Bachelorarbeit, 2022
63 Seiten, Note: 1,3
Diese Bachelorthesis zielt darauf ab, zur Aufklärung der noch wenig erforschten Loverboy-Methode beizutragen und ein Bewusstsein für die damit verbundenen Gefahren zu schaffen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Risikofaktoren junge Mädchen und Frauen anfällig machen, Opfer der Loverboy-Methode zu werden, und warum sie sich auf Prostitution einlassen, anstatt die Beziehung zu beenden.
2. Die Loverboy – Methode
Der Begriff Loverboy wurde Ende der 1990er Jahre erstmalig in den Niederlanden erwähnt und kommt durch eine mediale Massenpanik zustande. Die Gesellschaft wurde plötzlich damit konfrontiert, dass einheimische junge Mädchen Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution wurden (Van San & Bovenkerk, 2013, S. 68). Der Begriff ist daher eine mediale Wortschöpfung und wird nicht einheitlich verwendet (Müller-Güldemeister, 2011, S. 39). Im Folgenden Kapitel wird zunächst versucht das Profil des Täters zu definieren und die Masche mithilfe des Deutschen Strafgesetzbuches eingeordnet. Das Kapitel schließt mit der Beschreibung der Täterstrategien ab.
2.1. Die Täter
Van San & Bovenkerk (2013, S. 67) bezeichnen einen Loverboy als “ordinary pimp”, also einen ganz gewöhnlichen Zuhälter und definieren ihn wie folgt: „Loverboys are young men who use their seduction skills with the aim of exploitation young girls as prostitutes“. Durch Müller-Gül-demeister (2011, S. 24) liegt eine weitere ausführliche Definition aus den Niederlanden in deutscher Übersetzung vor: Ein „Loverboy“ ist ein junger Mann, der durch Verführung, Versprechungen, Erpressung und Gewalt versucht, Mädchen in die Prostitution zu bringen, um sich damit einen finanziellen Gewinn zu verschaffen. Die „Loverboys“ rekrutieren ihre Opfer im realen Leben oder im Internet. Jeder „Loverboy“ tut dies auf individuelle Weise, aber es lassen sich einige Standardschritte nachvollziehen. Auf diese wird in Kapitel 2.3 weiter eingegangen. Als Opfer von Loverboys werden vornehmlich minderjährige Mädchen angesehen“ (ebd.). In Deutschland benutzte man den Begriff Loverboy erst im Jahre 2011. Laut Bubenitschek et al. (2011, S. 573 f.) unterscheiden sich Loverboys von Zuhältern einerseits dadurch, dass sie den Frauen, zu denen sie eine emotionale Beziehung aufgebaut haben, suggerieren, dass sie sich in einer finanziellen Notlage befinden, „wobei die Prostitution als einzig schnelle Hilfe erscheint“. Zum anderen werden die Mädchen bei einem der ersten Treffen kompromittiert, vergewaltigt oder es wird angedroht, der Familie Schaden zuzufügen, um die Mädchen gefügig zu machen.
Ein eindeutiges Täterprofil liegt nicht vor. Bei Untersuchungen in den Niederlanden wurde festgestellt, dass die Täter allesamt der niederländischen Unterschicht angehörten. Sie hatten weder eine Sekundarschulausbildung abgeschlossen, noch waren sie beruflich tätig. Auch wuchsen sie bereits bei Eltern auf, die ebenso wenig, bis keine Bildung erhalten hatten und auch zum niedrigsten Einkommenssegment der Bevölkerung zählten. So waren die späteren Täter mit Blick auf ihre Biografie schon von klein auf in verschiedene Arten der Kriminalität verwickelt (Van San & Bovenkerk, 2013, S. 71.). Loverboys sind meist junge Männer, die gezielt jungen Mädchen (schon ab dem 11. Lebensjahr) eine vermeintlich echte Liebesbeziehung mit emotionaler Bindung vortäuschen. Sie isolieren sie von ihrem Umfeld und zwingen sie in die Prostitution, um sich letztlich finanziell zu bereichern (Netzwerk gegen Menschenhandel e.V., 2022). Loverboys rekrutieren ihre Opfer überall. In Schulen, an Bus- und Bahnhöfen, in Jugendeinrichtungen, in sozialen Medien, im Nachtleben und einfach auf der Straße (stoploverboys.nu, 2022). Die Täter verführen ihre Opfer durch das Vortäuschen intensiver Zuneigung in Form von Komplimenten, Geschenken sowie das Ausmalen und Versprechen einer gemeinsamen Zukunft. Der Täter entfremdet das Opfer nach und nach von Familie und Freunden und versucht sein Opfer so in eine emotionale Abhängigkeit zu bringen (Bundeskriminalamt, 2022).
1. Einleitung: Dieses Kapitel begründet die Relevanz der Loverboy-Methode als Form des Menschenhandels und skizziert den Aufbau der Bachelorthesis, die sich auf junge einheimische Mädchen in der Adoleszenz konzentriert.
2. Die Loverboy-Methode: Hier wird der Begriff „Loverboy“ definiert, seine mediale Entstehung in den Niederlanden beleuchtet, die rechtliche Einordnung im deutschen Strafgesetzbuch erläutert und die spezifischen Täterstrategien beschrieben.
3. Die Opfer der Loverboy-Methode: Dieses Kapitel analysiert die Lebensphase Jugend unter Bezugnahme auf die Theorien von Erikson und Havighurst, um die Anfälligkeit junger Mädchen für die Loverboy-Methode im Kontext von Identitätsentwicklung und sexueller Identitätsarbeit in Onlinemedien zu erklären.
4. Die Täter-Opfer-Beziehung: Es werden die spezifische Dynamik der Gewalt, die erlernte Hilflosigkeit, die Bindung zum Täter (einschließlich Stockholm-Syndrom) und Täterintrojekte als Mechanismen in der missbräuchlichen Beziehung dargestellt.
5. Auswirkungen und Folgen für die Opfer: Dieses Kapitel beschreibt die dramatischen gesundheitlichen, psychischen (Traumafolgestörungen, Dissoziation, Schamgefühle) und sozialen (Vertrauensverlust, Bindungsstörungen, Stigmatisierung) Folgen der Ausbeutung für die Betroffenen.
6. Methode – systematisches Review: Das Vorgehen zur Beantwortung der Forschungsfrage wird dargelegt, wobei die Kriterien der Literaturrecherche, die Auswahl der Studien anhand eines Flussdiagramms und die Datenextraktion für das systematische Review detailliert beschrieben werden.
7. Diskussion: Dieses Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse des Literaturreviews zusammen und interpretiert sie im Hinblick auf die Forschungsfrage, identifiziert Risikofaktoren und beleuchtet die Schwierigkeiten der Opfer beim Ausstieg aus der missbräuchlichen Beziehung, bevor ein Fazit und Ausblick gegeben wird.
Loverboy-Methode, Zwangsprostitution, Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung, Adoleszenz, Risikofaktoren, Täter-Opfer-Beziehung, Gewaltdynamik, erlernte Hilflosigkeit, Traumafolgen, Identitätsentwicklung, Online-Medien, systematisches Review, Opferhilfe, Prävention.
Diese Bachelorthesis befasst sich mit der sogenannten „Loverboy-Methode“, einer spezifischen Form des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, und analysiert die Mechanismen, Risikofaktoren und Folgen für die meist weiblichen Opfer in der Adoleszenz.
Zentrale Themenfelder sind die Definition und Strategien der Loverboy-Methode, die psychosoziale Entwicklung von Jugendlichen, Täter-Opfer-Beziehungsdynamiken, die Auswirkungen der Ausbeutung auf die Opfer sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung durch ein systematisches Literaturreview.
Das primäre Ziel ist die Aufklärung über die Loverboy-Methode, um Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Risikofaktoren gibt es für junge Mädchen und Frauen, um Opfer der Loverboy-Methode zu werden und warum lassen sie sich auf die Prostitution ein, anstatt die Beziehung zu beenden?“
Die Arbeit verwendet die Methode eines systematischen Literaturreviews, um vorhandene Studien zum Thema zu identifizieren, zusammenzufassen und zu interpretieren.
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Loverboy-Methode selbst, die Vulnerabilität der Opfer während der Jugendphase, die spezifische Täter-Opfer-Beziehung mit Gewalt- und Abhängigkeitsdynamiken sowie die physischen, psychischen und sozialen Folgen für die Betroffenen.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Loverboy-Methode, Zwangsprostitution, Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung, Adoleszenz, Risikofaktoren, Täter-Opfer-Beziehung, Traumafolgen und Prävention charakterisiert.
Junge Mädchen in der Adoleszenz sind besonders gefährdet, da diese Lebensphase durch starke körperliche und hormonelle Veränderungen, Unsicherheiten in der Identitätsfindung und eine erhöhte Suche nach Anerkennung gekennzeichnet ist, was Loverboys gezielt ausnutzen.
Digitale Medien und Online-Plattformen sind wichtige Rekrutierungskanäle für Loverboys, da sie dort leicht Kontakt zu jungen, vulnerablen Mädchen aufnehmen und eine emotionale Bindung vortäuschen können.
Das Stockholm-Syndrom beschreibt einen psychologischen Effekt, bei dem Opfer positive emotionale Gefühle für ihre Entführer oder Täter entwickeln. In dieser Arbeit wird es als mögliche Erklärung für die Bindung der Opfer an ihre Loverboys trotz Gewalt und Ausbeutung angeführt.
Zu den größten Hindernissen zählen die emotionale und finanzielle Abhängigkeit vom Loverboy, soziale Isolation, Drogenmissbrauch, das fehlende Opferbewusstsein der Betroffenen sowie Misstrauen gegenüber Hilfsangeboten und Angst vor Stigmatisierung.
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