Diplomarbeit, 2011
98 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung: „Über den Umgang mit offenen Fragen“
2 Aspekte der Erforschung von Stereotypen und Vorurteilen
2.1 Der Einstellungsbegriff
2.2 Was ist Politische Psychologie?
2.3 Stereotypen und Vorurteile in der sozialpsychologischen Forschung
2.4 Einzelergebnisse der Vorurteilsforschung
2.5 Abbau von Stereotypen
3 Stereotype über Deutsche und Polen im historischen Wandel
3.1 Geschichtliche Hintergründe im Entstehungszusammenhang der Stereotype
3.2 Das deutsche Polenbild in der Geschichte
3.3 Das deutsche Polenbild im Nationalsozialismus
3.4 Das deutsche Stereotyp in den polnischen Wochenschauen nach 1945
3.5 Die Wandlung des Polenbilds in der DDR
3.6 1970 – 1990: Das polnische Bild von den Bundesdeutschen verändert sich
3.7 Das Polenbild deutscher Heimatvertriebener – Ein Reisebericht
3.8 Das polnische Deutschlandbild am Beispiel alltagssprachlicher Ausdrücke
3.9 Die Zeichnung deutsch-polnischer Fremdbilder in Schulbüchern
3.10 Die antideutsche Stimmung in der Regierungsära Kaczynski
3.11 Polenwitze und Erika-Steinbach-Zitate: Stereotype in den Medien
3.12 „Die Deutschen meine Nachbarn“ - Wie junge Polen heute Deutschland sehen
3.13 Einstellungsveränderungen nach der EU-Osterweiterung
3.14 Umgang mit der deutschen Geschichte in den polnischen Westgebieten (Interview mit Robert Ryss, Gazeta Chojenska)
4 Vorbereitung und Durchführung der eigenen Untersuchung
4.1 Der persönliche Hintergrund
4.2 Der geschichtliche Hintergrund: Flucht und Vertreibung der Deutschen
4.3 Die Präzisierung der Fragestellung
4.4 Zur Struktur des Untersuchungsdesigns
4.4.1 Datenerhebung
4.4.2 Auswertung
4.4.3 Feldforschung
4.5 Exkurs: Der Einstieg ins Feld - Kennenlernen eines Vertriebenverbands
5 Auswertung
5.1 Text- und Quellenkritik anhand von Gütekriterien
5.2 Die Beschreibung und Auswertung der Fälle
5.2.1 Frau „Glogau“ (Interview G)
5.2.2 Herr „Lauban“ (Interview L)
5.2.3 Herr „Waldenburg“ (Interview W)
5.2.4 Frau „Dörnikau“ (Interview D)
5.2.5 Herr „Bunzlau“ (Interview B)
5.2.6 Ehepaar „Hirschberg“ (Interview H)
5.2.7 Herr „Jauer“
5.3 Kategorienbildung - Übersicht über die Kategorien
5.4 Die Vorbereitung der Feinanalyse
5.5 Die Durchführung der Feinanalyse
5.5.1 Gruppe (a)
5.5.2 Gruppe (c)
5.6 Vergleich der Kategoriensysteme
6 Diskussion der Ergebnisse
7 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Einstellung deutscher Heimatvertriebener gegenüber der polnischen Nation durch historische und sozialpsychologische Stereotype sowie Vorurteile geprägt ist, und inwieweit sich diese Wahrnehmung durch neue Kontakte gewandelt hat.
3.1 Geschichtliche Hintergründe im Entstehungszusammenhang der Stereotype
Das vorstehend zitierte polnische Sprichwort interpretiert Torbus (1993) als Ausdruck einer „tausendjährigen Feindschaft“ im deutsch-polnischen Verhältnis (S.88).
Holzer (1991) hebt hervor, dass schon der polnische Begriff „Niemiec“, der übersetzt „Der Deutsche“ heißt, vom Begriff „niemy“ abgeleitet wurde, was soviel bedeutet wie „stumm“. Der Autor bezieht sich dabei auf eine Legende, derzufolge die Deutschen immer schon eine Tendenz erkennen ließen, der Kommunikation mit Polen auszuweichen. Deshalb hätten die Deutschen auch häufig vermieden, die polnische Sprache zu erlernen. Auf diese Weise entstand in den Grenzgebieten eine ausgeprägte „Parallelkultur“, und zwar unabhängig von der Frage, ob es gelang, diese Koexistenz immer auch friedlich zu gestalten.
Immerhin ist festzuhalten, dass während einer langen Zeitperiode - vom späten Mittelalter bis zur frühen Neuzeit - zwischen Deutschen und Polen keine Ausbrüche unkontrollierter Abneigung stattfanden. So gab es von 1525 bis 1772 zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem polnischen Königreich keinen Krieg. Im Hinblick auf diese Zeit kann sogar von einem für Europa bemerkenswert unproblematischen Nachbarschaftsverhältnis ausgegangen werden. Möglicherweise gestalteten sich die Kontakte damals sogar freundschaftlich.
Vor dieser Zeit ist die Beziehung zwischen beiden Völkern alles andere als friedlich. Im Jahre 1226 betritt der Deutsche Orden erstmals polnisches Land. Die Kolonisationsarbeit durch den Orden auf einem Gebiet zwischen dem urpolnischen Landstrich Masowien und dem Baltikum führt zu jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern. Die bekannte Schlacht von Tannenberg im Jahre 1410, in der Polen siegte, ist bis heute im polnischen Bewusstsein als „Schlacht von Grunwald“ fest verankert. „Ulica Grunwaldska“ wird in fast jeder polnischen Stadt als Bezeichnung für eine wichtige Straße verwendet. Tazbir (1993) meint, dass Deutsche Ritterorden, seine säkulare Organisation und sein militärischer Expansionswille, bis heute das Bild der Deutschen in Polen prägen (S.31).
1 Einleitung: „Über den Umgang mit offenen Fragen“: Die Einleitung formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Einstellung deutscher Heimatvertriebener zur polnischen Nation und erläutert die persönliche Motivation sowie den theoretischen Rahmen der Arbeit.
2 Aspekte der Erforschung von Stereotypen und Vorurteilen: Dieses Kapitel liefert die sozialpsychologischen Grundlagen zum Einstellungsbegriff, zur Politischen Psychologie und zur Entstehung sowie dem Abbau von Stereotypen.
3 Stereotype über Deutsche und Polen im historischen Wandel: Hier wird die historische Genese der beiderseitigen Fremdbilder analysiert, von mittelalterlichen Wurzeln über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zum Wandel nach der Wende 1989.
4 Vorbereitung und Durchführung der eigenen Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, die Auswahl der Interviewpartner und die Struktur des qualitativen Untersuchungsdesigns.
5 Auswertung: Der Hauptteil der praktischen Arbeit, in dem die Interviews mit den verschiedenen Probandengruppen ausgewertet, paraphrasiert und reduziert werden.
6 Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei die Hypothese kritisch geprüft und die Differenzierung in verschiedene Gruppen von Heimatvertriebenen diskutiert wird.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und zeigt auf, dass das einseitig negative Polenbild der Vertriebenengruppen als überholt betrachtet werden kann.
Heimatvertriebene, deutsch-polnische Beziehungen, Stereotype, Vorurteile, qualitative Forschung, Erinnerungskultur, Polenbild, Vertreibung, Sozialpsychologie, Identität, Geschichtsbewusstsein, Versöhnungsprozess, Vorurteilsforschung, Integration, Migrationsgeschichte.
Die Arbeit untersucht, ob und wie deutsche Heimatvertriebene heute auf Polen blicken und ob die historisch gewachsenen Vorurteile und Stereotype weiterhin die Wahrnehmung der polnischen Nation beeinflussen.
Die Arbeit deckt psychologische Grundlagen zu Stereotypen, die historische Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen und eine qualitative empirische Untersuchung von Zeitzeugenerfahrungen ab.
Ziel ist es zu klären, ob die Einstellung deutscher Heimatvertriebener gegenüber Polen noch immer stark durch Vorurteile geprägt ist oder ob ein Wandel hin zu einem differenzierteren oder versöhnlicheren Bild stattgefunden hat.
Es handelt sich um eine qualitative Studie. Der Autor führt teilstrukturierte, problemzentrierte Interviews mit acht Zeitzeugen aus verschiedenen Gruppen von Heimatvertriebenen durch und wertet diese mittels qualitativer Inhaltsanalyse aus.
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse zu Vorurteilen und der Historie, bilden die detaillierten Fallbeschreibungen und die Feinanalyse der geführten Interviews das Kernstück der Arbeit.
Die Arbeit zeichnet sich durch eine Verbindung von historischer Kontextualisierung, sozialpsychologischer Theorie und einem starken biographischen Fokus aus.
Der Autor unterscheidet primär zwischen „rechten“ Vertriebenen, die revanchistische Tendenzen zeigen, und „gemäßigt-liberalen“ Vertriebenen, die sich für Völkerverständigung und Kontakte mit Polen engagieren.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die pauschale Annahme, alle Heimatvertriebenen seien grundsätzlich revanchistisch oder „Polenhasser“, als widerlegt bzw. stark überholt anzusehen ist, da heute auch viele positive Kontakte bestehen.
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