Examensarbeit, 2003
63 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Periodeneinteilung
3. Die erste Phase: Weichenstellung 1945-1949
3.1. Vorgehen der Besatzungsmächte im Vergleich
3.2. Das Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule
4. Die Neulehrer
5. FDJ und Pionierorganisation
5.1. Instrumente zur Politisierung der Schule
5.2. Die FDJ
5.3. Die Pionierorganisation
5.4. Die Kirche als Konkurrenz
6. Die zweite Phase: 1949-1961/62
6.1. Krisen und Experimente
6.2. Das Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik
6.3. Die polytechnischen Oberschulen (POS)
7. Politische Erziehung in einzelnen Schulfächern
7.1. Gegenwartskunde und Staatsbürgerkunde
7.2. Der Lehrplan für den Geschichtsunterricht
8. Föderalismus und Zentralismus: BRD und DDR im Vergleich
9. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht die Transformation des Schulsystems in der SBZ und DDR während der Nachkriegszeit bis zum Mauerbau 1961/62 und beleuchtet die Rolle von Erziehung als gezieltes Instrument der Staatsführung zur Etablierung einer sozialistischen Gesellschaft.
3.1. Vorgehen der Besatzungsmächte im Vergleich
Die Politik der alliierten Besatzungsmächte in den Besatzungszonen war von Anfang an sehr unterschiedlich. Das lag an den gravierenden Unterschieden in den politischen Systemen, die schon 1946/47 deutlich wurden. In allen Zonen wurden nach Kriegsende zunächst alle Schulen vorübergehend geschlossen. Bevor sie im Herbst 1945 wiedereröffnet werden sollten, mussten Lehrer, Lehrpläne und auch Lehrmaterialien, insbesondere Geographie- und Geschichtsbücher, entnazifiziert werden. Allerdings waren die Wiedereröffnungen ungenügend vorbereitet, aber dies wurde in Kauf genommen, um die Jugend von den Straßen zu holen. Da in dieser kurzen Zeit weder ausreichendes neues Lehrmaterial beschafft werden konnte, noch die Lehrkonzepte ausgereift waren, knüpfte man in den Schulen zunächst an die Weimarer Republik an. Wegen Lehrermangels mussten pensionierte Lehrkräfte und Studenten als Hilfskräfte eingestellt werden. Der Schulbetrieb gestaltete sich insgesamt also sehr provisorisch.
Im Potsdamer Abkommen legten die Alliierten für alle Besatzungszonen fest, dass das Erziehungswesen so neu zu ordnen sei, „dass die nazistischen und militaristischen Lehren völlig entfernt werden und eine erfolgreiche Entwicklung der demokratischen Ideen möglich gemacht“ werde. In den verschiedenen Besatzungszonen wurde diese Bestimmung ziemlich unterschiedlich ausgelegt. Jeder der Alliierten hatte schon zu Kriegszeiten seinen eigenen Entwurf entwickelt, wie im Bildungs- und Erziehungswesen vorzugehen sei. Auf der Potsdamer Konferenz wurde sich also keineswegs auf durchgängig eindeutige und einheitliche Grundsätze geeinigt.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Untersuchung des DDR-Schulsystems für das Verständnis der ostdeutschen Mentalität und definiert den zeitlichen Untersuchungsrahmen von 1945 bis 1961/62.
2. Periodeneinteilung: Dieses Kapitel strukturiert die DDR-Bildungsgeschichte in drei politisch korrespondierende Phasen, von der antifaschistisch-demokratischen Schulreform bis hin zur Gestaltung des entwickelten sozialistischen Bildungssystems.
3. Die erste Phase: Weichenstellung 1945-1949: Hier wird der unterschiedliche Umgang der Besatzungsmächte mit der Schulreform analysiert und die Etablierung des „Gesetzes zur Demokratisierung der deutschen Schule“ detailliert betrachtet.
4. Die Neulehrer: Das Kapitel befasst sich mit der großflächigen Entnazifizierung des Lehrkörpers und der problematischen, ideologisch motivierten Ausbildung der sogenannten „Neulehrer“ in der SBZ.
5. FDJ und Pionierorganisation: Diese Abschnitte untersuchen die perfekte Verzahnung von Schule und politischen Jugendorganisationen zur flächendeckenden Kontrolle und ideologischen Indoktrination der Jugend sowie die Verdrängung konkurrierender Einflüsse wie der Kirche.
6. Die zweite Phase: 1949-1961/62: Fokus liegt auf dem Aufbau des Sozialismus, der ideologischen Verschärfung, der Einführung des „Gesetzes über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens“ und der Etablierung der polytechnischen Oberschulen (POS).
7. Politische Erziehung in einzelnen Schulfächern: Dieses Kapitel analysiert die propagandistische Ausrichtung der Fächer Gegenwartskunde, Staatsbürgerkunde und Geschichte als direkte Instrumente der SED-Ideologie.
8. Föderalismus und Zentralismus: BRD und DDR im Vergleich: Ein komparativer Abschnitt, der das zentralistische, ideologisch geprägte System der DDR dem föderalen und pluralistischen System der BRD gegenüberstellt.
9. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Schulreformen der DDR primär als Instrument zur Etablierung der Diktatur dienten und die angestrebte sozialistische Formung des Menschen in einem paradoxen Verhältnis zur propagierten Chancengleichheit stand.
DDR, Bildungsgeschichte, Sozialismus, SED, Schulerziehung, Neulehrer, FDJ, Pionierorganisation, polytechnische Oberschule, politische Indoktrination, Gegenwartskunde, Staatsbürgerkunde, Schulreform, Entnazifizierung, Antifaschismus.
Die Hausarbeit analysiert die Entwicklung und Transformation des Schulwesens in der SBZ bzw. DDR im Zeitraum von 1945 bis zum Mauerbau 1961/62.
Zentrale Themen sind die Entnazifizierung des Lehrpersonals, die Etablierung politischer Jugendorganisationen sowie die ideologische Ausrichtung von Schulfächern und Lehrplänen.
Die Arbeit untersucht, wie das Schulsystem gezielt zur Etablierung des sozialistischen Staates und zur Formung der Bürger zu systemkonformen Menschen mit sozialistischer Gesinnung instrumentalisiert wurde.
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Aufarbeitung, die durch die Auswertung einer Vielzahl zeitgenössischer Dokumente, Gesetze, Lehrpläne und ergänzender Fachliteratur gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verschiedenen Phasen der Schulpolitik, die Rolle der Lehrkräfte, den Einfluss von FDJ und Pioniere, die spezifische politische Erziehung in Schulfächern sowie einen systemischen Vergleich zwischen BRD und DDR.
Wichtige Begriffe sind DDR-Bildungspolitik, SED-Ideologie, polytechnische Erziehung, Instrumentalisierung der Erziehung und der Antifaschismus als staatspolitischer Rahmen.
Die SED sah in der Kirche eine Konkurrenz für ihren Alleinanspruch auf Erziehung und bekämpfte diese durch den Aufbau staatlicher Jugendorganisationen, die Einführung der Jugendweihe als weltlicher Konfirmationsalternative sowie direkten staatlichen Druck.
Das Modell sollte die theoretische Schulausbildung eng mit der Produktion in Betrieben verknüpfen, um sowohl den Bedarf an qualifizierten Fachkräften für die Planwirtschaft zu decken als auch die Schüler frühzeitig in den marxistisch-leninistischen Produktionsprozess einzubinden.
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