Diplomarbeit, 2010
111 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Zum sozialen und politischen Kontext der Diskussion um die neue chinesische Mittelschicht
1.2 Zum Aufbau der Arbeit
2. Zur Definition der Begriffe Klasse und Schicht
2.1 Zum Begriff der sozialen Schicht
2.2 Definition der Klassen nach Marx
2.3 Definition vom Klassen nach Weber
2.3 Definition nach Bourdieu
2.4 Bewertung
2.5 Moderne Klassenmodelle
2.6 Diskussion: Jenseits von Klasse und Schicht – alternative Zugänge
3. Definition des Begriffs der Mittelschicht und Diskussion der aktuellen Probleme und Tendenzen unter Berücksichtigung der Globalisierung
3.1 Ökonomische Aspekte der Mittelschicht
3.2 Milieustruktur und Krisen der Mittelschicht
3.3 Zum Konzept der globalen Mittelschicht
3.4 Hinweise der Zukunftsforschung zur neuen globalen Mittelschicht
4. Historische Aspekte zur Entwicklung der Mittelschicht in China
4.1 Mittelschicht, Gesellschaft und Politik in China bis 1978
4.2 Politische Entwicklung und Struktur der chinesischen Gesellschaft seit 1978
4.3 Erste Konsequenzen der beschriebenen Entwicklungen für das soziale Schichtengefüge Chinas
5. Aspekte der Forschung zur Klassen- Schichtenproblematik sowie zur heutigen chinesischen Mittelschicht
5.1 Voraussetzungen: Das Schichtenmodell der chinesischen Soziologie von 2001 und die Entwicklung in der Dekade 1990 bis 2000
5.2 Bewertung der neueren Forschungsergebnisse
5.3 Definitionsprobleme der chinesischen Soziologie im Hinblick auf den Begriff der Mittelschicht
5.4 Chinas städtische Mittelschicht: Struktur, Positionierung, Urbanisierung
5.4.1 Urbanisierung in China
5.4.2 Zur Situation der Mittelschicht in den großen Städten
5.5 Bildung, Lebensstil und Konsum in der neuen Mittelschicht
5.5.1 Bildung, Berufswahlverhalten und Ein-Kind-Politik
5.5.2.Lebensstil und Verbrauchskultur der neuen Mittelklasse
5.5.2.1 Bekleidung
5.5.2.2 Essen
5.5.2.3 Wohnen
5.5.2.4 Auto und Verkehr
5.5.2.5 Kultur und Unterhaltung
5.5.2.6 Reisen
5.5.2.7 Die Bedeutung des Konsums westlicher Markenartikel
5.5.2.8 Der Zukunftsaspekt: Das neue Konsumverhalten der Mittelschicht-Einzelkinder
5.6 Psychologische Aspekte und Probleme der chinesischen Mittelschicht
5.7 Kontroversen um die politische Bedeutung der Mittelschicht
5.8 Die neue chinesische Mittelschicht aus der Sicht der westlichen Medien und Wirtschaftsberatungsinstitute
6. Fallbeispiele aus der neuen Mittelschicht
6.1 Peking: Das Ehepaar Li
6.2 Peking: Herr Chen
6.3 Shanghai: Frau Zhou
6.4 Chengdu: Herr Tao
7. Zusammenfassung und Diskussion
7.1 Zusammenfassung
7.2 Diskussion
7.2.1 Bewertung der neuen chinesischen Mittelschicht als Markt für westliche Güter
7.2.2 Die neue chinesischen Mittelschicht unter dem Aspekt der Globalisierung
7.2.3 Soziale und politische Perspektiven der neuen chinesischen Mittelschicht
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Entstehung, Struktur und gesellschaftliche Bedeutung der neuen Mittelschicht im heutigen China. Ziel ist es, die soziologische Einordnung dieser neuen Bevölkerungsgruppe vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Öffnung, der Globalisierung und spezifischer chinesischer Besonderheiten zu analysieren und deren politische Rolle kritisch zu hinterfragen.
1.1 Zum sozialen und politischen Kontext der Diskussion um die neue chinesische Mittelschicht
Die chinesische Gesellschaft ist ein historisch einzigartiges Experiment. Seit Deng Xiaoping 1978 die ökonomische Öffnung Chinas hin zu marktwirtschaftlichen Strukturen angestoßen hat ist eine Umstrukturierung der Gesellschaftsordnung zustande gekommen, die marktwirtschaftliche Orientierungen unter der alleinigen Führung der Kommunistischen Partei Chinas verwirklicht. Einzigartig ist dieses Experiment aus zwei Gründen: Zum einen sind bisher alle kommunistischen Staaten auf erhebliche ökonomische Probleme gestoßen, was die Entwicklungen in der ehemaligen Sowjetunion, der DDR, in Kuba, in Nordkorea zeigen. Zum andern ist China das einzige Modell, das offensichtliche Erfolge bei der Steigerung des Wohnstands verbuchen kann und zugleich kommunistisch regiert wird.
China profitiert dabei von Prozess der Globalisierung. Zugleich wird deutlich, dass sich die gesellschaftliche Struktur des Landes sehr rasch verändert. Diese Veränderungen lassen sich nicht vollständig durch die KPCh steuern. Partei und Regierung setzten Rahmenbedingungen, ohne eine absolute Kontrolle erreichen zu können. Das größte gesellschaftliche Experiment hat also einen offenen Aufgang, weil die Folgen der Öffnung nicht abzusehen sind.
Die Frage nach der Klassen- bzw. Schichtenstruktur des modernen China ist sowohl in der chinesischen Öffentlichkeit als auch in der chinesischen Soziologie ins Zentrum des Interesses gerückt. In einem Vortrag an der ETH Zürich gibt Prof. Dr. Zhijian Zhou (Xiamen-Universität, Fujian) eine Übersicht zur Diskussionslage ("Soziale Schichtung und soziale Mobilität Chinas", Zürich 2008). An erster Stelle geht er auf terminologische Fragen ein und zeigt Unterschiede zwischen dem klassenanalytischen und dem schichenanalytischen Zugang auf. Das weißt auf ein theoretisches Grundproblem hin: In der marxistischen Tradition wurde bisher vom Grundwiderspruch zwischen der Arbeiterklasse und den Eignern der Produktionsmittel ausgegangen. In der weiteren Darstellung nimmt der Autor auf ein erweitertes Schichtenmodell Bezug und verweist auf die gebräuchlichsten Kriterien der Definition: Einkommen, Machtposition und Bildung.
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den sozialen und politischen Kontext der chinesischen Gesellschaft, die sich seit der Öffnung 1978 in einem einzigartigen Wandlungsprozess befindet.
2. Zur Definition der Begriffe Klasse und Schicht: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Schichtungs- und Klassentheorien (Marx, Weber, Bourdieu) dargestellt, um sie für die Analyse der chinesischen Sozialstruktur nutzbar zu machen.
3. Definition des Begriffs der Mittelschicht und Diskussion der aktuellen Probleme und Tendenzen unter Berücksichtigung der Globalisierung: Das Kapitel diskutiert die Schwierigkeiten einer eindeutigen Mittelschichtdefinition und betrachtet ökonomische sowie soziologische Herausforderungen im Kontext globaler Märkte.
4. Historische Aspekte zur Entwicklung der Mittelschicht in China: Hier wird der historische Bogen von den vorrevolutionären Entwicklungen über die Mao-Ära bis hin zur pragmatischen Reformpolitik unter Deng Xiaoping gespannt.
5. Aspekte der Forschung zur Klassen- Schichtenproblematik sowie zur heutigen chinesischen Mittelschicht: Dieser Hauptteil analysiert das 10-Schichten-Modell der chinesischen Soziologie, untersucht Urbanisierungstrends sowie den Einfluss von Konsum und Bildung auf die neue Mittelschicht.
6. Fallbeispiele aus der neuen Mittelschicht: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand konkreter Biografien und Interviews die tatsächlichen Lebensumstände und Sorgen von Angehörigen der neuen chinesischen Mittelschicht in verschiedenen Metropolen.
7. Zusammenfassung und Diskussion: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und reflektiert über die politische und ökonomische Zukunft der neuen Mittelschicht im Spannungsfeld der Globalisierung.
China, Mittelschicht, Soziale Schichtung, Marktwirtschaft, Globalisierung, Gesellschaftlicher Wandel, Konsumverhalten, Urbanisierung, Klassentheorie, Soziale Stabilität, Bildungsaufstieg, Einkommensdisparitäten, KPCh, Sozialstruktur, Transformationsprozess
Die Arbeit untersucht die Herausbildung und soziologische Struktur der neuen Mittelschicht im modernen China sowie deren Auswirkungen auf die soziale Stabilität und gesellschaftliche Entwicklung des Landes.
Zentral sind die theoretische Definition von Klasse und Schicht, die historische Entwicklung der chinesischen Gesellschaft, der Einfluss von Urbanisierung und Konsum sowie die psychologische Belastung durch sozialen Wettbewerb.
Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild der neuen chinesischen Mittelschicht zu zeichnen, ihre Rolle zwischen Systemstabilisierung und gesellschaftlicher Veränderung zu analysieren und die Kluft zwischen ökonomischem Aufstieg und persönlicher Unsicherheit aufzuzeigen.
Die Autorin nutzt einen theoretischen Diskurs basierend auf soziologischen Fachwerken sowie eine qualitative Analyse durch eigene Fallbeispiele und Interviews mit Angehörigen der Mittelschicht in Peking, Shanghai und Chengdu.
Der Hauptteil befasst sich mit dem Zehn-Schichten-Modell der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, dem Konsumverhalten, der Rolle der Ein-Kind-Politik für den Bildungsdruck sowie den psychologischen Herausforderungen dieser sozialen Gruppe.
Schlüsselbegriffe sind Transformation, Konsumkultur, soziale Ungleichheit, Modernisierung, Urbanisierung, westliche Markenorientierung und die Ambivalenz zwischen Aufstiegshoffnung und Abstiegsangst.
Sie ist stärker von der Parteibürokratie und staatsnahen Unternehmen abhängig, muss aber gleichzeitig ohne flächendeckende soziale Absicherung im harten globalen Wettbewerb bestehen, was zu einem spezifischen "Sündenbock-Phänomen" und starkem Leistungsdruck führt.
Die Ein-Kind-Politik hat zu einem enormen Konzentrationsdruck auf das Einzelkind geführt ("Kleine-Kaiser-Phänomen"), der durch massiven Bildungsdruck und den Wunsch der Eltern nach Aufstieg in der neuen Mittelschicht forciert wird.
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