Bachelorarbeit, 2026
39 Seiten, Note: 1,7
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang des Impostor-Phänomens (IP) mit einem externalen, instabilen und spezifischen Erfolgsattributionsstil sowie mit der Unterschätzung der eigenen Leistung. Die zentrale Forschungsfrage lautet, in welchem Ausmaß ein externaler, instabiler und spezifischer Erfolgsattributionsstil mit Impostor-Tendenzen, diese wiederum mit der Unterschätzung der eigenen Leistung relativ zur objektiven Leistung und der genannte Attributionsstil mit dieser Leistungsunterschätzung assoziiert ist.
Impostor-Phänomen nach Clance und Imes (1978)
Das Impostor-Phänomen (IP)¹ beschreibt das wiederkehrende Erleben, trotz objektiver Erfolge die eigene Kompetenz nicht als authentisch zu erleben und Enttarnung zu befürchten. Clance und Imes beschrieben IP als inneres Erleben intellektueller Unaufrichtigkeit und verorteten begünstigende Bedingungen in frühen Familienmustern und internalisierten Rollenerwartungen. Spätere Übersichten zeigen, dass IP in unterschiedlichen Populationen auftritt und nicht auf Frauen beschränkt ist. Zugleich wird es als kontinuierliches Erlebensmuster verstanden und ist keine formale Diagnose. Es ist weder im DSM-5 noch in der ICD klassifiziert (Bravata et al., 2020; Sakulku & Alexander, 2011).
Zwei häufig diskutierte Ausgangsbedingungen fördern das spätere Entwerten eigener Erfolge: erstens rigide Rollenzuschreibungen in Familien, in denen kognitive Leistungen relativiert werden, und zweitens Kontexte, die Begabung mit Mühelosigkeit gleichsetzen, sodass Anstrengung als Indiz mangelnder Fähigkeit erscheint. Daraus kann eine Diskrepanz zwischen äußerer Leistungsbilanz und internem Kompetenzselbstkonzept entstehen. Zur Aufrechterhaltung beschreiben Clance und Imes einen Zyklus aus Übervorbereitung oder aufschiebendem Verhalten (Prokrastination) vor Leistungssituationen, nachträglicher Externalisierung von Erfolg, kurzfristiger Erleichterung nach der Situation sowie erneuter Enttarnungsangst. Neben der Furcht vor Versagen schildern sie eine Ambivalenz gegenüber Erfolg, der als nicht legitim erlebt wird, weshalb sichtbare Leistungsdemonstrationen eher gedämpft oder gemieden werden. Typisch ist zudem die Abwertung von Lob, wobei Anerkennung häufig der Beziehungsqualität oder Sympathie zugeschrieben wird statt der eigenen Kompetenz, was die Internalisierung von Erfolg zusätzlich erschwert (Clance & Imes, 1978; Sakulku & Alexander, 2011).
Phänomenologische Arbeiten verorten Impostor-Episoden überwiegend in Leistungssituationen mit sozialer Sichtbarkeit. Die Bedeutung der Sichtbarkeit zeigt sich auch experimentell: Personen mit hoher IP-Ausprägung erwarten geringere Leistung als Personen mit niedriger IP-Ausprägung, aber nur bei öffentlicher Antwortabgabe (Leary et al., 2000). Vorherrschende Affekte sind Angst und Anspannung sowie Selbstzweifel im Hinblick auf antizipierte Bewertung, dazu starkes Zweifeln an der eigenen Kompetenz und Furcht vor Enttarnung (McElwee & Yurak, 2010). Betroffene reduzieren Sichtbarkeit, etwa durch Zurückhalten eigener Ideen oder Schweigen in bewerteten Situationen (Clance & Imes, 1978). Befunde zu vermuteten Fremdeinschätzungen zeigen, dass Personen mit hoher IP-Ausprägung sowohl ihre Selbsteinschätzung als auch die von ihnen vermuteten Einschätzungen anderer niedrig ansetzen. Es handelt sich dabei nicht um tatsächliche Fremdurteile (Leary et al., 2000). Insgesamt spricht dies für ein situationssensibles und kontextabhängiges Erlebensmuster, dessen Ausdruck insbesondere in evaluativen Kontexten deutlich hervortritt (Leary et al., 2000; McElwee & Yurak, 2010).
Zusammenfassung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage, die verwendete Methodik und die Hauptergebnisse der Studie vor, die keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Impostor-Phänomen, Attributionsstil und Leistungsunterschätzung feststellen konnte.
Abstract: Der Abstract bietet eine englischsprachige Zusammenfassung der Studie, ihrer Ziele, Methoden und der zentralen Ergebnisse, die keine signifikanten Assoziationen zeigten.
Theoretischer Hintergrund: Hier werden attributionstheoretische Annahmen, die historische Entwicklung der Attributionstheorie nach Weiner sowie das Impostor-Phänomen nach Clance und Imes ausführlich erläutert und die Relevanz der vorliegenden Studie auf Basis der Forschungslücken abgeleitet.
Methodik: Das Kapitel beschreibt die rekrutierte Stichprobe von 43 Psychologiestudierenden, die eingesetzten Messinstrumente wie den d2-R Konzentrationstest, die Clance Impostor Phenomenon Scale (GCIPS) und den Attributional Style Questionnaire (ASQ) sowie das Untersuchungsdesign und die statistischen Analyseverfahren.
Ergebnisse: Die statistischen Analysen werden vorgestellt und zeigen, dass keine der drei aufgestellten Hypothesen zu signifikanten Zusammenhängen zwischen Erfolgsattributionsstil, Impostor-Tendenzen und Leistungsunterschätzung bestätigt werden konnte.
Diskussion: In diesem Abschnitt werden die nicht-signifikanten Studienergebnisse im Kontext bisheriger Forschung interpretiert, mögliche Ursachen wie die Art der Attributionsmessung oder Kontextbedingungen diskutiert und die Limitationen der Studie erörtert.
Implikationen und Ausblick: Dieses Kapitel leitet aus den Befunden praktische Implikationen für Beratung und Prävention im Hochschulkontext ab und gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze, beispielsweise hinsichtlich der systematischen Erfassung subjektiver Bewertungsrelevanz und der Prüfung komplexerer Modelle.
Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt damit, dass das Impostor-Phänomen ein komplexes Belastungsphänomen ist, dessen Hintergründe nicht durch ein schlichtes lineares Attributionsschema erklärt werden können, und betont die Notwendigkeit präziserer Forschungsansätze.
Impostor-Phänomen, Erfolgsattributionsstil, Leistungsunterschätzung, d2-R, Korrelationsstudie, Selbstzweifel, Attributionstheorie, psychologische Forschung, Studierende, kognitive Verzerrungen, Selbstwahrnehmung, Leistungsmotivation, Attributionsmuster, psychometrische Eigenschaften.
Diese Arbeit untersucht, ob das Impostor-Phänomen (IP) mit einem spezifischen Erfolgsattributionsstil (external, instabil, spezifisch) und einer Unterschätzung der eigenen Leistung zusammenhängt.
Die zentralen Themenfelder sind das Impostor-Phänomen, die Attributionstheorie und Attributionsstile, die Leistungsunterschätzung sowie deren Zusammenhänge in einem akademischen Kontext.
Das primäre Ziel ist es, die theoretisch abgeleiteten Zusammenhänge zwischen Erfolgsattributionsstil, Impostor-Tendenzen und Leistungsunterschätzung unter Einbeziehung objektiver Leistungsdaten zu prüfen. Die Forschungsfrage lautet, in welchem Ausmaß diese Konzepte miteinander assoziiert sind.
Es wird eine querschnittliche Korrelationsstudie durchgeführt, ergänzt durch einfache lineare Regressionen und explorative Gruppenvergleiche auf Basis von Median-Splits.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Hintergrund der Attributionstheorie und des Impostor-Phänomens, stellt die Methodik der Studie dar (Stichprobe, Messinstrumente, Design), präsentiert die Ergebnisse der Hypothesenprüfungen und diskutiert diese im Kontext der bisherigen Forschung.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Impostor-Phänomen, Erfolgsattributionsstil, Leistungsunterschätzung, d2-R, Korrelationsstudie, Selbstzweifel und Attributionstheorie.
Die Studie fand keine signifikanten Zusammenhänge, was auf verschiedene Faktoren zurückgeführt wird, darunter die Art der Attributionsmessung (generalisierter Stil statt ereignisbezogen), die Kontextbedingungen der Leistungssituation (fehlendes individuelles Feedback), die geringe Stichprobengröße und die möglicherweise eingeschränkte Reliabilität des verwendeten Attributionsstil-Maßes.
Für Beratung und Prävention im Hochschulkontext wird empfohlen, nicht primär auf die Veränderung eines globalen Erfolgsattributionsstils oder die Korrektur kleiner numerischer Leistungsdiskrepanzen zu fokussieren, sondern impostor-typische Selbstzweifel im Rahmen individueller Fallkonzeptionen zu betrachten, die Wissen über das IP, den Umgang mit Bewertungen und Fehlerangst sowie selbstbezogene Überzeugungen berücksichtigen.
Diese Studie operationalisierte die Leistungsunterschätzung differenziert über drei z-standardisierte Diskrepanzmaße (Konzentrationsleistung, Bearbeitungsgeschwindigkeit, Fehlerprozentsatz) zwischen objektiver d2-R-Leistung und numerischer Selbsteinschätzung, was eine Erweiterung gegenüber vielen bisherigen Studien darstellt, die oft subjektive Einschätzungen oder affektive Reaktionen ohne objektive Leistungskennwerte untersuchten.
Die Studie adressiert Lücken in der Forschung, indem sie das erwartete Attributionsmuster entlang Locus, Stabilität und Spezifität gemeinsam mit Impostor-Tendenzen und Leistungsunterschätzung prüft, insbesondere die Frage, ob Impostor-Tendenzen mit generalisierten Attributionsstilen in einer theoriekonformen Weise zusammenhängen, da bisherige Evidenz überwiegend ereignisnahe Attributionen erfasste.
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