Masterarbeit, 2022
154 Seiten, Note: 1,4
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Auswirkungen der Feminisierung der Ärzteschaft, insbesondere auf die Organisations- und Versorgungsformen im hausärztlichen Bereich. Das primäre Ziel ist es, genderspezifische Trends zu ermitteln und die Forschungsfrage zu beantworten, ob die Feminisierung Einfluss auf Organisations- und Versorgungsformen im vertragsärztlichen Bereich hat.
Feminisierung der Ärzteschaft – Der Einfluss der Feminisierung des Arztberufes auf Organisations- und Versorgungsformen im vertragsärztlichen Bereich – eine Untersuchung zur Ermittlung genderspezifischer Trends
Im Bundesdurchschnitt sind nahezu 68 Prozent der Studienanfänger im Fach Humanmedizin weiblich. Für Frauen ist der Beruf der Ärztin attraktiv, da er weltweit ausgeübt werden kann. Die Arbeitsaufgaben lassen sich auf alle Länder der Welt übertragen. Doch nicht nur die Anzahl der Frauen in diesem Berufsfeld hat zugenommen, sondern innerhalb der Ärzteschaft die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker priorisiert.
"Die Zunahme des Frauenanteils in der Ärzteschaft wird bereits seit dem 26. Deutschen Ärztetag 1898 in Wiesbaden kontrovers diskutiert." Im Jahr 1899 wurden durch einen Beschluss des Bundesrats des Deutschen Reiches Frauen offiziell zum Medizinstudium zugelassen. Aus der Ärztestatistik des Jahres 2020 der Bundesärztekammer geht hervor, dass die Anzahl der Ärztinnen an der gesamten Ärzteschaft 48,2 Prozent beträgt. Dieser Anteil wird zukünftig noch weiter steigen, allein schon bedingt durch die hohe Anzahl an weiblichen Studenten.
Bei Betrachtung der statistischen Daten hat sich die Zahl der berufstätigen Ärzte seit den 1990er mehr als verdoppelt. Im Jahr 2020 kamen auf einen Arzt durchschnittlich 203 Einwohner. Gleichzeitig lässt sich laut der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2019 innerhalb der Ärzteschaft ein klarer Trend zur Teilzeitarbeit ausmachen. Aus diesem Grund stieg zwar über die letzten Jahre die Zahl der Ärzte, aber nicht im selben Verhältnis die verfügbaren Arztstunden. Dieser Fakt zusammen mit einer großen Anzahl an Ärzten, die in den nächsten Jahren in Rente gehen werden, kann auf lange Sicht das Gesundheitssystem belasten.
"Ein großes Problem: Viele Ärztinnen in Deutschland sind wegen der immer noch sehr schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie ungewollt gar nicht statt in Teilzeit, oder in Teilzeit statt in Vollzeit berufstätig." Die Anzahl der Frauen, die in Teilzeit arbeiten war mit 41 Prozent im Jahr 2019 fast dreimal so hoch wie bei den männlichen Kollegen mit 16 Prozent. Die Feminisierung der Ärzteschaft wird deshalb als einer der Gründe aufgeführt, weshalb es in Deutschland trotz immer steigender Anzahl an Ärzten einen Ärztemangel gibt.
Vor allem auf der Ebene der führenden Ärztefunktionäre wird immer wieder behauptet, dass durch die größer werdenden Anteil an Ärztinnen es auf lange Sicht zu einer Verschlechterung der Versorgung der Patienten kommen wird. Bei der Betrachtung des "Problems" der Feminisierung der Ärzteschaft steht oft die Quantität, also die geleistete Zeit, der Arbeit im Vordergrund, obwohl es Studien gibt, die aufzeigen, dass es in der Qualität der Arbeit klare Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Ärzten gibt. So soll demnach die Kommunikation von Ärztinnen psychosozialer sein und sie können mehr auf ihre Patienten eingehen, wodurch sie bei manchen Krankheitsbildern bessere Ergebnisse erzielen.
Kapitel 1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Feminisierung der Ärzteschaft ein, beleuchtet die Problemstellung, definiert die Zielsetzung und Forschungsfrage und stellt die angewandten Forschungsmethoden vor.
Kapitel 2. Theoretischer Teil: Hier werden die Konzepte der Feminisierung im Allgemeinen sowie speziell im medizinischen Kontext, die Merkmale niedergelassener Hausärzte und relevante statistische Daten zur Ärzteschaft in Deutschland detailliert dargestellt.
Kapitel 3. Methoden: In diesem Abschnitt wird die Methodik der Arbeit erläutert, einschließlich der Sekundärforschung und der Durchführung qualitativer Experteninterviews, sowie das Vorgehen bei der Analyse der gesammelten Daten.
Kapitel 4. Ergebnisse: Die Ergebnisse der Sekundärforschung werden wertneutral präsentiert, gefolgt von der Auswertung der qualitativen Experteninterviews, wobei die Hauptkategorien und ihre Inhalte dargestellt werden.
Kapitel 5. Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse der Primär- und Sekundärforschung, reflektiert kritisch die Forschungsfrage und beleuchtet weitere Faktoren, die den Ärztemangel beeinflussen können.
Kapitel 6. Fazit und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur Bedeutung der Feminisierung zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und die Rolle des Hausarztes.
Feminisierung, Ärzteschaft, Teilzeit, Angestelltenverhältnis, Niederlassung, Bundesmantelvertrag, Bürokratie, EBM, Work-Life-Balance, ambulante Versorgung, Patientenbeziehung, Medizinstudium, Ärzteausbildung, Versorgungsformen, Generationenwandel
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der zunehmenden Feminisierung des Arztberufes auf die Organisations- und Versorgungsformen im vertragsärztlichen Bereich, speziell im hausärztlichen Sektor.
Zentrale Themenfelder umfassen die Feminisierung der Ärzteschaft, Veränderungen in Arbeitsmodellen (Teilzeit, Anstellung), neue Praxisformen, den Ärztemangel, die Arzt-Patienten-Beziehung und notwendige Anpassungen im Gesundheitssystem.
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, welche Auswirkungen die Feminisierung der Ärzteschaft auf die niedergelassene Ärzteschaft hat, wobei der Fokus auf der hausärztlichen Versorgung und potenziellen Veränderungen liegt. Die Forschungsfrage lautet: "Hat die Feminisierung Einfluss auf Organisations- und Versorgungsformen im vertragsärztlichen Bereich?"
Die Arbeit basiert auf Sekundärforschung, insbesondere Literaturrecherche, und einer Primärerhebung mittels acht halbstandardisierter Experteninterviews. Die Auswertung erfolgt durch qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Feminisierung und der niedergelassenen Hausärzte, analysiert Daten und Statistiken zur Ärzteschaft in Deutschland und stellt die Ergebnisse der Sekundärforschung und der Experteninterviews dar.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Feminisierung, Ärzteschaft, Teilzeit, Angestelltenverhältnis, Niederlassung, Bundesmantelvertrag, Bürokratie, EBM, Work-Life-Balance, ambulante Versorgung, Patientenbeziehung, Medizinstudium, Ärzteausbildung, Versorgungsformen und Generationenwandel.
Im ambulanten Bereich wird eine deutlich bessere Work-Life-Balance für Ärztinnen angenommen, da die Arbeitszeiten selbstbestimmter gestaltet werden können, Notdienste und Schichtdienste entfallen und die Kernarbeitszeiten oft vormittags liegen, was die Vereinbarkeit mit familiären Verpflichtungen erleichtert.
Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gewinnen an Bedeutung, da sie flexible Arbeitsmodelle und eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen. Diese Formen werden von Ärztinnen, die Teilzeittätigkeiten bevorzugen, stärker angenommen, da administrative Aufgaben und Verantwortung im Team geteilt werden können.
Die Einzelpraxis verliert an Attraktivität, weil sie mit hohen Anfangsinvestitionen, erheblichem bürokratischem Aufwand und einem hohen Maß an Verantwortung verbunden ist. Viele junge Ärzte und insbesondere Ärztinnen bevorzugen Anstellungsverhältnisse in kooperativen Praxisformen, um diese Risiken und Belastungen zu vermeiden.
Durch die Zunahme von Großpraxen und Teilzeitarbeit wird befürchtet, dass die traditionell enge Arzt-Patienten-Beziehung, in der ein fester "Wunschhausarzt" über Jahre hinweg das private Umfeld der Patienten kannte, schwindet. Patienten werden möglicherweise häufiger von wechselnden Ärzten behandelt und die individuelle Betreuungszeit könnte abnehmen.
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