Bachelorarbeit, 2022
64 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht tiefgehend kindliche Sichtweisen und Perspektiven auf Adultismus in Kindertagesstätten. Das primäre Ziel ist es, mithilfe eines kindgerechten Untersuchungsdesigns zu erfassen, wie Kinder adultistische Strukturen in ihrer Einrichtung erleben und welche Auswirkungen das Erleben von Adultismus bei den Kindern auslöst. Die Arbeit kritisiert die Missachtung kindlicher Rechte und betont die Notwendigkeit, adultistische Strukturen zu erkennen, um Partizipation und demokratische Teilhabe für Kinder zu ermöglichen.
1.3 Adultismus in Bildungseinrichtungen
Wie zeigt sich Adultismus in Bildungseinrichtungen? In Bildungseinrichtungen sind Machtverhältnisse im täglichen pädagogischen Geschehen nicht unbedeutend. Es bestehen in den menschlichen Interaktionen Machtverhältnisse und Hierarchien, wie sie auch in der Gesellschaft zu finden sind (vgl. Benavides 2018, S. 25). Solche gesellschaftlichen Machtverhältnisse sind in der Gesellschaft überall zu finden und können alle Menschen betreffen. Durch den Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern/jungen Menschen besteht allein durch den Altersunterschied ein Machtgefälle. Kindern wird durch dieses Ungleichgewicht eine eigene Handlungsmacht abgesprochen. Es fehlen Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder, etwa wenn es um ihre Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen oder Trinken geht. Dabei handeln Erwachsene bewusst oder unbewusst machtvoll und treffen Entscheidungen für die Kinder, anstatt es mit ihnen gemeinsam zu tun (vgl. Benavides 2018, S. 25). Kinder werden nicht in Entscheidungen miteinbezogen. Über ihre Köpfe hinweg werden Entscheidungen getroffen, körperliche sowie seelische Grenzen werden überschritten. Ein Beispiel: Kleinkinder werden oft von Personen gedrückt, obwohl sie sich dabei nicht wohlfühlen. Weiser (2017, S. 7) schreibt dazu: „Je jünger das Kind und je eingeschränkter die Ausdrucksmittel eines Kindes, desto häufiger kommt es zu subtilen Grenzverletzungen“.
Machtverhältnisse zeigen sich in vermeintlich kleinen Situationen und Bestimmungsmomenten junger Menschen. Zum Beispiel sind durch vorgegebene Tagesabläufe oder Rituale wie der Morgenkreis kaum Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder vorhanden. In Bildungseinrichtungen mündet dies dann in strukturell verankertem Adultismus (vgl. Benavides 2018, S. 26). Adultismus tritt auch oft im sprachlichen Bereich auf. Aussagen wie: „Stell dich nicht so an" oder „Sei nicht so kindisch!", sind abwertend und schon sehr in den Sprachgebrauch unserer Gesellschaft übergegangen. Adultismus beginnt bei der Art, wie wir mit Kindern sprechen, hierbei schließt es unbegründete Selbstbestimmungs- und Freiheitseinschränkungen mit ein und gipfelt in psychischer und physischer Gewalt gegenüber Kindern (vgl. Weiser 2017, S. 8). Dabei akzeptieren Kinder Macht aufgrund der strukturellen Selbstverständlichkeit. Macht in Institutionen ist in Strukturen verdichtet: in Hierarchien, in gesellschaftlichen Normen und rechtlichen Regeln, in Geschlechterverhältnissen, in Sprechweisen, in der Art wie Räume gestaltet sind und so weiter. Für pädagogische Fachkräfte sind solche Machtstrukturen selbstverständlich. Daher kommen pädagogische Fachkräfte selten auf den Gedanken, das Machtverhältnis zwischen ihnen und den Kindern infrage zu stellen (vgl. Hansen et al. 2015, S. 31).
Adultismus zeigt sich in Kitas in den unterschiedlichsten Formen, wie in der folgenden Tabelle ersichtlich wird.
Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Adultismus und Machtverhältnisse in Kindertagesstätten ein und leitet die zentralen Forschungsfragen ab, die das Erleben von Adultismus aus Kinderperspektive untersuchen.
1 Adultismus - Theoretische Grundlagen: Hier wird der Begriff Adultismus definiert, seine Erscheinungsformen in Bildungseinrichtungen erläutert und der Zusammenhang mit alterspezifischer Diskriminierung von Kindern beleuchtet.
2 Macht und Gewalt in der Pädagogik: Das Kapitel befasst sich mit den Konzepten von Macht und Gewalt in pädagogischen Beziehungen, insbesondere der erzieherischen Macht von Fachkräften und dem schmalen Grat zur Gewalt im Kita-Kontext.
3 Kinderrechte und Adultismus: Dieses Kapitel behandelt die UN-Kinderrechtskonvention, das Recht auf Schutz vor Gewalt und das Recht auf Partizipation, und setzt diese in Bezug zu adultistischen Strukturen.
4 Partizipation und Demokratiebildung in der Kita: Es wird die Bedeutung von Partizipation und Demokratiebildung als grundlegender Bildungsprozess in Kindertagesstätten erörtert und die ethischen Grundlagen pädagogischer Beziehungen thematisiert.
5 Forschungsstand: Das Kapitel gibt einen Überblick über den bisherigen Forschungsstand zu Adultismus und Fehlverhalten in Kitas und identifiziert die Lücke in der Forschung bezüglich der Kinderperspektive.
6 Forschungsfrage: In diesem kurzen Kapitel werden die beiden spezifischen Forschungsfragen präsentiert, die der Untersuchung zugrunde liegen: Wie Kinder Adultismus erleben und was dieses Erleben bei ihnen auslöst.
7 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die qualitative Erhebungsmethode der Gruppendiskussion mit Kindern, einschließlich ihrer Planung, Durchführung und der qualitativen Inhaltsanalyse der gewonnenen Daten.
8 Darstellung der Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung anhand von Haupt- und Subkategorien wie Adultismus, Gefühle, Partizipation und demokratische Teilhabe strukturiert dargestellt und mit Kinderaussagen belegt.
9 Diskussion der Ergebnisse: Das letzte inhaltliche Kapitel interpretiert die präsentierten Ergebnisse im Kontext der Forschungsfragen, diskutiert das Machtungleichgewicht in Kitas, die Gefühlswelt der Kinder und ihre Wünsche nach Mitbestimmung.
Adultismus, Kindertagesstätten, Partizipation, Kinderrechte, Machtverhältnisse, Diskriminierung, Gewalt, Kinderperspektive, Pädagogik, Emotionen, Demokratiebildung, qualitative Forschung, frühkindliche Bildung, Selbstbestimmung.
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit Adultismus und den damit verbundenen Machtverhältnissen pädagogischer Fachkräfte in Kindertagesstätten, wobei der Fokus auf dem Erleben von Adultismus aus der Perspektive der Kinder liegt.
Zentrale Themenfelder sind die Definition und Formen von Adultismus, Macht und Gewalt in der Pädagogik, Kinderrechte (insbesondere Partizipation und Schutz vor Gewalt) sowie die Demokratiebildung in Kindertagesstätten.
Das primäre Ziel ist es, die Sichtweisen und Perspektiven von Kindern zum Thema Adultismus zu verstehen. Die zentralen Forschungsfragen lauten: Wie erleben Kinder in Kindertagesstätten Adultismus? Und: Was löst das Erleben von Adultismus bei den Kindern aus?
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird eine qualitative Erhebung in Form von Gruppendiskussionen mit Kindern durchgeführt. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer strukturierter Inhaltsanalyse nach Kuckartz.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Adultismus, die Rolle von Macht und Gewalt in der Pädagogik, die Kinderrechte, den Forschungsstand, das methodische Vorgehen sowie die Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Adultismus, Kindertagesstätten, Partizipation, Kinderrechte, Machtverhältnisse, Diskriminierung, Gewalt, Kinderperspektive, Pädagogik und Emotionen.
Adultismus in Bildungseinrichtungen manifestiert sich in ungleichen Machtverhältnissen, mangelnder Mitbestimmung bei Grundbedürfnissen (z.B. Essen, Schlafen), sprachlichen Abwertungen ("Sei nicht so kindisch!") und strukturell verankerten Abläufen, die Kinder von Entscheidungen ausschließen.
Kinder reagieren auf adultistisches Verhalten oft mit Wut, Traurigkeit, Angst und Unsicherheit. Sie fühlen sich möglicherweise nicht gehört oder trauen sich nicht, ihre Meinung zu äußern.
Die UN-Kinderrechtskonvention, insbesondere Artikel 12 zum Recht auf Partizipation und Artikel 19 zum Schutz vor Gewalt, bildet eine wichtige Grundlage zur Bekämpfung von Adultismus, indem sie Kinder als eigenständige Rechtsträger anerkennt und ihre Mitbestimmung einfordert.
Eine kritische Auseinandersetzung ist notwendig, um Grenzüberschreitungen zu erkennen, das Selbstbild und Selbstvertrauen von Kindern zu stärken und Partizipationsmöglichkeiten für Kinder zu schaffen, damit ihre Rechte und Bedürfnisse respektiert werden.
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