Bachelorarbeit, 2021
73 Seiten, Note: 2,3
Diese Bachelorarbeit untersucht den Einfluss der Song-Sprache auf die Musikauswahl der Hörer. Dabei wird analysiert, welche Rolle die Sprache allgemein bei der individuellen Musikauswahl und den musikalischen Präferenzen spielt und inwiefern sich die Auswahlgründe der Hörer mit denen der Musikschaffenden decken.
3. Musikalische Präferenzen
In Anlehnung an Parzer wird Musikgeschmack in dieser Arbeit als „relativ stabiler Komplex mehrerer unterschiedlicher musikalischer Vorlieben und Aversionen eines Individuums oder einer Gruppe“ verstanden (2011, S.14). Auch wenn der Begriff Musikpräferenz im musikpsychologischen Kontext oft eher zur Bezeichnung von akuten Entscheidungen gebraucht wird, soll er für diese Arbeit synonym zu Musikgeschmack verwendet werden. Im Folgenden wird zunächst die Entwicklung der Musikpräferenzen erläutert. Musikpräferenzen werden durch eine Vielzahl von Komponenten determiniert. Näher eingegangen wird hier vor allem auf die musikalische Sozialisation, die damit verbundenen Prozesse der Vorauswahl und Sozialisationsakteure. Schließlich sollen musikimmanente Faktoren der Musikpräferenz in Kürze beleuchtet werden. Auch die Song-Sprache kann als musikimmanenter Faktor betrachtet werden, auf diese wird in einem eigenen Kapitel gesondert eingegangen.
3.1. Entwicklung von Musikpräferenzen
Der Musikgeschmack und seine Festigung sind in hohem Maße altersabhängig. Einerseits liegt das an der kognitiven Entwicklung und Ausbildung des Individuums, andererseits sind mit einem unterschiedlichen Lebensalter und auch einer unterschiedlichen Generationszugehörigkeit andere kulturelle und soziale Erfahrungen verbunden (Gembris, 2005, S.290). Im Bereich der Popularmusik kann sogar in einem gewissen Maße vom Musikgeschmack auf das Alter rückgeschlossen werden (Holbrook & Schindler, 1989, S.122).
Bei Kindern ist die Beliebtheit von Musik noch in einem hohen Maße von musikalischen Eigenschaften abhängig: Je höher das Tempo, desto beliebter ist sie bei Kindern und Jugendlichen ab der zweiten Klasse (LeBlanc & McCrary, 183, S.191-192; Montgomery, 1996, S.143). Dies scheint weitgehend unabhängig vom Musikstil zu sein (Montgomery, 1996, S.143). Bei Kindern scheinen außerdem die musikalischen Präferenzen noch weniger profiliert und festgelegt zu sein. Hargreaves prägt dafür den zum Teil umstrittenen Begriff „open-eard“ (1982, S.52). Dieser wurde in der Forschung oft mit „Offenohrigkeit“, musikalischer Toleranz oder Aufgeschlossenheit umschrieben, worauf sich eine Reihe von Studien stützen (Meiners, 1994, S.60; LeBlanc et al., 1996, S. 50; Gembris & Schellberg, 2007, S.88-89). Da der Begriff und das dahinterstehende Konzept aber nicht einheitlich definiert und erforscht ist, könnte man dahingehende Forschung als vage betrachten (Louven, 2014, S. 47-48). Insgesamt scheinen jüngere Kinder bis ca. zum neunten Lebensjahr offener gegenüber Musik verschiedener Stile eingestellt zu sein, als ältere.
Spätestens mit dem Eintritt ins Teenageralter verändern sich die Bezugspersonen der Heranwachsenden. Jugendliche orientieren sich mehr an ihren peer groups, Gruppen von Gleichaltrigen und Freunden, als an Eltern und Lehrern. Dies hat oft auch eine Loslösung des Musikgeschmacks von den Präferenzen der Eltern und Lehrer zur Folge. Ein schneller Wandel der Präferenzen, sowie die starke Emotionalisierung von Musik und Musikerleben sind charakteristisch für Teenager (Gembris, 2005, S.294-295). Die Jugendzeit ist für die Entwicklung der musikalischen Präferenzen aufgrund einer Vielzahl von Faktoren prägend: Die vielfältigen Funktionen, die Musik während dieser Zeit ausübt, führen unter anderem zu einer hohen Vertrautheit mit der gehörten Musik. Zu diesen Funktionen gehören unter anderem die Identitätsbildung und Emotionsregulierung. Die Intensität der Emotionen sowie viele Erfahrungen und Erlebnisse der Jugendzeit werden mit Musik verknüpft. Erstmals wird der Musikgeschmack zu einem Teil der Identität und einem wichtigen Element in der Selbstdarstellung (Gembris, 2005, S.295). Der bis Anfang zwanzig entwickelte Musikgeschmack stabilisiert sich meist in den Folgejahren. Holbrook und Schindler stellten fest, dass Hörer mit einer Präferenz für Popularmusik oft bis ins hohe Alter die Musik bevorzugen, die ca. zu ihrem vierundzwanzigsten Lebensjahr populär war. Sie gehen von einer diesbezüglich sensiblen Phase im späten Jugendalter, bzw. mit Eintritt ins Erwachsenenalter aus (Holbrook & Schindler, 1989, S.122-123).
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt Musik als festen Bestandteil des menschlichen Lebens dar, beschreibt den Einfluss von Musikstreamingdiensten und formuliert die Forschungsfrage zum Einfluss der Song-Sprache auf die Musikauswahl der Hörer.
2. Markt und Konsum: Hier wird der deutsche Musikmarkt beleuchtet, wobei die Verbreitung von Musik über Smartphones und Streamingdienste sowie die wöchentliche Hörzeit der Deutschen thematisiert werden.
3. Musikalische Präferenzen: Das Kapitel definiert Musikgeschmack als stabilen Komplex von Vorlieben und Aversionen und erörtert dessen Entwicklung durch musikalische Sozialisation, Vorauswahlprozesse und musikimmanente Faktoren.
4. Sprache: Dieses Kapitel befasst sich mit der Verbreitung und dem Stellenwert der englischen Sprache in Deutschland, einem geschichtlichen Überblick über Song-Sprache im deutschsprachigen Raum und der Sprachwahl von Musikern und Hörern.
5. Begründung des Untersuchungsansatzes: Hier wird die qualitative Methode der leitfadengestützten Interviews begründet, um die motivationsbezogenen Gründe für die Sprachwahl von Hörern zu erfassen, im Gegensatz zu quantitativen Ansätzen.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse der Interviews zeigen, wie Genres, Sprachpräferenzen, Fremdsprachkenntnisse und der Einfluss des Umfelds die Musik- und Sprachwahl der Probanden bestimmen.
7. Diskussion der Ergebnisse: Dieses Kapitel diskutiert, wie Sprache als musikimmanenter Faktor und im Kontext der musikalischen Sozialisation die Musikauswahl beeinflusst, einschließlich linguistischer Charakteristika und Textfokus.
8. Fazit: Die abschließenden Erkenntnisse bestätigen den Einfluss der Sprache auf die Musikauswahl, differenziert nach musikimmanenten Faktoren wie Klang und Textfokus, sowie sozialisationsbedingten und wirtschaftlichen Faktoren.
Song-Sprache, Musikauswahl, Musikpräferenzen, Musikalische Sozialisation, Englisch, Deutsch, Popmusik, Hörer, Linguistische Charakteristika, Textverständnis, Klischeebildung, Interviewstudie, Deutschland, Musikindustrie, Streamingdienste
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Song-Sprache auf die Musikauswahl der Hörer und analysiert die verschiedenen Faktoren, die diese Präferenzen beeinflussen.
Zentrale Themenfelder sind musikalische Präferenzen, musikalische Sozialisation, musikimmanente Faktoren, die Rolle der englischen Sprache in Deutschland sowie die Sprachwahl von Musikern und Hörern.
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss der Song-Sprache auf die Musikauswahl der Hörer zu erforschen und zu überprüfen, ob die Auswahlgründe der Hörer mit denen der Musikschaffenden übereinstimmen.
Die Arbeit verwendet einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf leitfadengestützten Interviews mit Musikkonsumenten.
Der Hauptteil behandelt den deutschen Musikmarkt, die Entwicklung musikalischer Präferenzen, die musikalische Sozialisation, die Rolle der englischen Sprache in Deutschland, die Sprachwahl von Musikern und Hörern, die Methodik der Untersuchung und die Analyse der Ergebnisse.
Schlüsselwörter sind Song-Sprache, Musikauswahl, Musikpräferenzen, Musikalische Sozialisation, Englisch, Deutsch, Popmusik, Hörer, Linguistische Charakteristika, Textverständnis, Klischeebildung, Interviewstudie, Deutschland, Musikindustrie, Streamingdienste.
Die Studie zeigt, dass Klischees und Vorurteile, insbesondere die Assoziation von deutscher Musik mit Schlager oder Rechtsrock, die Musikauswahl der Hörer beeinflussen können. Diese sind bei deutscher Musik stärker ausgeprägt als bei englischer.
Das Radio spielt eine besondere Rolle, da es eine Vorauswahl trifft und Hörern die Sprachwahlentscheidung abnimmt. Dies führt dazu, dass Hörer, die im Radio passiv Musik konsumieren, oft auch englischsprachige Musik hören, selbst wenn sie privat hauptsächlich deutsche Musik bevorzugen.
Deutsche Musiker nennen ästhetische Gründe (Klang, Flow), Authentizität, die Kommunizierbarkeit von Inhalten (besser in Muttersprache) und wirtschaftliche Überlegungen (internationaler Markt) als Motive für ihre Sprachwahl.
Die Arbeit bestätigt, dass der Musikgeschmack in hohem Maße altersabhängig ist und sich oft bis zum frühen Erwachsenenalter stabilisiert. Erfahrungen in der Jugendzeit prägen die musikalischen Präferenzen stark, was bei älteren Hörern deutlich wird, die oft Musik aus ihrer Jugend bevorzugen.
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