Masterarbeit, 2025
93 Seiten, Note: 1,0
Diese Masterarbeit untersucht die berufliche Resilienz und Bewältigungsstrategien von Erwachsenen mit ADHS. Basierend auf dem Job Demands-Resources (JD-R) Modell, bestand das primäre Ziel darin, spezifische Risiko- und Pufferfaktoren zu identifizieren, die den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomatik und psychischer Gesundheit im Arbeitskontext moderieren. Die Arbeit verfolgt zudem das Ziel, die Puffer- und Risikofaktoren zu identifizieren, die den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomatik und den Outcomes Resilienz, Coping und Arbeitsleistung moderieren.
2.1 Problemstellung: Der "Mismatch" im modernen Arbeitsalltag
In einer zunehmend von Effizienz, Selbstorganisation und Multitasking geprägten Arbeitswelt stellt die Bewältigung beruflicher Anforderungen für Menschen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eine tägliche Herausforderung dar. Während ADHS lange als Störung des Kindesalters galt, zeigen Langzeitstudien, dass die Symptomatik bei bis zu 60% der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter persistiert. (Caye et al. 2016)
Im beruflichen Kontext trifft die neuropsychologische Realität von ADHS – primär charakterisiert durch Defizite in den Exekutivfunktionen (EF) wie Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und Planungsfähigkeit (Barkley 2011; Willcutt et al. 2012) – auf starre organisationale Erwartungen. Dieser "Mismatch" zwischen der neurodivergenten Funktionsweise des Individuums und den Anforderungen einer neurotypisch gestalteten Arbeitsumgebung (Abbildung 1) führt zu chronischem Stress. Die Folgen sind gravierend: Studien belegen ein signifikant erhöhtes Risiko für berufliche Instabilität, zwischenmenschliche Konflikte am Arbeitsplatz und die Entwicklung komorbider psychischer Erkrankungen wie Burnout, Angststörungen oder Depressionen. (Gair et al. 2021)
Trotz dieser unbestreitbaren Belastungen gelingt es vielen Betroffenen, beruflich erfolgreich zu sein und psychisch gesund zu bleiben. Dies wirft die zentrale Frage dieser Arbeit auf: Welche Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg im Umgang mit ADHS im Beruf? Es geht nicht mehr nur um die Frage, ob ADHS ein Problem darstellt, sondern darum, warum manche Betroffene unter diesen Bedingungen Resilienz entwickeln und andere nicht.
1. Abstract: Das Abstract fasst die gesamte Masterarbeit zusammen, indem es die Untersuchung von beruflicher Resilienz und Bewältigungsstrategien bei Erwachsenen mit ADHS beleuchtet, basierend auf dem Job Demands-Resources (JD-R) Modell.
2. Einleitung: Die Einleitung stellt die Problemstellung des "Mismatch" zwischen ADHS-Symptomatik und modernen Arbeitsanforderungen dar, um den konzeptionellen Rahmen zu skizzieren und die Forschungsfragen der Arbeit zu definieren.
3. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert eine umfassende Darstellung der Definition, Häufigkeit und Erscheinungsbilder von ADHS im Erwachsenenalter, verknüpft mit relevanten Modellen wie dem Transactional Model of Stress and Coping und der Resilienzforschung.
4. Stand der Forschung: Hier werden aktuelle Erkenntnisse zu Stigmatisierung, sozialen Wahrnehmung, Arbeitszufriedenheit, Arbeitsplatzgestaltung und dem Umgang mit ADHS im Berufsleben diskutiert, inklusive der Ableitung der Forschungshypothesen.
5. Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das Mixed-Methods-Design der Online-Umfrage, die Stichprobenrekrutierung und die Operationalisierung der Variablen sowie die statistische Auswertung der Daten.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren signifikante Dreifach-Interaktionen bezüglich Burnout, Diagnose- und Behandlungsstatus, konkreter Arbeitsbedingungen sowie eine deskriptive Effizienz-Analyse von Bewältigungsstrategien.
7. Diskussion: In diesem Abschnitt werden die Befunde im Kontext psychischer Belastung, Bewältigungsstrategien und ihrer Implikationen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement diskutiert, ergänzt durch eine qualitative Analyse individueller Strategien und eine kritische Limitation der Studie.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Kernbotschaften der Arbeit zusammen, betont die dynamische Interaktion zwischen ADHS und Arbeitsumfeld und plädiert für ein "Universal Design" der Arbeit zur Förderung von Resilienz.
Die Arbeit untersucht, wie berufstätige Erwachsene mit ADHS psychisch gesund und leistungsfähig bleiben können, indem sie spezifische Risiko- und Pufferfaktoren identifiziert, die den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomatik und psychischer Gesundheit im Arbeitskontext beeinflussen.
Die zentralen Themenfelder umfassen ADHS im Erwachsenenalter, Stress und Coping, Resilienz, Arbeitszufriedenheit, Arbeitsplatzgestaltung, die Rolle von Komorbiditäten und die Ableitung praktischer Implikationen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement.
Das primäre Ziel ist es, Puffer- und Risikofaktoren zu identifizieren, die den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomatik und den Outcomes Resilienz, Coping sowie Arbeitsleistung moderieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Resilienzstrategien und Bewältigungsmechanismen wenden Erwachsene mit ADHS im beruflichen Alltag an, und wie werden diese durch mögliche Begleiterkrankungen beeinflusst?
Die Arbeit verwendet ein Mixed-Methods-Design, das quantitative Daten aus einer Online-Umfrage (N=280) mit qualitativen Berichten zu individuellen Strategien kombiniert. Die Auswertung erfolgte mittels multipler Regressionsanalysen und thematischer Analysen.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Hintergrund von ADHS und relevanten Stressmodellen, den aktuellen Stand der Forschung zu Stigmatisierung und Arbeitsleben, die Methodik der Datenerhebung und -auswertung, sowie die detaillierten Ergebnisse der Interaktionsanalysen und der Effizienz-Analyse von Bewältigungsstrategien.
Schlüsselwörter sind ADHS, Resilienz, Bewältigungsstrategien, Burnout, Job Demands-Resources Modell, Transaktionales Stressmodell, Arbeitszufriedenheit und Betriebliches Gesundheitsmanagement.
Der "Mismatch" entsteht, wenn die neuropsychologische Realität von ADHS (Defizite in Exekutivfunktionen) auf starre organisationale Erwartungen (z.B. hohe Anforderungen an Selbstorganisation) trifft, was zu chronischem Stress, erhöhter beruflicher Instabilität und psychischen Begleiterkrankungen führen kann.
Die "Knowing-Doing-Gap" beschreibt die Diskrepanz, dass ADHS-Betroffene oft wissen, welche Bewältigungsstrategien hilfreich wären (z.B. Schlaf, Pausen, Bewegung), diese aber im entscheidenden Moment aufgrund von Exekutivdysfunktionen (Initiierungsschwierigkeiten, Impulsivität) nicht umsetzen können.
Die Studie zeigt, dass ein gesicherter Diagnosestatus als "erklärendes Modell" wirkt und Betroffenen hilft, ihre Schwierigkeiten als neurobiologisches Merkmal zu externalisieren. Dies mindert Selbstwertgefühle und fördert die Inanspruchnahme passender Coping-Strategien, während ein unsicherer Diagnosestatus die Vulnerabilität erhöht.
Das BGM sollte "Universal Design"-Ansätze fördern, die flexible Arbeitsumgebungen, Reizreduktion und psychologische Sicherheit bieten. Statt nur auf individuelle Zeitmanagement-Kurse zu setzen, sollte der Fokus auf die Stärkung physiologischer Ressourcen (Schlaf, Pausen) und proaktives Feedback/Coaching gelegt werden.
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