Masterarbeit, 2024
75 Seiten, Note: 1,3
Diese Arbeit untersucht die besondere Intimität in der Musik von Billie Eilish, insbesondere wie ein Gefühl von Nähe und Intimität beim Hören aufgenommener Musik entsteht, auch ohne physische oder emotionale Präsenz der Künstlerin. Dabei werden Aspekte von "acousmatic intimacy", historische Vorgänger wie Crooning und ästhetische Einflüsse von ASMR beleuchtet, um die Magie ihrer Musik zu entschlüsseln.
3.2.1 Nähe zur/zum Sänger*in
Die geringe Distanz zum Mikrofon, die Platzierung der Lead-Vocals am vorderen Ende der sound-box und die daraus resultierende Stimmpräsenz und die Hörbarkeit von Atemgeräuschen lässt sich bei Billie Eilish gut beobachten. Als Beispiel dient hier der Song What Was I Made For?, der Effekt ist aber in vielen ihrer Songs zu hören. Die Vocals in What Was I Made For? sind sehr leise und mit einem hohem Luftanteil eingesungen. Ihr Gesang wäre in einem Live-Setting also nur aus nächster Nähe oder mit technischer Verstärkung zu hören. Dazu kommen klar hörbare Atemgeräusche, die oft genauso laut wie der Gesang selbst sind. Durch ihre Art zu Singen und die deutlichen Atemgeräusche entsteht der Eindruck einer intimen Distanz von Billie Eilish's Stimme zum/zur Hörer*in.
Auch in Bezug auf instrumentale Klänge wird wahrgenommene physische Nähe oft synonym mit Intimität verwendet (Kraugerud, 2021). So beschreibt Jon Hopkins den Effekt der Mikrofonierung des Klaviers nah an den Hämmern als intim (Smith, 2018) und auch Anderton empfiehlt die nahe Mikrofonierung eines Cembalos, um ein „intimate feel" zu kreieren (Anderton, 2009). Wie auch bei der Stimme, wecken Instrumente dann ein Gefühl von Intimität, wenn sie als nah wahrgenommen werden und sanft gespielt werden. Analog zu Atem- und Stimmgeräuschen, die Nähe bei der Stimme anzeigen, hört man bei Instrumenten mechanische Geräusche wie den Dämpfer beim Klavier, das Quiet-schen von Fingern auf den Saiten einer Gitarre, etc. Solche Geräusche dienen dann als Marker für geringe räumliche Distanz (Kraugerud, 2021).
Auch dies ist bei Billie Eilish in TV hörbar. In der ersten Hälfte des Songs (bis Minute 1:37) ist der Gesang dabei vor allem von einer akustischen Gitarre begleitet. Immer wieder ist das Quietschen beim Rutschen von Fingern über die Saiten zu hören. Zugleich ist die Gitarrenstimme selbst mit wenig Druck beim Strumming und Picking eingespielt, sie wäre in einem Live-Setting also ebenfalls nicht sehr laut. Auch hier wird die geringe Distanz zum/zur Hörer*in, beziehungsweise zum Mikrofon deutlich.
Das Konzept lässt sich wiederum auch auf nicht stimmliche oder instrumentale Geräusche übertragen, wie es bei ASMR-Triggern der Fall ist. Auch hier werden Geräu-sche (zusätzlich zur Stimme) durch nahe Mikrofonierung hörbar gemacht, die unter normalen Umständen nur durch große physische Nähe hörbar wären und dadurch ein Gefühl von Nähe und Intimität auslösen können (siehe 5.4) (Andersen, 2015). Diese Geräusche können dann wiederum als Samples in Produktionen verbaut werden, wie es bei Billie Eilish zum Teil der Fall ist. Wie Billie Eilish ASMR-Elemente in ihren Produk-tionen verwendet, wird in Kapitel 5.5 aufgearbeitet.
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach der Entstehung von Intimität in Billie Eilishs Musik vor und führt das Konzept der "acousmatic intimacy" sowie relevante historische und popkulturelle Phänomene ein.
2. Billie Eilish: Beschreibt die Karriere der Künstlerin, ihren musikalischen Stil, ihre Erfolge und ihre öffentliche Wahrnehmung, die oft mit Intimität und Verletzlichkeit assoziiert wird.
3. Acousmatic Intimacy: Definiert "acousmatic intimacy" als das Gefühl von Intimität beim Hören aufgenommener Musik ohne sichtbare Klangquelle und untersucht die Rolle von physischer Nähe, technologischen Entwicklungen und Beziehungsaspekten.
4. Historische Vorgänger: Beleuchtet frühere Gesangsstile wie Crooning und Whisperpop, die ebenfalls auf Intimität durch Mikrofonierung setzten und als Vorläufer von Billie Eilishs Stil dienen.
5. ASMR: Erläutert das Phänomen der Autonomous Sensory Meridian Response (ASMR), seine Definition, Entstehungsgeschichte, wissenschaftlichen Stand und Nutzung in Videos, und stellt die Verbindung zu Billie Eilishs Musik her.
6. Listening Session Billie Eilish Musik: Analysiert exemplarisch die Songs "listen before i go" und "bad guy" hinsichtlich der Mechanismen, die acousmatic intimacy und verschiedene Formen von Intimität erzeugen.
7. Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, insbesondere wie Billie Eilish acousmatic intimacy durch Produktionstechniken und Beziehungsaspekte erzeugt und welche Rolle historische und popkulturelle Einflüsse dabei spielen.
Billie Eilish, acousmatic intimacy, Musikproduktion, Intimität, ASMR, Crooning, Whisperpop, Klangästhetik, Vocal-Performance, Mikrofonierung, Recording, Popmusik, Hörerfahrung, Musikwahrnehmung, virtuelle Räume.
Die Arbeit untersucht, wie Intimität in der Musik von Billie Eilish entsteht, insbesondere das Phänomen der "acousmatic intimacy", also ein Gefühl von Nähe und Verbundenheit beim Hören aufgenommener Musik.
Zentrale Themenfelder sind die Produktion von Musik, die wahrgenommene physische und emotionale Nähe, die Rolle der Künstlerpersönlichkeit sowie historische und popkulturelle Einflüsse wie Crooning und ASMR.
Das primäre Ziel ist es, die besondere Intimität in der Musik von Billie Eilish aufzudecken und zu verstehen, indem verschiedene Aspekte von "acousmatic intimacy" sowie stilistisch historische Vorgänger und ästhetische Einflüsse betrachtet werden.
Die Arbeit analysiert theoretische Konzepte und wendet diese auf eine Listening Session von Billie Eilishs Musik an, basierend auf subjektiver Wahrnehmung und Kenntnissen in Musikproduktion und Gesang.
Der Hauptteil behandelt die Definition von "acousmatic intimacy", die Rolle von physischer Nähe, technische Entwicklungen in der Musikproduktion, den Beziehungsaspekt von Intimität, historische Vorgänger intimer Gesangsstile und das Phänomen ASMR.
Schlüsselwörter sind Billie Eilish, acousmatic intimacy, Musikproduktion, Intimität, ASMR, Crooning, Whisperpop, Klangästhetik, Vocal-Performance, Mikrofonierung, Recording, Popmusik, Hörerfahrung, Musikwahrnehmung, virtuelle Räume.
Fortschritte in der Mikrofontechnologie ermöglichen die präzise Aufnahme leiser, detailreicher Stimmen und Instrumente, die eine Illusion physischer Nähe zum/zur Hörer*in erzeugen, indem sie Atem- und andere subtile Geräusche hörbar machen.
Soziale Medien schaffen eine "perception of proximity", indem sie Fans scheinbar persönliche Einblicke in das Leben der Künstler*innen gewähren und die Distanz zwischen Star und Fan abbauen, was das Gefühl einer persönlichen Beziehung verstärkt.
"Acousmatic intimacy" bezeichnet das Gefühl von Intimität durch die Produktion aufgenommener Musik. "Acousmatic hyperintimacy" beschreibt eine übersteigerte Form davon, die durch hyperreale und surreale Klangräume sowie extreme technische Manipulationen entsteht, welche die physisch mögliche Nähe überschreiten.
Intimität kann auch negativ wahrgenommen werden, wenn sie als zu nah oder bedrohlich empfunden wird, insbesondere wenn das Narrativ des Songs beunruhigend ist oder der/die Hörer*in an solche implizierte Nähe nicht gewöhnt ist.
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