Masterarbeit, 2026
84 Seiten, Note: 1,6
Diese Arbeit untersucht die sprachliche Kriminalisierung jugendlicher Subkulturen in der DDR durch das staatliche Kontrollorgan Staatssicherheit (Stasi) und die Parteizeitung „Neues Deutschland“. Sie verfolgt das Ziel, Formen der sprachlichen Bedeutungslenkung sichtbar zu machen und dadurch zu verhindern, dass versteckte propagandistische Manipulationstechniken zu einem „zweiten Erfolg“ führen. Die übergeordnete Forschungsfrage lautet: „Inwiefern kriminalisierten die Staatssicherheit und das „Neue Deutschland“ subkulturelle Gruppen?"
1 Einleitung
Der Zusammenbruch der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) liegt mittlerweile 35 Jahre zurück und wirkt dennoch in zahlreichen Biografien weiter fort. Ebenfalls wirft der Umgang mit den Hinterlassenschaften der Herrschenden bis heute Fragen auf und ist Gegenstand kontroverser Auseinandersetzungen.
Um die Ziele der Besatzungsmächte in der DDR durchzusetzen, unterlag sowohl die Öffentlichkeit als auch die Zivilgesellschaft massiver staatlicher Kontrolle (vgl. Klein, 2025, S. 582). Insbesondere das Bedürfnis nach Aufklärung bezüglich der zahlreichen Verbrechen des Kontrollorgans Staatssicherheit (Stasi) ist auch heute noch besonders hoch.
Über 1,5 Mio. Menschen äußerten seit 1992 den Wunsch, Einsicht in ihre persönliche Akte zu erhalten. Das Recht des Zugriffs auf die eigene Akte ist -wenn auch umstritten¹- aus der Sicht der Mehrheit eine wertvolle Errungenschaft, die die eigene Vergangenheit transparent machen kann. Außerdem bietet dies die Möglichkeit, die Funktionsweise undemokratischer Systeme zu erforschen (vgl. Gieske, 2011, S. 283ff.).
Schließlich geht die Funktion von Sprache weit über einen Abbildungscharakter hinaus und hat einen großen Einfluss auf Denken und Handeln (vgl. Köller, 2004, S. 344). Diese Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, Formen der sprachlichen Bedeutungslenkung sichtbar zu machen. Somit ist die Betrachtung der Sprache ein wichtiger Schlüssel, der verhindern kann, dass versteckte propagandistische Techniken der Manipulation und Indoktrination zu einem „zweiten Erfolg“ führen. Dazu gehört auch die Gefahr der (unbewussten) ideologischen Adaption, in etwa durch die unreflektierte Übernahme bestimmter Vokabeln. (vgl. Fiederer, 2025, S.1; vgl. Gieske, 2011, S. 283ff.).
Vor diesem Hintergrund nimmt Sprache als Instrument der Etikettierung eine besondere Rolle ein. Denn nach dem Etikettierungsansatz ist nicht die Handlung entscheidend für die Kriminalisierung², sondern das Ergebnis des Zuschreibungsprozesses. Dabei setzt sich die Sichtweise der Mächtigeren durch. Gegenwirkende, offensive Handlungen werden durch diese Stigmatisierung legitimiert (vgl. Neubacher/Bögelein, 2021, S.111).
1 Einleitung: Stellt den historischen Kontext des Zerfalls der DDR dar, beleuchtet die Rolle der Stasi und führt die zentrale Forschungsfrage zur sprachlichen Kriminalisierung von Subkulturen ein.
2 Forschungsstand: Erörtert den aktuellen Forschungsstand zur diskursiven Untersuchung sozialer Ausschlusspraktiken, insbesondere im Kontext totalitärer Staaten und der DDR.
3 Die Macht der Sprache und Foucaults Diskursbegriff: Beleuchtet Foucaults Diskursbegriff und die weitreichende Macht von Sprache bei der Konstruktion sozialer Ausschussmechanismen.
4 Kontext der DDR: Herrschaft, Sprache und Widerstand: Bietet einen Überblick über die SED-Diktatur, die Rolle des „Neuen Deutschland“ als Parteiorgan, des MfS als Unterdrückungsapparat und die Sprachlenkung in der DDR.
5 Subkulturen: Definiert den Begriff „Subkultur“ und charakterisiert spezifische jugendliche Subkulturen in der DDR (Punks, Skins, Blueser), die im Fokus der Stasi standen.
6 Methode: Stellt die Diskurslinguistische-Mehr-Ebenen-Analyse (DIMEAN) vor und erläutert die Auswahl der Textkorpora aus Stasi-Dokumenten und der Tageszeitung „Neues Deutschland“.
7 Ergebnisse Teil I: Tageszeitung „Neues Deutschland“: Präsentiert die Analyseergebnisse aus der Tageszeitung „Neues Deutschland“ bezüglich der Verwendung von Adjektiven zur Charakterisierung von Subkulturen.
8 Verben: Analysiert die Nutzung von Verben in der Berichterstattung des „Neuen Deutschland“ und deckt Muster wie Passivkonstruktionen und Emotionslenkung auf.
9 Nomen: Wortfeld „Mensch“: Untersucht die Verwendung von Nomen in Bezug auf Subkulturen in der Tageszeitung und dessen Bedeutung für die Fremdpositionierung.
10 Metaphernfelder: Konstruktion einer Bedrohung?: Identifiziert dominante Metaphernfelder in der Tageszeitung, wie Krankheits- und Tiermetaphern, die zur Konstruktion eines Bedrohungsbildes von Subkulturen beitragen.
11 Zwischenfazit zu Analyse I: Fasst die Hauptergebnisse der Analyse der „Neues Deutschland“-Texte zusammen und diskutiert die Konstruktion von Subkulturen als unrein und gefährlich.
12 Ergebnisse Teil II: Stasi-Dokumente: Präsentiert die Analyseergebnisse der Stasi-Dokumente, wobei auf die sprachliche Homogenität und die Darstellung der Handlungen der Stasi eingegangen wird.
13 Verben: Untersucht die Verwendung von Verben in Stasi-Dokumenten, insbesondere im Hinblick auf die Darstellung von Subkulturen als passive Objekte und die verharmlosende Sprache der Stasi.
14 Adjektive: Analysiert die Adjektive in den Stasi-Dokumenten, die zur Abwertung und fehlenden Differenzierung von Subkulturen beitragen, oft in Doppelformeln.
15 Nomen als Mittel der Abstraktion: Beleuchtet die Abstraktion und Entindividualisierung durch die Verwendung von Nomen in der Stasi-Sprache, um Subkulturen als unpersönliche Bedrohung darzustellen.
16 Metaphorik in der Sprache der Stasi: Identifiziert die implizite und abstraktere Metaphorik in Stasi-Dokumenten, wie Krankheits- und Reinheitsmetaphern, die zur Polarisierung und Konstruktion einer Bedrohung beitragen.
17 Fazit und Ausblick: Vergleicht die Sprachanalyseergebnisse von ND und Stasi, fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Kriminalisierung von Subkulturen zusammen und gibt Ausblicke für weitere Forschung.
Sprachanalyse, Diskurslinguistik, DDR, Stasi, „Neues Deutschland“, Subkulturen, Kriminalisierung, Propaganda, Sprachlenkung, Metaphern, Foucault, Jugend, Überwachung, Meinungsbildung, Totalitarismus.
Die Arbeit untersucht, wie jugendliche Subkulturen in der DDR durch die Sprache des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) und der Parteizeitung „Neues Deutschland“ kriminalisiert und diskreditiert wurden.
Zentrale Themenfelder sind die sprachliche Kriminalisierung, die Rolle von Sprache als Instrument der Macht und Etikettierung, die Analyse spezifischer Subkulturen in der DDR (Punks, Skins, Blueser) sowie der Vergleich zwischen interner Stasi-Kommunikation und öffentlicher Presse.
Das primäre Ziel ist es, Formen der sprachlichen Bedeutungslenkung sichtbar zu machen, um propagandistische Manipulationstechniken zu entlarven. Die übergeordnete Forschungsfrage lautet: „Inwiefern kriminalisierten die Staatssicherheit und das „Neue Deutschland“ subkulturelle Gruppen?"
Die Arbeit verwendet die Diskurslinguistische-Mehr-Ebenen-Analyse (DIMEAN) von Spitzmüller und Warnke, ergänzt durch spezifische Analysen auf Wortartebene (Verben, Adjektive, Nomen) und Metaphernfelder.
Im Hauptteil werden zunächst die Analyseergebnisse der Tageszeitung „Neues Deutschland“ und anschließend die der Stasi-Dokumente detailliert dargestellt. Dies umfasst Untersuchungen von Adjektiven, Verben, Nomen und Metaphernfeldern in beiden Korpora.
Sprachanalyse, Diskurslinguistik, DDR, Stasi, „Neues Deutschland“, Subkulturen, Kriminalisierung, Propaganda, Sprachlenkung, Metaphern.
Während die Presse („Neues Deutschland“) oft unter dem Deckmantel der Fürsorge kommunizierte und Subkulturen als Opfer westlicher Propaganda darstellte, waren die Stasi-Dokumente in ihrer Sprache eher nüchtern und bürokratisch, jedoch mit direkteren Schädigungsabsichten, ohne das Narrativ des „Unterstützens“.
Metaphernfelder, insbesondere Krankheits-, Natur- und Tiermetaphern, spielten eine zentrale Rolle bei der Konstruktion eines Bedrohungsbildes. Sie suggerierten Gefahr, Unreinheit und Abwertung, um radikales Vorgehen gegen Subkulturen zu legitimieren.
Der Fokus lag auf Punks und „Gammlern“, da diese optisch stärker von der Norm abwichen und ihr Aussehen sowie ihre Kleidung oft als Aggression und Feindseligkeit interpretiert wurden, was als ausreichend für eine Kriminalisierung angesehen wurde, um die Staatlichkeit und das Selbstbild der DDR zu stabilisieren.
Die Menschlichkeit von Subkulturen wurde durch Entindividualisierung, Reduktion auf Äußerlichkeiten, die Nutzung abwertender Nomen und die Vermeidung von Emotionsverben in der Beschreibung ihrer inneren Gefühlswelt verdrängt. Dies führte zu einer Verdinglichung und legitimierte menschenunwürdige Behandlungen.
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