Bachelorarbeit, 2010
43 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Islamischen Republik Iran und ihr gesellschaftspolitisches Dilemma
2.1 Allgemeine Vorbemerkungen zur Islamischen Republik
2.2 Entwicklungsphasen seit der Revolution 1979
3. Leitprinzipien der Reformkonzepte der ‚Neuen Theologen‘ am Beispiel von Šabestari, Kadivar und Eškevari
3.1 Hermeneutischer Ansatz und Historisierung der Offenbarung
3.2 Die Veränderbarkeit und Flexibilität der gesellschaftsrelevanten Vorschriften des Islam
3.3 Der Ansatz des spirituellen und zielorientierten Islam
4. Zur Frage der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie
4.1 Kritik an der velāyat-e faqih-Konzeption
4.2 Entwürfe einer religiösen-demokratischen Regierungsform
5. Fazit und Schlussbemerkungen
Diese Arbeit untersucht die Reformkonzepte der iranischen Denker Moḥammed Moǧtahed Šabestari, Moḥsen Kadivar und Ḥasan Yusefi Eškevari, um deren Impulse für eine Lösung des gesellschaftspolitischen Dilemmas der Islamischen Republik Iran zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese Theoretiker eine Vereinbarkeit von islamischer Religion und demokratischen Regierungsformen begründen.
3.1 Hermeneutischer Ansatz und Historisierung der Offenbarung
Ein Reformdenker, der einen hermeneutischen Ansatz verfolgt, ist der 1936 in Täbris geborene Moḥammed Šabestari. Nach dem Studium der klassischen Rechtswissenschaft in Qom widmete er sich insbesondere den ʿelm-e kalām, der Theologie, die sich mit der Rationalisierung der islamischen Glaubensgrundsätze beschäftigt. 1970 übernahm er die Leitung des schiitisch Islamischen Zentrums in Hamburg. Dort lernte er die deutsche Sprache und beschäftigte sich mit verschiedenen europäischen Theologen und Philosophen. Wohl auch durch diese Beschäftigung entwickelte der Reformkleriker eine besondere Vorliebe für neue, hermeneutische Ansätze.
Diese hermeneutischen Ansätze sind für Šabestari auch im Umgang mit Koran und Sunna relevant. Er betrachtet das Verständnis eines Textes oder einer religiösen Quelle unter der Prämisse, dass ein jeder Interpret und damit dessen Interpretation eines Textes vorbeeinflusst ist durch seine spezifischen, realen Erfahrungen, Vorannahmen und Einstellungen. Besonders bei komplexen, schwierigen Texten ist dieses Vorverständnis flexibel und bewegt sich vorwärts. Diesen Prozess nennt Šabestari in seinem 1996 veröffentlichten Buch Hermenutik, ketāb o sonnat, den hermeneutischen Zirkel (dor-e hermenutik). Da also dieser Prozess zu jeder Zeit und bei jedem Leser oder Interpreten unter anderen zeitlichen und räumlichen Bedingungen stattfindet, kann es keine Deutung geben, die als die einzig wahre oder endgültige gilt oder präsentiert wird.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die Reformkonzepte dreier bedeutender iranischer Denker vor dem Hintergrund der aktuellen Legitimitätskrise des iranischen Regimes zu untersuchen.
2. Die Entwicklung der Islamischen Republik Iran und ihr gesellschaftspolitisches Dilemma: Dieses Kapitel stellt die historische Entwicklung der Islamischen Republik seit 1979 dar und beleuchtet das dualistische politische System, das den Boden für den post-revolutionären Reformdiskurs bereitete.
3. Leitprinzipien der Reformkonzepte der ‚Neuen Theologen‘ am Beispiel von Šabestari, Kadivar und Eškevari: Hier werden die zentralen hermeneutischen und methodischen Prinzipien der drei Reformer erläutert, insbesondere die Historisierung der Offenbarung und die Differenzierung zwischen ewigen und zeitgebundenen religiösen Geboten.
4. Zur Frage der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie: Dieses Kapitel analysiert die Kritik der Reformer am Herrschaftsprinzip der velāyat-e faqih und diskutiert ihre konkreten Entwürfe für eine religiös-demokratische Regierungsform.
5. Fazit und Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Entwürfe der Reformer bedeutende Ansätze für eine demokratische Gestaltung des iranischen Staates bieten, ohne dabei den religiösen Kern der Gesellschaft aufzugeben.
Islam, Demokratie, Reformtheologie, velāyat-e faqih, Schiiten, Hermeneutik, Säkularisierung, Menschenrechte, Regierungsform, religiöse Reformbewegung, Moḥammed Šabestari, Moḥsen Kadivar, Ḥasan Yusefi Eškevari, Iran, gesellschaftspolitische Krise.
Die Arbeit analysiert die Reformkonzepte von drei bedeutenden iranischen Denkern, die eine Vereinbarkeit von Islam und modernen demokratischen Werten anstreben.
Zentrale Themen sind die Hermeneutik religiöser Texte, die Kritik am aktuellen theokratischen Herrschaftssystem des Iran und die Suche nach einer demokratischen Regierungsform auf islamischer Basis.
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Impulse die Reformdenker Šabestari, Kadivar und Eškevari zur Lösung des gesellschaftspolitischen Dilemmas der Islamischen Republik liefern können.
Die Arbeit nutzt eine Analyse der politischen Entwicklungen, eine deskriptive Darstellung der theoretischen Reformansätze sowie eine vergleichende Untersuchung der religiös-politischen Konzepte der drei Denker.
Der Hauptteil behandelt die historische Einordnung des iranischen Systems, die philosophischen Leitprinzipien der Reformer sowie deren Kritik an der velāyat-e faqih-Konzeption und deren Visionen für eine religiöse Demokratie.
Wichtige Begriffe sind Islam, Demokratie, Reformtheologie, velāyat-e faqih, Historisierung der Offenbarung und Menschenrechte.
Die drei Reformer kritisieren das Prinzip als unvereinbar mit demokratischen Grundsätzen und menschlicher Autonomie, da es auf der vermeintlichen Unmündigkeit des Menschen basiere.
Diese Differenzierung erlaubt es den Reformern, zeitlose spirituelle Kernwerte von veränderbaren gesellschaftspolitischen Vorschriften zu trennen, um so eine Anpassung an moderne Erfordernisse zu ermöglichen.
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