Examensarbeit, 2009
67 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Begrifflichkeiten, Formen und Verbreitung sozialer Ausgrenzung
1.1 Begriffsklärungen
1.2 Praktiken der Ausgrenzung
1.3 Auftretenshäufigkeit
1.3.1 Ausgrenzung
1.3.2 Mobbing
1.4 Merkmale der beteiligten Personen
1.4.1 Sozial anerkannte Schüler
1.4.2 Sozial ausgegrenzte Schüler/ passive Mobbingopfer
1.4.3 Täter-Opfer
1.4.4 Ausgrenzende Schüler/ Mobbingtäter
1.5 Risikoerhöhende Bedingungen
2 Eigene Felderkundung zur sozialen Ausgrenzung und Anerkennung in Bremer Grundschulklassen
2.1 Methode
2.2 Ergebnisse
2.3 Diskussion
3 Pädagogische Handlungsmöglichkeiten
3.1 Maßnahmen auf Schulebene
3.2 Maßnahmen auf Klassenebene
3.3 Maßnahmen auf persönlicher Ebene
3.4 Kognitiv-behaviorale und soziale Fertigkeitstrainings
3.5 Faktoren, die die Wirksamkeit beeinflussen
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sozialen Ausgrenzung und des Mobbings in Schulklassen mit Fokus auf die Primarstufe. Ziel ist es, die Verbreitung, die Auswirkungen auf die Beteiligten sowie die Einflussfaktoren zu analysieren, um daraus pädagogische Interventions- und Präventionsstrategien für Lehrkräfte abzuleiten.
1.2 Praktiken der Ausgrenzung
Mehmet ist 14 Jahre alt und in Deutschland geboren, seine Eltern kommen aus der Türkei. Auffällig an ihm ist, dass er sehr weiblich wirkt, eher schmal gebaut ist und auch seine Bewegungen „total schwul ’rüberkommen“ – so die anderen Jungen. So fing es an, dass ihn die anderen Jungen auf dem Schulhof beschimpften, als „schwuler Türkenarsch“ oder „Türken-Homo-Tucke“. Erst dachte er sich nicht viel dabei, aber die Sprüche wurden immer massiver, zudem schnitten ihn die anderen immer mehr, wollten ihn nicht dabei haben. Sie stachelten auch noch die Mädchen auf, redeten so über ihn in deren Gegenwart. Beim Sportunterricht, in der Umkleidekabine, wollte niemand mehr neben ihm sitzen und sich umziehen: „Ey, der guckt mir sonst noch alles weg… Vorsicht, nicht bücken!“ Zudem schubsten sie ihn oder versteckten seine Sachen, sodass er einmal im Winter fast schon in kurzer Turnhose nach Hause gehen wollte – der Lehrer schritt dann ein und forderte, dass die anderen seine Sachen wieder zurückgeben sollten, aber gab auch den Spruch ab: „Kannst du nicht besser darauf aufpassen?“ Zu Hause traute er sich nicht, es seinem Vater oder seiner Mutter zu erzählen. Natürlich hat er verschiedene Versuche unternommen, Freunde zu gewinnen – aber was er auch unternahm, es klappte nicht.
Fallbeispiel, verändert nach SCHEITHAUER u.a. 2003, S. 25
1 Begrifflichkeiten, Formen und Verbreitung sozialer Ausgrenzung: Dieses Kapitel definiert soziale Ausgrenzung und Mobbing, erläutert deren Erscheinungsformen und analysiert Merkmale der beteiligten Personen sowie risikoeinflussende Bedingungen.
2 Eigene Felderkundung zur sozialen Ausgrenzung und Anerkennung in Bremer Grundschulklassen: Hier wird die durchgeführte empirische Untersuchung an Bremer Grundschulen beschrieben, die Gruppenstrukturen analysiert und die Ergebnisse der Lehrerinterviews diskutiert.
3 Pädagogische Handlungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel stellt verschiedene Interventions- und Präventionsmaßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen vor, um Mobbing entgegenzuwirken und ein positives Schulklima zu fördern.
Soziale Ausgrenzung, Mobbing, Primarstufe, Schulklasse, Gewaltprävention, Interventionsmaßnahmen, soziale Kompetenz, Schulklima, Lehrerverhalten, Sozialstatus, Selbstwertgefühl, Bullying, Grundschule, Pädagogik, soziale Kontakte
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Ausgrenzungsprozessen und Mobbing innerhalb der Schülerschaft, mit besonderem Fokus auf die Situation in Grundschulklassen.
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung von Ausgrenzungsphänomenen, die empirische Erkundung der Situation in Grundschulen sowie die Ausarbeitung pädagogischer Präventions- und Interventionsmöglichkeiten.
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie Pädagogen durch gezielte Maßnahmen Ausgrenzung vorbeugen, in Akutfällen intervenieren und betroffene Schüler effektiv in die Klassengemeinschaft reintegrieren können.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie einer eigenen qualitativen Felderkundung mittels Interviews mit vier Grundschullehrkräften in Bremen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der eigenen empirischen Ergebnisse und eine detaillierte Ausarbeitung pädagogischer Handlungsfelder auf Schul-, Klassen- und persönlicher Ebene.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Ausgrenzung, Mobbing, Grundschule, Gewaltprävention, soziale Kompetenz und Schulklima charakterisiert.
Die Lehrkraft ist eine Schlüsselfigur; ihr Verhalten kann durch eine "Kultur des Hinschauens" Mobbing entgegenwirken oder durch Passivität beziehungsweise soziale Etikettierung ungewollt zu einer Verfestigung des Opferstatus beitragen.
Die Grundschule ist der erste zentrale Lern- und Sozialisationsort außerhalb der Familie. Hier werden grundlegende soziale Verhaltensweisen erlernt, weshalb eine frühzeitige Prävention besonders nachhaltig für die weitere Schullaufbahn ist.
Ausgegrenzte sind das Ziel aktiver, negativer Angriffe, während Außenseiter sich zwar am Rande befinden, aber emotional oft neutral oder positiv bewertet werden und sich teils freiwillig zurückziehen.
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