Bachelorarbeit, 2010
60 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
2. Theorien zur Gewaltausübung von Fußballfans
2.1 Die sozialisationstheoretische Perspektive
2.2 Frustrations-Aggressions-Hypothese
2.3 Weitere Erklärungsversuche
3. Einteilung und Entstehung der Fangruppen in Deutschland
3.1 Kategorie A, B und C
3.2 70er Jahre – Die Entstehung der Kuttenfans
3.3 80er Jahre - Hooligans
3.4 Seit Mitte der 90er – Ultras und ihr Kampf gegen die Kommerzialisierung des Fußballs
4. Gewalt im deutschen Fußball
4.1 Hooliganismus und Gewalt im heutigen Fußball
4.2. Die Rolle der Ultras
4.3 ‚Im Osten nichts Neues’ – Das Gewaltproblem der neuen Bundesländer
5. Rassismus in deutschen Stadien
5.1 Die Entstehung und Entwicklung von Rassismus im deutschen Fußball
5.2 Rassismusproblem in Ostdeutschland
5.3 Der Fall Adebowale Ogungbure
6. Eindämmung der Gewalt und des Rassismus
6.1 Wie kämpfen Vereine, Verbände und Fans gegen diese Probleme?
6.2 Das Spannungsverhältnis zwischen Fans und Polizei
7. Irriducibili – Rassismus im Land des Calcio
7.1 Die 1970er Jahre – Studentische Protestbewegungen in Italien und ihr Einfluß auf die Fankurven
7.2 Einnahme der Fankurven durch rechtsextreme Gruppen
7.3 „Auschwitz ist eure Heimat“ - Kein Ende des Rassismusproblems in Sicht
8. Das Gewalt- und Rassismusproblem beider Länder im Vergleich
9. Fazit
10. Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Gewalt und des Rassismus im deutschen und italienischen Fußball. Ziel ist es, die soziologischen Ursachen, die Entwicklung der verschiedenen Fangruppen sowie die Effektivität von Gegenmaßnahmen in beiden Ländern kritisch zu analysieren und miteinander zu vergleichen.
3.4 Seit Mitte der 90er – Ultras und ihr Kampf gegen die Kommerzialisierung des Fußballs
Nachdem die Hooligans aus den Stadien mehr oder weniger vertrieben wurden, bildete sich eine neue Gruppe, die die deutschen Fankurven einnahm: Die Ultras. Pilz und Wölki-Schumacher definieren sie als „besonders leidenschaftliche, emotionale, engagierte und vor allem sehr aktive Fans“, deren Ursprung in Italien liegt. Der Hauptgrund für die Bildung der Ultras in Deutschland war das Ziel, die Stimmung in den Stadien zu verbessern. Dies sollte sowohl durch ständige Anfeuerungsrufe, als auch durch aufwendig hergestellte Choreographien erreicht werden. Zu ihrer Kultur des Anfeuerns gehört auch die Verwendung von Pyrotechnik.
Die ersten Ultragruppen in Deutschland bildeten sich in Köln, Leverkusen, Frankfurt und Nürnberg.
Mit der Zeit wurden die Motive der Ultras jedoch vielschichtiger. Dies bestätigen auch die Ultras des VfB Stuttgart: „Doch wer meint, Ultra mit einzelnen Teilaspekten wie Support oder Choreos definieren zu können, liegt falsch. Ultra ist mehr, Ultra ist so vielschichtig, dass eine Definition unmöglich ist.“ Eine Auffassung die auch Pilz teilt. Seiner Ansicht nach sind der unbändige Wille zur Unterstützung, sowohl akustisch als auch optisch, die Vorbereitungen auf Aktionen für ein Spiel sowie die kritische Haltung gegenüber dem modernen Fußball die einzigen Aspekte, die alle Ultras miteinander vereinen.
Ein wichtiger Bestandteil der Ultrakultur ist es, sich im Stadion sichtbar zu machen. Dies geschieht durch große Fahnen, Doppelhalter oder Banner, die meist an Zäunen befestigt werden. Doch auch, wie schon erwähnt, der Einsatz von Pyrotechnik (Rauchbomben oder Bengalos) ist ein wichtiger Bestandteil des Fan-Daseins der Ultras. Allerdings kommt es im Zuge dessen häufig zu Konflikten mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) und der Polizei, da Pyrotechnik in deutschen Stadien gänzlich verboten ist. Dieser Konflikt wird jedoch an anderer Stelle dieser Arbeit ausführlicher thematisiert.
1. Einführung: Vorstellung des Themas und Erläuterung der Motivation zur Untersuchung der Gewalt- und Rassismusproblematik im Fußball.
2. Theorien zur Gewaltausübung von Fußballfans: Diskussion wissenschaftlicher Ansätze und Erklärungsmodelle wie die Frustrations-Aggressions-Hypothese.
3. Einteilung und Entstehung der Fangruppen in Deutschland: Historischer Überblick über die Entstehung der Fan-Subkulturen von den 70er Jahren bis zur heutigen Ultraszene.
4. Gewalt im deutschen Fußball: Analyse der Gewaltphänomene, der Rolle der Ultras und der besonderen Problemlage in den ostdeutschen Bundesländern.
5. Rassismus in deutschen Stadien: Untersuchung der historischen Entwicklung von Rassismus und der aktuellen Situation inklusive Fallbeispielen wie Adebowale Ogungbure.
6. Eindämmung der Gewalt und des Rassismus: Bewertung der verschiedenen Präventionsprojekte und des konfliktreichen Verhältnisses zwischen Fans und Polizei.
7. Irriducibili – Rassismus im Land des Calcio: Analyse der italienischen Fankultur, des politischen Einflusses auf die Kurven und der tiefsitzenden rassistischen Probleme.
8. Das Gewalt- und Rassismusproblem beider Länder im Vergleich: Synoptischer Vergleich der Problemlagen, Zuschauerentwicklungen und Lösungsansätze beider Länder.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung und Ausblick auf die Möglichkeiten der Prävention und die Zukunft der Fankulturen.
10. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Fußball, Gewalt, Rassismus, Ultras, Hooligans, Fanprojekt, Prävention, Stadionverbot, Rechtsextremismus, Fankultur, Deutschland, Italien, Polizeieinsätze, Kommerzialisierung, Antisemitismus.
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Fankulturen, Gewalt und Rassismus im Fußball, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Vergleich zwischen Deutschland und Italien liegt.
Die zentralen Themen sind die Entstehung von Fangruppierungen, soziologische Gewalt- und Rassismustheorien, die Wirksamkeit von Fanprojekten sowie das Spannungsfeld zwischen organisierten Fans und den staatlichen Sicherheitsorganen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche soziologische und politische Rahmenbedingungen in Deutschland und Italien zu verschiedenen Ausprägungen von Gewalt und Rassismus im Stadion führen und welche Ansätze zur Eindämmung bestehen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien und Berichten (z.B. ZIS-Jahresberichte), um ein fundiertes Bild der aktuellen Situation und der historischen Entwicklung zu zeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die detaillierte Darstellung der deutschen Fanszenen, die Analyse der Gewalt- und Rassismusproblematik in beiden Ländern sowie eine Untersuchung von Gegenstrategien durch Vereine und Verbände.
Die wichtigsten Begriffe sind Fußball, Gewalt, Rassismus, Ultras, Fankultur, Fanarbeit, Prävention und das Spannungsverhältnis zwischen Fans und Polizei.
Die Arbeit hebt hervor, dass Vereine in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung mit spezifischen gesellschaftlichen Problemen und einer stärkeren Hooliganszene konfrontiert waren, was zu einer intensiveren Gewaltproblematik im Vergleich zum Westen führte.
In Italien sind Fankurven oft stärker politisch (vor allem rechtsextrem) durchdrungen und die Vereine zeigen sich gegenüber den Ultras weitaus nachgiebiger, während in Deutschland der Trend zu einem „unpolitischen“ Event-Charakter und einer stärkeren Kontrolle durch Sicherheitsmaßnahmen überwiegt.
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