Bachelorarbeit, 2023
61 Seiten, Note: 1,2
Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung der Endzeitstimmung und des Frauenbildes zur Jahrhundertwende, insbesondere der Rolle der Femme fatale als Symbol des Untergangs, in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ und Heinrich Manns „Pippo Spano“. Sie analysiert, wie diese Novellen die gesellschaftlichen Umbrüche der Epoche widerspiegeln, gesellschaftliche Kritik äußern und symbolische sowie realistische Elemente verwenden. Ein weiteres primäres Ziel ist es, die psychoanalytischen Techniken der Autoren zu beleuchten, um das damals herrschende Untergangsbewusstsein des Fin de Siècle verständlich zu machen.
Arthur Schnitzlers "Traumnovelle"
Die zentralen Themen des Werks kristallisieren sich signifikant in den Durchkreuzungen von Realität und Phantasie, des Begehrens, der Eifersucht und der Sexualität. Der Text präsentiert eine faszinierende Erkundung der geheimen Sehnsüchte und Ängste seiner Figuren und wirft dabei einen scharfen, kritischen Blick auf die Moral und die Konventionen der Wiener Gesellschaft, die in Kontinuität zum gesellschaftlichen Klima im Fin de Siècle stehen. Das Wechselspiel und die ständige Überschneidung von Dream und Reality in "Traumnovelle" zeigt auf, wie fest in den psychischen Tiefen integrierte Begierden das offizielle Selbstbild der Charaktere hinterfragen und herausfordern, während die Loyalität gegenüber traditionellen Moralvorstellungen die innere Unruhe verschärft.
Sexualität, insbesondere die Darstellung weiblicher Sexualität, ist ein weiteres zentrales Thema in Schnitzlers Arbeit und bildet einen Kontrapunkt zur herrschenden patriarchalen Ordnung des Fin de Siècle. Die Motive des Ehebruchs und der sexuellen Befreiung werfen die Frage nach den sozialen Begrenzungen und den individuellen Konsequenzen auf, während sie in direktem Gegensatz zu den vorherrschenden Vorstellungen von Geschlechterrollen stehen. Schnitzler zeugt eine differenzierte, vielschichtige Erörterung der Geschlechterdynamiken seiner Zeit und hervorheben immer wieder die Doppelmoral, die die soziale Wirklichkeit der damaligen Zeit prägte.
Über diese thematischen Aspekte hinaus, findet sich in der "Traumnovelle" auch eine Verschränkung von Traum und Wirklichkeit. Durch diese Vermischung gelingt es Schnitzler, die tieferen Ebenen des Unbewussten und die dunkleren Seiten der menschlichen Seele zu erforschen. Zugleich hinterfragt er die bestehenden gesellschaftlichen Normen und Werte und setzt eine lebhafte Diskussion über das wahre Wesen des Menschen und die Komplexität seiner Begierden und Ängste in Gang. Darüber hinaus ist der Protagonist Dr. Fridolin – ein angesehener Arzt, der sich auf eine erotisierte und teilweise gefährliche nächtliche Reise begibt ein deutliches Beispiel für Schnitzlers Behandlung von Klassen und Geschlechterdynamiken.
Dr. Fridolin wird in der "Traumnovelle" als scheinbar respektabler Vertreter der Wiener Bourgeoisie dargestellt; sein nächtliches Abenteuer, das ihn von den dunkleren Seiten der Gesellschaft bis hin zu den geheimen Orgien der oberen Klassen führt, illustriert jedoch die Vertuschung und Heuchelei, die in der "respektablen" Gesellschaft vorherrscht. Um die Mehrschichtigkeit der menschlichen Seele zu untermauern, zeichnet Schnitzler in seiner "Traumnovelle" eine illusorische Struktur, die die klare Unterscheidung zwischen Traum und Realität verschleiert. Hierbei integriert er den Motivkomplex der Maske und des Karnevals, welcher die Ambivalenz von Identität und Rolle eindrücklich zum Ausdruck bringt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Epoche des Fin de Siècle ein, skizziert die Hauptforschungsfrage zur Endzeitstimmung und zum Frauenbild in Schnitzlers „Traumnovelle“ und Manns „Pippo Spano“ und erklärt die Methodik der Untersuchung.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert das Fin de Siècle im sozio-politischen und literaturhistorischen Kontext, beleuchtet die Rolle der Décadence, den wissenschaftlichen Fortschritt und die Entwicklung der Psychoanalyse sowie ihre Vertreter.
3. Untersuchte Literatur: In diesem Hauptkapitel werden Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ und Heinrich Manns „Pippo Spano“ jeweils einzeln und detailliert analysiert, wobei Inhalt, Frauenbild, historisch-gesellschaftlicher Hintergrund, Semantik, Sprachstil, Gesellschaftskritik und verborgene Ängste der Werke im Vordergrund stehen.
4. Vergleich der beiden Werke: Dieses Kapitel stellt die beiden Novellen „Traumnovelle“ und „Pippo Spano“ gegenüber, vergleicht ihre historisch-gesellschaftlichen Hintergründe, die Darstellung der Frauenbilder und der Femme fatale, sowie Semantik und Sprachstil, um ihre gemeinsame gesellschaftliche Kritik herauszuarbeiten.
5. Resümee: Das Resümee fasst die zentrale Bedeutung des Frauenbildes im psychologischen Kontext beider Werke zusammen, unterstreicht die Rolle des Unbewussten und der Psychoanalyse und bestätigt die Relevanz der Novellen für die literarische und psychologische Diskussion.
Fin de Siècle, Jahrhundertwende, Frauenbild, Femme fatale, Arthur Schnitzler, Traumnovelle, Heinrich Mann, Pippo Spano, Dekadenz, Psychoanalyse, Geschlechterrollen, Gesellschaftskritik, Moral, Untergangsbewusstsein, Wiener Moderne.
Diese Arbeit untersucht die Endzeitstimmung und das Frauenbild der Jahrhundertwende in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ und Heinrich Manns „Pippo Spano“, wobei die Femme fatale als zentrales Symbol des Untergangs analysiert wird.
Zentrale Themenfelder umfassen die Endzeitstimmung des Fin de Siècle, die Darstellung von Frauen und der Femme fatale, gesellschaftliche Kritik, Geschlechterrollen sowie psychoanalytische und literarische Techniken in den untersuchten Novellen.
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie die beiden Novellen das Ende des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts widerspiegeln, gesellschaftliche Kritik üben und ein Verständnis für das damals herrschende Untergangsbewusstsein vermitteln.
Die Arbeit verwendet eine umfassende Untersuchung der Motive des Fin de Siècle und des Frauenbildes, gefolgt von einer detaillierten Analyse und einem Vergleich der beiden Novellen „Traumnovelle“ und „Pippo Spano“, deren Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert werden.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Schnitzlers „Traumnovelle“ und Manns „Pippo Spano“, inklusive Inhalt, Frauenbild, historisch-gesellschaftlichem Hintergrund, Semantik, Sprachstil, Gesellschaftskritik und verborgenen Ängsten, gefolgt von einem vergleichenden Kapitel der beiden Werke.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Fin de Siècle, Jahrhundertwende, Frauenbild, Femme fatale, Arthur Schnitzler, Traumnovelle, Heinrich Mann, Pippo Spano, Dekadenz, Psychoanalyse, Geschlechterrollen, Gesellschaftskritik, Moral, Untergangsbewusstsein und Wiener Moderne.
In Schnitzlers „Traumnovelle“ sind Frauenfiguren oft objektifizierte Projektionen männlicher Begierden und Ängste, während Gemma in Manns „Pippo Spano“ eine konkrete, individualisierte Figur ist, die als Femme fatale sowohl Inspiration als auch Zerstörung für den Protagonisten darstellt.
Die Femme fatale verkörpert in beiden Werken eine tödliche, verführerische und ambivalente Frauengestalt, die sowohl Macht als auch Gefahr repräsentiert und die männlichen Protagonisten in ihren Bann zieht und ihre inneren Konflikte sowie gesellschaftliche Ängste aufzeigt.
Beide Novellen spiegeln Freuds psychoanalytische Theorien wider, indem sie weibliche Figuren oft als Projektionen unbewusster männlicher Begierden und Ängste darstellen und tiefe Einblicke in die psychologischen Abgründe der Charaktere und das Untergangsbewusstsein der Epoche bieten.
Die Werke kritisieren die gesellschaftliche Doppelmoral, indem sie die Diskrepanz zwischen äußerer Prüderie und inneren freizügigen Wünschen der Bourgeoisie aufzeigen, die Unterdrückung der Frauenemanzipation thematisieren und die Heuchelei in Beziehungen und sozialen Normen entlarven.
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