Bachelorarbeit, 2010
44 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1 Einleitung
2 Physiognomik, Rassenlehre und Antisemitismus in Deutschland
2.1 Physiognomik als Vorläufer der Rassenlehren
2.2 Antisemitismus und Rassenlehren im 19. und 20. Jahrhundert
2.2.1 Lagardes Deutsche Schriften
2.2.2 Chamberlains Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts
2.2.3 Rosenbergs Mythus des 20. Jahrhunderts
2.3 Hitlers Vorbilder
3 Nationalsozialistische Rassenlehre
3.1 Antisemitische Grundzüge
3.2 Das jüdische Gesicht
4 Nationalsozialistische Propaganda
4.1 Propagandaminister Joseph Goebbels
4.2 Propaganda im NS-Film
4.3 Antisemitische Tendenzen im NS-Film
5 Großaufnahme
5.1 Balázs’ Der sichtbare Mensch
5.2 Eisensteins Das Organische und der Pathos
6 Analyse jüdischer Gesichtsbilder in den Filmbeispielen
6.1 Der Ewige Jude
6.1.1 Entstehung und Inhalt
6.1.2 Funktion der Gesichtsbilder
6.2 Jud Süß
6.2.1 Entstehung und Inhalt
6.2.2 Funktion der Gesichtsbilder
6.3 Gemeinsamkeiten – Unterschiede
7 Resümee
Die Arbeit untersucht die Funktion der Großaufnahme bei der filmischen Darstellung des "jüdischen Gesichts" in den nationalsozialistischen Propagandafilmen "Der Ewige Jude" und "Jud Süß". Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie filmische Mittel – insbesondere die Großaufnahme – eingesetzt wurden, um antisemitische Stereotype zu festigen und das Publikum im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu beeinflussen.
1 Einleitung
Das Thema dieser Arbeit ist im letzten Semester aus zwei Hauptseminarsarbeiten entstanden. Zum Einen beruht es auf der Beschäftigung mit der Großaufnahme in der Arbeit „Die Funktion der Großaufnahme bei der Darstellung Gottes“ aus dem Hauptseminar „Gesichtsbilder“ bei Prof. Kay Kirchmann, zum Anderen auf der Analyse des Films Der Ewige Jude von Fritz Hippler in der Arbeit „Das Ahasver-Motiv im antisemitischen Propagandafilm Der Ewige Jude“ aus dem Hauptseminar „Ahasver: Geschichte eines literarischen Mythos“ bei Prof. Gunnar Och.
An dem Film besonders aufgefallen sind die Aufnahmen aus dem polnischen Ghetto. Zwar wird durch den Ton eine eindeutig antisemitische Botschaft vermittelt, die Juden werden als Ratten oder Parasiten bezeichnet und als etwas Bedrohliches, das es zu vernichten gilt, dargestellt. Doch scheinen die Bilder alleine, insbesondere die Gesichtsbilder, losgelöst von der Tonspur diese Intention nicht zu unterstützen. Diese Gesichter haben sowohl bei den Teilnehmern des Hauptseminars zum Ahasver-Motiv, als auch bei den Teilnehmern einer zeitgenössischen Studie zur Wirkung des Films auf die Zuschauer eher Sympathie oder Mitleid, als Ekel oder Ablehnung hervorgerufen. Diese Beobachtung hat die Frage aufgeworfen, inwieweit die Bilder selbst eine antisemitische Wirkung hervorrufen mussten oder ob nicht vielmehr die Tonspur und vorherrschende Diskurse der damaligen Zeit diesen Bildern erst eine judenfeindliche Tendenz zusprachen.
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Entstehung des Themas aus vorangegangenen Seminararbeiten und führt in die zentrale Fragestellung zur Wirkung von Großaufnahmen in antisemitischen Propagandafilmen ein.
2 Physiognomik, Rassenlehre und Antisemitismus in Deutschland: Es wird der geschichtliche Kontext dargestellt, wie pseudowissenschaftliche Theorien der Physiognomik und Rassenlehre das antisemitische Klima in Deutschland prägten.
3 Nationalsozialistische Rassenlehre: Dieses Kapitel erläutert die Grundzüge der NS-Ideologie und wie der Begriff "jüdisch" systematisch abgewertet wurde, um Feindbilder zu konstruieren.
4 Nationalsozialistische Propaganda: Die theoretischen Prinzipien der NS-Propaganda und deren gezielte Anwendung auf den Film als Leitmedium werden analysiert.
5 Großaufnahme: Basierend auf den Theorien von Béla Bálazs und Sergej Eisenstein wird der theoretische Rahmen für die Analyse der Großaufnahme erarbeitet.
6 Analyse jüdischer Gesichtsbilder in den Filmbeispielen: Der Hauptteil vergleicht die visuelle Darstellung in "Der Ewige Jude" und "Jud Süß" und arbeitet deren Unterschiede in der Propagandatechnik heraus.
7 Resümee: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass beide Filme unterschiedliche propagandistische Mittel nutzten, um die Stilisierung des Judentums zum Sündenbock voranzutreiben.
Antisemitismus, Nationalsozialismus, Propagandafilm, Großaufnahme, Physiognomik, Rassenlehre, Der Ewige Jude, Jud Süß, Filmpropaganda, Joseph Goebbels, Gesichtsbilder, Montage, Ahasver-Motiv, Filmtheorie, Ideologie
Die Bachelorarbeit untersucht die visuelle Gestaltung und Wirkung von Großaufnahmen jüdischer Gesichter in zwei spezifischen nationalsozialistischen Propagandafilmen.
Die zentralen Felder sind Filmtheorie (speziell die Funktion der Großaufnahme), die Geschichte der antisemitischen Rassenlehren sowie die Propagandamechanismen des Dritten Reiches.
Die Arbeit fragt danach, ob Bilder für sich genommen antisemitisch wirken oder ob sie erst durch Tonspur und ideologischen Kontext als "judenfeindlich" konstruiert werden.
Es wird eine filmwissenschaftliche Diskursanalyse durchgeführt, ergänzt durch historische Quellenarbeit zu NS-Rassentheorien und filmtheoretische Reflexionen (Bálazs, Eisenstein).
Im Hauptteil werden die Filme "Der Ewige Jude" und "Jud Süß" detailliert hinsichtlich ihrer Inszenierungsstrategien sowie der Montage von Gesichtsbildern gegenübergestellt.
Antisemitismus, NS-Propaganda, Großaufnahme, Physiognomik, Rassenlehre, Montage und ideologische Diffamierung.
"Der Ewige Jude" nutzt als Dokumentarfilm eine direkte, teils plakative Propagandatechnik, während "Jud Süß" als Spielfilm durch individuelle Figurenzeichnung versucht, das Publikum indirekter zu beeinflussen.
Die Physiognomik dient als pseudowissenschaftliche Basis, mit der die Nationalsozialisten versuchten, charakterliche "Minderwertigkeit" direkt aus körperlichen Merkmalen, insbesondere dem Gesicht, abzulesen.
Sie lieferten die filmtheoretischen Ansätze, um zu verstehen, wie Großaufnahmen als Mittel der Affektsteuerung und Montage-Elemente im NS-Film zweckentfremdet wurden.
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