Magisterarbeit, 2009
122 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
1.1 Versuch einer Doping-Definition
1.2 Abgrenzung zu nicht behandelten Aspekten
2. THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
2.1 Einführung
2.2 Theorie der Selbstdarstellung im Alltag
2.2.1 Status der Goffmanschen Theorie
2.2.2 Die Rahmentheorie
2.3 Die Macht des Diskurses
2.4 Die Mediale Vermittlung des Sports
3. REKONSTRUKTION DISKURSIVER DOPINGPRAXIS BEI DER TOUR DE FRANCE
3.1 Die Gründung der Tour de France
3.2 Rahmung I: Der noch uneingeschränkteDopingdiskurs
3.2.1 Festlegung des Anforderungsprofils
3.2.2 1924 - Die Affäre Péllissier
3.2.3 Hauptsache im Gespräch
3.2.4 Etablierung des politischen Schemas
3.3 Rahmung II: Kurzfristige Problematisierung eines Kavalierdeliktes
3.3.1 Profit- und Dopingmaximierung
3.3.2 1967 - Der Tod Tom Simpsons
3.3.3 Einführung regelmäßiger Kontrollen
3.3.4 Etablierung des Geheimhaltungs- und Opferschemas
3.4 Rahmung III: Kriminalisierung
3.4.1 EPOchaler Radsportboom
3.4.2 1998 – Die Festina-Affäre
3.4.3 Institutionalisierung der Anti-Doping Bemühungen
3.4.4 Etablierung des Kriminalitäts-Schemas
3.5 Rahmung IV: Moralische Verdammung
3.5.1 Das Karriereende von Jan Ullrich
3.5.2 2007 - Patrik Sinkewitz als medialer Doping-GAU
3.5.3 Kommunikationskontrolle
3.5.4 Etablierung des Täter-Schemas
4. ZUSAMMENFASSUNG UNTER BEZUGNAHME AUF DIE ROLLE DER ETHIK
4.1 Der Wandel der Sportethik
4.2 Moral als mediales Konstruktionsprinzip
4.3. Der Medienskandal
5. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer rekonstruktiven Diskursanalyse, welche Rolle das Dopingphänomen für den Fortbestand des Spitzensports am Beispiel der Tour de France spielt. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliches Wissen über Doping durch mediale Diskurse konstruiert, verhandelt und aktualisiert wird.
3.1 Die Gründung der Tour de France
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt die französische Mittelklasse dank sinkender Arbeitszeiten und steigender Löhne, sich für Sport im Allgemeinen und Radsport im Speziellen als eine Form der Freizeitgestaltung zu interessieren (vgl. Thompson, 2006, S. 9). So entsteht die erste professionalisierte Sportart neben dem Boxen (vgl. Gamper, 15.09.2006) als Konsequenz aus einem lukrativen Markt für Radrennveranstalter, dem Kampf der Fahrradindustrie um die besten Sportler und dem finanziellen Interesse der Athleten, bereits um 1895 (vgl. Schröder, 2002 S. 40). Dank ihrer umfangreichen Berichterstattung leisten die Massenmedien einen erheblichen Beitrag für die Professionalisierung des Radrennsports, indem sie aufgrund der leistungs- und fortschrittsbezogenen Charakteristiken des Radsports das vorhandene Interesse des Publikums bedienen und noch weiter steigern. „Die sportlichen ‚Fortschritte‘ sind einfach so faszinierend oder gar abstoßend, daß die Presse zur Popularität der Radprofessionals geradezu beitragen muß“ (Rabenstein, 1996 , S. 89).
Aus Sicht der Rennveranstalter wird es durch ein Überangebot an Steher-, Sechstagerennen oder Distanzfahrten immer schwieriger, die Unterhaltungslust des Publikums zu befriedigen. Zwei Unternehmer stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite befindet sich Pierre Giffard, Chefredakteur der Le Vélo, der mit täglich 80.000 verkauften Exemplaren größten Sportzeitung Frankreichs. Giffard ist ebenfalls Veranstalter der Langstreckenrennen Paris-Brest-Paris, Paris-Roubaix und Bordeaux-Paris über Distanzen von rund 600-1200 Kilometern(vgl. Renggli, 2000, S. 141). Ihm gegenüber steht Henri Desgrange, Chefredakteur der Sportzeitung L’Auto. Beide realisieren, dass nur eine der beiden Sportzeitschriften den gegenseitigen Verdrängungswettbewerb überleben kann (vgl. Krämer, 1998, S. 11).
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Aufmerksamkeit für das Dopingphänomen und formuliert die Forschungsfrage nach der Rolle des Dopings für den Spitzensport.
2. THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN: Dieses Kapitel führt soziologische Theorien wie die Rollentheorie und Rahmentheorie von Goffman sowie die Diskurstheorie von Foucault ein, um das mediale Verhalten im Sport zu analysieren.
3. REKONSTRUKTION DISKURSIVER DOPINGPRAXIS BEI DER TOUR DE FRANCE: Der Hauptteil rekonstruiert historisch die Entwicklung des Dopingdiskurses anhand verschiedener Phasen und Rahmungen, von der Gründung bis zur Kriminalisierung und moralischen Verdammung.
4. ZUSAMMENFASSUNG UNTER BEZUGNAHME AUF DIE ROLLE DER ETHIK: Hier wird der Wandel der Sportethik zusammengefasst und die mediale Konstruktion von Moral im Kontext von Skandalen kritisch reflektiert.
5. FAZIT: Das Fazit resümiert, dass Doping als dramatisierendes Requisit innerhalb des "theatralischen" Spitzensports fungiert und Skandale keine langfristigen tiefgreifenden Änderungen bewirken.
Tour de France, Doping, Diskursanalyse, Erving Goffman, Rahmentheorie, Spitzensport, Massenmedien, Sportethik, Inszenierung, Skandal, Jan Ullrich, Festina-Affäre, Konstruktivismus, Machtstrukturen, Leistungssteigerung
Die Arbeit untersucht die mediale und gesellschaftliche Behandlung des Dopingphänomens bei der Tour de France als ein diskursiv konstruiertes soziales Theater.
Zentral sind die Dynamiken von Selbstdarstellung, mediale Inszenierung von Spitzensport, die Rolle der Ethik sowie die diskursive Konstruktion von "Sauberkeit" und "Sünde".
Die Forschungsfrage lautet, welche Rolle das Doping für den Fortbestand des Spitzensports spielt und wie sich das gesellschaftliche Wissen darüber durch mediale Diskurse im Zeitverlauf verändert hat.
Es handelt sich um eine rekonstruktive Diskursanalyse, die soziologische Ansätze von Erving Goffman (Rollentheorie/Rahmentheorie) und Michel Foucault (Diskursanalyse) kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in vier historische Rahmungsphasen, die den Wandel des Umgangs mit Doping bei der Tour de France von der frühen Ignoranz bis zur modernen Kriminalisierung nachzeichnen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Doping-Diskurs, mediale Vermittlung, Bühnenmetaphorik, moralische Verdammung, Machtstrukturen und Skandalisierung.
In Anlehnung an Goffman wird die Tour als ein soziales Theater verstanden, in dem Akteure (Fahrer, Regisseure/Veranstalter, Publikum) Rollen einnehmen, um eine Dramaturgie der sportlichen Leistung aufrechtzuerhalten.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Doping-Skandale zwar kurzfristig für öffentliche Erregung sorgen, aber letztlich keine tiefgreifenden systemischen Änderungen bewirken, da sie als notwendiger Bestandteil zur Aufrechterhaltung des "sportlichen Mythos" dienen.
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