Masterarbeit, 2021
112 Seiten
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
Diese Masterarbeit zielt darauf ab, zu untersuchen, inwieweit inklusive Bildung im Fachbereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) an indischen Universitäten realisiert wird, exemplarisch am Beispiel der Jawaharlal Nehru University (JNU). Das primäre Ziel ist es, eine für den indischen Bildungsumfeld relevante Definition von Inklusion zu erarbeiten und anschließend empirisch zu prüfen, ob Inklusion für indische Hochschulstudierende eine Realität darstellt.
1.2.1. Die Diffusität des Inklusionsbegriffs
Das übliche Verständnis von Inklusion stammt aus der Sonderpädagogik, dass SchülerInnen mit und ohne Förderbedarf in allgemeinen Schulen gemeinsam unterrichtet werden. Dieses Verständnis greift aber zu kurz (Grosche, 2015). Allerdings ist nur ein einziges Kriterium der gemeinsamen Platzierung für das Gelingen eines inklusiven Unterrichts eher geringfügig. Zwar werden dabei bestimmte förderbedürftige SchülerInnen mitberücksichtigt und Systeme in Erwägung gezogen, die die Abschottung dieser SchülerInnen verhindern oder innehalten, aber dieses Verständnis beleuchtet nicht die Notlage einer großen Anzahl der Kinder und Jugendlichen aus ländlichen, indigenen und wirtschaftlich armen Gemeinden, die völlig marginalisiert sind und wegen unzureichenden Zugangs, ungeeigneter Infrastruktur oder schlechter Qualität von Lehrplan und Pädagogik vom regulären Bildungssystem ausgeschlossen sind. Deshalb werden oft weitere Diskussionen darüber geführt, was unter Inklusion zu verstehen ist und welche Merkmale für eine inklusive Bildung bedeutsam sind. In der Sozialwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Sozialpolitik sowie in der Informatik und Technik wird die Frage der Gerechtigkeit gestellt und darüber wird viel diskutiert. Themen wie Heterogenität und Diversität sind Topthemen dieser Zeit. Es geben sogar Organisationen wie Pluribus, die Unternehmen helfen, Diversität und Inklusion (D&I) am Arbeitsplatz zu gewährleisten und bewahren und große multinationale Firmen wie IBM, Sodexo und KPMG sind Beispiele von Firmen, die bewusst mit Diversität am Arbeitsplatz umgehen. Nicht zu vermeiden ist jedoch die Tatsache, dass es vielmals eher nur ein Lippenbekenntnis ist und es eine Diskrepanz zwischen der Rhetorik und der Realität besteht (Llopis, 2011).
Eine allzu geltende Definition von Inklusion gibt es nicht, weil unterschiedliche Definitionen verschiedene Dimensionen der Inklusion in den Vordergrund stellen, wobei andere auf die lange Bank geschoben werden. Grosche redet von der Dimension der inklusiven Kulturen, indem bestimmte Werte ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken (Förderung, Anerkennung, Zugehörigkeit, Outcome-Definition, Einstellung, shared-vision), der Dimension der inklusiven Strukturen, wobei Strukturen für erfolgreiche Inklusion im Mittelpunkt stehen (Platzierung, Zwei-Gruppen, Schulsystem, Steuerung, Totalitäre Definition), der Dimension der inklusiven Praktiken, die zur Inklusion gehören und die Inklusion gewährleisten können (Freiheit, Prävention, Notenverzicht, Barrierefreiheit, Dekategorisierung, Unterrichtsdefinition) sowie eine juristische Dimension (Rechtliche, Wertedefinition) (2015, 33-35). Manche dieser Definitionen sind sogar gegensätzlich wie zum Beispiel die Zwei-Gruppen-definition und die totalitäre Gemeinschaftsdefinition – die eine spricht für eine gemeinsame Unterrichtung der Lernenden mit und ohne Förderbedarf in Klassen, wohingegen die andere für die Schaffung von Lerngemeinschaften in Regelklassen ohne jeglicher Differenzierung spricht. Jede dieser Definitionen hat ihre Daseinsberechtigung und Relevanz in bestimmten Umfeldern, aber für eine empirische Untersuchung ist eine klare Definierung des Inklusionsbegriff unentbehrlich. Sie sorgt dafür, dass genau das Gemeinte in einer Abhandlung über das Thema begriffen wird und nicht, dass orientierungslos eine Person von Äpfel und die andere von Birnen redet, ohne Obst zuvor hinreichend und vor allem explizit zu definieren (ebd. S.19).
Kapitel 1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung und Zielsetzung der Masterarbeit ein und beleuchtet den bestehenden Fachdiskurs über Inklusion, ihre verschiedenen Definitionen und die angewandte Methodologie.
Kapitel 2. Zu einer Definition von Inklusion: Hier wird Inklusion als sozialpolitisches Konzept und als Teil der kritischen Pädagogik tiefgehend erörtert, wobei Theorien von Paulo Freire, bell hooks und Suresh Canagarajah zur Entwicklung eines umfassenden Inklusionsbegriffs für den DaF-Unterricht in Indien herangezogen werden.
Kapitel 3. Bestehender Stand der Inklusion am Beispiel von DaF an der JNU: Dieses Kapitel beginnt den empirischen Teil der Arbeit, indem es die Vorschriften des indischen Bildungsministeriums, den DaF-Unterricht in Indien und die Jawaharlal Nehru University (JNU) als Fallbeispiel für die bestehende Inklusionssituation analysiert.
Kapitel 4. Inklusion: eine Wahrheit?: Aufbauend auf den theoretischen Grundlagen analysiert dieses Kapitel die Ergebnisse einer empirischen Befragung unter DaF-Studierenden an der JNU, um den Grad der Inklusion anhand verschiedener Indikatoren zu bewerten und Schlussfolgerungen zu ziehen.
Inklusion, DaF-Unterricht, Indien, Hochschulbildung, Heterogenität, Diversität, Kritische Pädagogik, Paulo Freire, bell hooks, Suresh Canagarajah, Soziale Identitätstheorie, Jawaharlal Nehru University (JNU), Affirmative Action, Bildungspolitik, Chancengleichheit.
Diese Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Inklusion im Kontext des Deutsch als Fremdsprache (DaF)-Unterrichts an indischen Universitäten, wobei ein besonderer Fokus auf die Jawaharlal Nehru University (JNU) gelegt wird.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition von Inklusion, ihre soziopolitische und pädagogische Relevanz, die kritische Pädagogik sowie die empirische Untersuchung des Inklusionsgrades in der indischen Hochschulbildung.
Das primäre Ziel ist es, eine relevante und umfassende Definition von Inklusion für den DaF-Unterricht in Indien zu entwickeln und die Forschungsfrage zu beantworten: "Inwieweit ist eine inklusive Bildung im Fachbereich DaF an den indischen Universitäten eine Realität am Beispiel von der JNU?"
Die Arbeit verwendet eine empirische Vorgehensweise, die eine tiefe Auseinandersetzung mit bestehender Literatur, eine Analyse staatlicher Richtlinien und Vorschriften sowie eine Befragung von DaF-Studierenden an der JNU umfasst.
Der Hauptteil behandelt die theoretische Fundierung des Inklusionsbegriffs aus soziopolitischer und kritisch-pädagogischer Sicht (Kapitel 2) und analysiert anschließend den bestehenden Stand der Inklusion am Beispiel des DaF-Unterrichts an der JNU, inklusive relevanter Bildungsvorschriften (Kapitel 3 und 4).
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Inklusion, DaF-Unterricht, Indien, Hochschulbildung, Heterogenität, Diversität, Kritische Pädagogik, Soziale Identitätstheorie und Jawaharlal Nehru University.
Inklusion wird als kollektive Verantwortung von Politik und Industrie sowie auf individueller Ebene verstanden, die bestehende Strukturen, Praktiken und Einstellungen hinterfragt, die Teilhabe aller Lernenden und Lehrenden durch Respekt und Beachtung ermöglicht und dabei die Anerkennung sowie Wertschätzung von Unterschieden beinhaltet, die Anlass zum Dialog geben.
Paulo Freire kritisiert das „Banking Modell“ der Bildung, bei dem Lehrende Wissen auf passive Lernende übertragen, was zur Entmenschlichung beiträgt. Als Alternative schlägt er die „problemformulierende Bildung“ vor, die kritisches Bewusstsein (conscientização) fördert und Lehrende sowie Lernende zu gleichrangigen Beteiligten des Problemformulierungsprozesses macht.
Nach Pierre Bourdieu haben ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital einen erheblichen Einfluss auf die Lern- und Leistungsergebnisse von Studierenden. Diese Kapitalformen bestimmen die Positionierung eines Individuums in der Gesellschaft und können sich wechselseitig umwandeln, was zu gesellschaftlichen Spaltungen und Ungleichheiten im Klassenzimmer führt.
Trotz der Vielfalt der Studierenden und des Engagements der Lehrenden zeigt sich an der JNU ein Paradox der Inklusion, das sich in Aspekten wie mangelnder Reflexion über eigene Privilegien, entfremdeten Beziehungen zwischen Studierenden und Verwaltung sowie den Auswirkungen technischer Hindernisse im Online-Unterricht äußert.
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