Bachelorarbeit, 2025
55 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein fundiertes tiergestütztes Therapiekonzept für die systemisch ausgerichtete kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik zu entwickeln. Die zentralen Forschungsfragen untersuchen, wie systemische und tiergestützte Therapieansätze theoretisch und konzeptionell verbunden werden können, um hundgestützte Interventionen strukturiert umzusetzen, und wie ein solches Konzept unter Beachtung des Tierschutzes implementiert und evaluiert werden kann.
4.1 Gemeinsamkeiten beider Ansätze
Die systemische und die tiergestützte Therapie beruhen auf unterschiedlichen theoretischen Grundlagen, weisen jedoch zentrale Übereinstimmungen in ihrer Haltung, Methodik und Zielorientierung auf. Die systemische Therapie basiert, wie in Kapitel 2 dargestellt, auf einem konstruktivistischen Menschenbild, das individuelles Erleben nicht als objektiv feststellbare Wirklichkeit, sondern als durch soziale Kontexte geprägte Sinnkonstruktion versteht (vgl. Hanswille & Borst 2022: 114). Symptome gelten in diesem Verständnis nicht als pathologische Defizite, sondern als funktionale Antworten auf komplexe Beziehungsmuster innerhalb eines Systems. Die tiergestützte Therapie teilt diesen ressourcen- und beziehungsorientierten Blickwinkel. Auch hier steht nicht die Defizitdiagnose im Zentrum, sondern die Förderung emotionaler Sicherheit, Beziehungskompetenz und Selbstwirksamkeit über die Begegnung mit dem Tier als authentischem Interaktionspartner (vgl. Ladner & Brandenberger 2020: 88). Besonders Hunde zeichnen sich durch eine ausgeprägte soziale Sensibilität aus und begegnen üblicherweise allen Menschen ohne Vorurteile. Damit eröffnen sie einen Zugang zu Erfahrungen von Beziehung, ohne die Gefahr sozialer Bewertung, eine Qualität, die im Sinne systemischer Allparteilichkeit und Neutralität wirksam wird (vgl. Darga & Dapper 2022: 29).
In beiden Ansätzen sieht sich die Fachkraft, in der tiergestützten Therapie auch der Hund, nicht als Problemlöser:in, sondern als Begleiter:in und Impulsgeber:in (vgl. Hanswille & Borst 2022: 114). Die von Hanswille & Borst (2022: 118–119) im Sinne der Autopoiesis beschriebene systemische Haltung, dass Patient:innen „über alle Möglichkeiten verfügen, um ihre Situation zu verbessern", spiegelt sich auch in tiergestützten Settings wider. Der emotionale Zugang über den Hund ermöglicht die Reaktivierung vorhandener Ressourcen und legt den Fokus auf Selbstwirksamkeitserfahrungen der Patient:innen. (vgl. Heier & Liese-Evers 2021: 15). Diese geteilte Überzeugung, dass Veränderung aus der eigenen Erfahrung und bereits vorhandenen Fähigkeiten heraus entstehen kann, bildet eine zentrale Verbindungslinie und erklärt auch die konsequente Zielorientierung beider Ansätze. Therapieziele werden nicht autoritär vorgegeben, sondern partizipativ im Dialog mit den Kindern, Jugendlichen und ihrem sozialen System entwickelt. Dabei wird großer Wert auf realistische, individuell bedeutsame und erfahrbare Schritte gelegt, die Ressourcen aktivieren und Eigenverantwortung stärken (vgl. Hanswille & Borst 2022: 117; Dagar & Dapper 2022: 23-25). Die systemische Wunderfrage, als eine Interventionsmethode zur Zielklärung, kann durch tiergestützte Elemente konkretisiert werden („Was würde der Hund merken, wenn über Nacht ein Wunder geschehen ist?“). Über das BASK-Modell können Zielzustände multisensorisch erlebbar gemacht und durch die Einbeziehung des Hundes verkörpert werden, was auch ein Ziel in der tiergestützten Therapie darstellt (vgl. Hanswille & Kissenbeck 2010: 188; Wohlfarth & Mutschler 2022: 39).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ein und formuliert die Forschungsfragen zur Entwicklung eines integrierten tiergestützten Therapiekonzepts.
2. Die systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie: Hier werden die Grundlagen, die systemische Grundhaltung, der diagnostische Blick, die Hypothesenbildung, der Therapieprozess und die unterschiedlichen Therapiesettings dieses Ansatzes detailliert erläutert.
3. Die tiergestützte Therapie: Das Kapitel befasst sich mit den theoretischen Fundamenten der Mensch-Tier-Beziehung, den Qualitätsdimensionen tiergestützter Interventionen, verschiedenen Interaktionsformen und der speziellen Rolle des Hundes in der Therapie.
4. Integration von systemischer und hundgestützter Therapie: Dieses Kapitel analysiert die Gemeinsamkeiten und Schnittstellen beider Therapieansätze, entwickelt konkrete hundgestützte Interventionsideen für systemische Settings und reflektiert kritische Aspekte der Integration.
5. Die Konzeptentwicklung: Es wird ein integratives Konzept für den hundgestützten Einsatz in einer systemisch ausgerichteten Tagesklinik skizziert, wobei strukturelle Rahmenbedingungen, Hygiene, Teamqualifikationen, Tierschutz und Evaluation berücksichtigt werden.
6. Fazit und Ausblick: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, betont die Praktikabilität und Notwendigkeit einer professionellen Konzeptentwicklung und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungs- und Praxisperspektiven.
Systemische Therapie, Tiergestützte Therapie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, Hundetherapie, Tagesklinik, Konzeptentwicklung, Mensch-Tier-Beziehung, Tierschutz, Evaluation, Systemische Grundhaltung, Interventionsideen, Ressourcenorientierung, Psychotherapie, Qualitätsmanagement, Du-Evidenz.
Die Arbeit entwickelt ein integriertes tiergestütztes Therapiekonzept für die systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in einer Tagesklinik, um die Potenziale der Mensch-Tier-Beziehung im therapeutischen Kontext zu nutzen.
Zentrale Themenfelder sind die Grundlagen der systemischen Therapie, die theoretischen und praktischen Aspekte der tiergestützten Therapie, die Integration beider Ansätze sowie die Entwicklung eines Konzepts unter Berücksichtigung von Qualitäts- und Tierschutzstandards.
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines tiergestützten Therapiekonzepts für eine systemisch ausgerichtete kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik, wobei geklärt wird, wie systemische und tiergestützte Ansätze verbunden und das Konzept unter Tierschutzaspekten umgesetzt und evaluiert werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung und Konzeptentwicklung, indem vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse beider Therapieansätze analysiert und systematisch verknüpft werden, um einen praktischen Handlungsrahmen zu schaffen.
Der Hauptteil behandelt die systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, die tiergestützte Therapie und die Integration beider Ansätze, inklusive gemeinsamer Werte, Interventionsideen und kritischer Betrachtungen.
Schlüsselwörter sind: Systemische Therapie, Tiergestützte Therapie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, Hundetherapie, Tagesklinik, Konzeptentwicklung, Mensch-Tier-Beziehung, Tierschutz, Evaluation.
Der Hund fungiert als „Motivator, Stressminderer, Bindungsförderer, Kommunikationsförderer oder sozialer Katalysator“ und ermöglicht durch seine vorurteilsfreie Präsenz und soziale Sensibilität einen emotionalen Zugang und korrigierende Beziehungserfahrungen, die systemische Prinzipien wie Allparteilichkeit unterstützen.
Herausforderungen umfassen die Notwendigkeit einer fachlich fundierten Doppelqualifikation der Therapeut:innen, die Sicherstellung des Tierwohls angesichts dynamischer Umgebungen und wechselnder Patient:innen, die Beachtung von Hygienestandards sowie die Sensibilität gegenüber Allergien und Ängsten der Patient:innen.
Tierschutzaspekte sind integraler Bestandteil des Konzepts, basierend auf dem Tierschutzgesetz und der Tierschutz-Hundeverordnung. Dies beinhaltet die Sicherstellung artgerechter Haltung, Ruhephasen, Rückzugsmöglichkeiten, flexible Einsatzplanung sowie die kontinuierliche Beobachtung und Berücksichtigung der Bedürfnisse und Belastungsgrenzen des Hundes.
Beide Therapieformen teilen eine ressourcen- und beziehungsorientierte Grundhaltung, verstehen Symptome im Kontext von Beziehungsmustern, fokussieren auf die Förderung emotionaler Sicherheit und Selbstwirksamkeit und entwickeln Therapieziele partizipativ.
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