Bachelorarbeit, 2023
41 Seiten, Note: 2,5
Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der zentralen Frage, welche Bedeutung die Bindung von Klein(st)kindern während der Inobhutnahme und der anschließenden Unterbringung in der Bereitschaftspflege hat. Sie untersucht die Herausforderungen, denen Kinder in Bezug auf Bindungen in solchen Krisensituationen begegnen, und erörtert Möglichkeiten zur optimalen Unterstützung, um negative Entwicklungsfolgen zu minimieren.
2 Bindungstheorie
Als Bindung wird die „besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern oder Personen, die es beständig betreuen“ (Grossmann & Grossmann, 2012, S. 31) bezeichnet. Bereits während der Schwangerschaft lernt das ungeborene Kind durch Gerüche, Stimmlagen und Geschmack die Mutter kennen und baut zu ihr als Bezugsperson in den meisten Fällen eine erste Verbindung auf. Der angeborene Mechanismus des Schreiens dient zum Schutz vor Unterversorgung und macht darauf aufmerksam, dass es Hunger, Durst, ein Bedürfnis nach Zuneigung oder Schmerzen hat. Durch die Versorgung des Babys mit Nahrung und körperlicher Zuneigung verstärkt sich die Bindung (Strüber & Roth, 2019, S. 111-113). Das Ziel ist die ständige Interaktion zwischen Bindungsperson und Kind durch Laute, Blicke oder Körperkontakte. Festzuhalten ist, dass biologische Verwandtschaft dabei keine Bedeutung innehat (Grossmann, 2021, S. 23).
„Die Bindung ist im Prinzip eine räumliche Theorie: Wenn ich einem geliebten Menschen nahe bin, fühle ich mich gut; wenn ich weit weg bin, habe ich Angst, bin traurig und einsam“ (Holmes, 2006, S. 87).
John Bowlby erfasst in seiner Bindungstheorie die emotionale Entwicklung des Menschen im Zusammenhang mit den erlebten soziokulturellen Erfahrungen und den möglichen Folgen einer unangemessenen Bindungserfahrung. Seiner Auffassung nach bestehen Bindungen zu besonderen Individuen über einen längeren Zeitraum (Bowlby, 1995, S. 37). Normalerweise gehen Kinder jedoch nur mit wenigen Menschen eine dauerhafte Bindung ein. Holmes (2006, S. 60) betont die Bedeutung positiver Beziehungserfahrungen für eine sichere Entwicklung des Kindes.
Der Mensch gehört zu den hochsozialen Lebewesen, die ohne enge Bindungen zu Beginn ihres Lebens nicht überlebensfähig sind. Die emotionale Bindung wird als ein selbstständiger biologischer Prozess verstanden, der eine überlebenswichtige Schutzfunktion besitzt (Höfer, 2010, S. 56-60). Bowlby beschreibt die Charakteristika der vorhandenen Bindungsperson als stärker, schlauer, wissender und einflussreicher. Somit seien Schutz und Sicherheit für das Überleben gewährleistet (Schleiffer, 2014, S. 35).
Nach Bowlbys (2021, S. 99-100) Theorie verläuft die Bindungsentwicklung in vier Phasen. Er beschreibt die ersten drei Monate als eine Art Orientierungsphase, in der sich Neugeborene für Stimmen und Gesichter interessieren, ohne zwischen Personen zu unterscheiden. Ab dem vierten Lebensmonat beginnt die zweite Phase, in der sich der Säugling bereits an eine oder mehrere Bezugspersonen bindet. Der Aufbau der Bindungsbeziehung zur Hauptbezugsperson wird durch Interaktion wie Laute oder Lächeln im Beisein der vertrauten Person intensiviert. Der Bindungsaufbau erfolgt idealerweise in den ersten neun Lebensmonaten. Die dritte Phase erstreckt sich vom zweiten bis zum Ende des dritten Lebensjahres. Ist die Bindung an die Hauptbezugspersonen gefestigt, beginnt das Kind bei unvertrauten Personen zu fremdeln. Ab dem dritten Lebensjahr entwickelt sich durch die erworbenen Fähigkeiten des Kindes, wie Sprechen und Verstehen der Zusammenhänge, die symbolische Repräsentation der Bindungsperson. Das bedeutet, die Bindungsperson muss nicht mehr dauerhaft anwesend sein (Schleiffer, 2014, S. 29-31).
1 Einleitung: Das Kapitel führt in das Thema der Inobhutnahme von Klein(st)kindern ein, beleuchtet die Anzahl der Fälle in Deutschland und betont die Relevanz positiver Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit im Kontext von Kriseninterventionen wie der Bereitschaftspflege.
2 Bindungstheorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Bindungstheorie nach Bowlby, die verschiedenen Bindungsqualitäten und -störungen sowie die Bedeutung von Bindungssicherheit für die kindliche Entwicklung und die Möglichkeiten der Ersatzbindung.
3 Rechtliche Rahmenbedingungen der Inobhutnahme: Das Kapitel beleuchtet die gesetzlichen Grundlagen der Inobhutnahme in Deutschland, definiert Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung und beschreibt die Prozesse und Stellen der Inobhutnahme als Krisenintervention.
4 Bereitschaftspflege: Hier wird die Bereitschaftspflege als Form der Krisenintervention für Säuglinge und Kleinkinder vorgestellt, ihre spezifischen Herausforderungen im familiären Umfeld sowie die Anforderungen an die Pflegepersonen dargelegt.
5 Relevanz der Bindung: Dieses Kapitel vertieft die Bedeutung eines sicheren Bindungsbedürfnisses, die Auswirkungen früher Trennungen von Bezugspersonen, die Gestaltung von Übergängen und die Notwendigkeit eines sicheren Ortes für die Bindungsentwicklung während der Inobhutnahme.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Komplexität der Bindungsentwicklung bei Inobhutnahme und fordert die Entwicklung bindungsorientierter Konzepte in der Bereitschaftspflege.
Inobhutnahme, Bereitschaftspflege, Bindung, Klein(st)Kinder, Kindeswohl, Kindeswohlgefährdung, Trennung, Resilienz, Bindungstheorie, Krisenintervention, Soziale Arbeit, Bezugspersonen, Entwicklung, Schutzbefohlene, Übergänge.
Diese Bachelorarbeit untersucht die Bedeutung von Bindung bei Säuglingen und Kleinkindern, die durch eine Inobhutnahme in Bereitschaftspflege untergebracht werden, und beleuchtet die damit verbundenen Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe.
Die Arbeit konzentriert sich auf Bindungstheorie, rechtliche Rahmenbedingungen der Inobhutnahme, die Rolle der Bereitschaftspflege als Krisenintervention, Kindeswohl/-gefährdung und die Gestaltung von kindgerechten Übergängen.
Das primäre Ziel ist es, die Leitfrage zu beantworten: "Welche Bedeutung spielt die Bindung von Klein(st)Kindern während der Inobhutnahme und Unterbringung in der Bereitschaftspflege?“
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und theoretischen Auseinandersetzung mit Bindungstheorie sowie rechtlichen und sozialpädagogischen Konzepten.
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Bindungstheorie, die rechtlichen Grundlagen der Inobhutnahme, die Spezifika und Herausforderungen der Bereitschaftspflege sowie die Relevanz der Bindung unter diesen Bedingungen.
Charakterisierende Schlüsselwörter sind Inobhutnahme, Bereitschaftspflege, Bindung, Klein(st)Kinder, Kindeswohl, Kindeswohlgefährdung, Trennung, Resilienz, Bindungstheorie und Krisenintervention.
Der Fokus liegt auf dieser Altersgruppe, da in der frühen Kindheit die Grundlagen für alle Entwicklungsbereiche gelegt werden und Kinder in diesem Alter besonders anfällig für Bindungsstörungen und Traumatisierungen sind.
Die Arbeit betont, dass biologische Verwandtschaft für die Entstehung einer Bindung keine Bedeutung innehat, sondern vielmehr die konstante Interaktion und feinfühlige Versorgung durch eine Bezugsperson entscheidend ist.
Fachkräfte in der Bereitschaftspflege stehen vor der Herausforderung, Kinder ohne Hintergrundinformationen anzunehmen, traumatische Verhaltensweisen zu bewältigen und Bindungen aufzubauen, ohne eigene Bindungserwartung zu entwickeln, sowie Loyalitätskonflikte zu vermeiden.
Übergänge können durch vorbereitende Vorkontakte, den Erhalt des sozialen Umfeldes, das Vorhandensein vertrauter Gegenstände und gegebenenfalls begleitete Umgänge mit den Herkunftsfamilien sowie durch die Weitergabe von Wissen über das Kind gestaltet werden.
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