ist es, das oft missverstandene Wesen der Stiftung zu erklären, Vorurteile abzubauen und aufzuzeigen, dass Stiftungen in der Wirtschaft nicht nur eigennützigen Zielen dienen, sondern einen wesentlichen ethischen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung empirischer Studien des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und der Bertelsmann Stiftung sowie der exemplarischen Untersuchung großer deutscher Stifterpersönlichkeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine detaillierte Darstellung der Rechtsformen, eine Untersuchung der unternehmerischen Stiftungsgestaltung (mit Fokus auf Motive und Modelle) sowie eine Bewertung des Beitrags von Stiftungen zur Zivilgesellschaft.
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Stiftung, Gemeinnützigkeit, unternehmerische Motivation, Familienstiftung, Doppelstiftung, Stifterwille, Dritter Sektor und Corporate Social Responsibility.
Die Stiftung & Co. KG bietet durch ihre Struktur als Personengesellschaft eine höhere Flexibilität bei der Unternehmensführung, ist von Mitbestimmungspflichten befreit und ermöglicht durch die Rolle als Komplementärin eine effizientere Verbindung von Unternehmenssteuerung und Stifterwille.
Kritiker werfen Unternehmen vor, CSR oft als strategisches Marketinginstrument zu nutzen, um ein besseres Image zu erzielen („doppelte Rendite“), während sie im operativen Hintergrund eventuell gegen ihre eigenen ethischen Grundsätze verstoßen.
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