Magisterarbeit, 1987
76 Seiten, Note: 2,0
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen dem Nibelungenlied und der höfischen Gesellschaft. Ihr primäres Ziel ist es, die Bedeutung des Nibelungenliedes für die höfische Gesellschaft zu beleuchten, insbesondere im Hinblick auf zeitgenössische Problematiken und soziale Normen, indem sie das Werk mit anderen Nibelungendichtungen vergleicht und seine Einbettung in den höfischen Kontext analysiert.
4.4.1 Die Standeslüge
In der dritten Aventiure kommt es zur Kollision der Mitglieder beider Höfe. Siegfrieds Herausforderung Gunthers gilt in Worms „als unhöfische Entgleisung“. Den Zweikampf versteht Siegfried als Idoneitätsbeweis für die Legitimität der Herrschaft. Diese stützt sich auf die „persönliche Stärke des Herrschers“. So verzichtet Siegfried auf einen ihm zustehenden Empfang im Nibelungenland, sondern kämpft wie ein feindlicher Ritter gegen seine eigenen (!) Mannen. Durch seinen Sieg bestätigt er die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft aufs Neue:
„Sô wol mich dirre mære“, sprach Albrich daz getwerc,
„nu hân ich wol erfunden diu degenlîchen werc,
daz ir von wâren schulden muget lándes herre wesen.
ich tuon swaz ir gebietet, daz ir mich lâzét genesen."
Dadurch kann Siegfried die wichtigste Aufgabe des Herrschers erfüllen, seinem Land den Frieden zu erhalten. Denn die „Verpflichtung zu ,Schutz und Schirm’" ist die „Rechtsgrundlage der Herrschaft“. Siegfrieds Forderung zum Zweikampf der Fürsten kann sich in Worms jedoch nicht durchsetzen. Gunther unterwirft sich nicht der ritterlichen Probe. Sein Recht auf die Herrschaft ist „genealogisch begründet“ und kommt ohne „permanente Verteidigung und Erweiterung“ aus. Gunther braucht seinen Herrschaftsanspruch nicht durch persönliche Stärke bestätigen. So ist nicht nur er, sondern der gesamte Hof durch Siegfried herausgefordert. Zur „persönlichen ellen“ des Königs tritt „des hoves kraft“. So ist es legitim, wenn anstelle des Königs sein Vasall gegen Siegfried kämpft. Ortwin von Metz ist dazu bereit:
Ob ir und iuwer bruoider hetet niht die wer,
und ob er danne fuorte und ein ganzez küneges her,
1 Einleitung: Die Einleitung erörtert die Überlieferung des Nibelungenliedes, die Bedeutung der Mäzenatenschaft im Mittelalter und die Notwendigkeit, das Werk im höfischen Kontext zu analysieren, um seine Relevanz für die höfische Gesellschaft zu beleuchten.
2 Nordische Nibelungendichtungen: Dieses Kapitel vergleicht das Nibelungenlied mit nordischen Dichtungen wie der Edda, Völsungensaga und Thidrekssaga, um Unterschiede in Handlung, Motivationen und Charakteren herauszuarbeiten.
3 Die Nibelungenklage: Hier wird die Klage als eine mit dem Nibelungenlied gemeinsam tradierte Dichtung vorgestellt, wobei der Fokus auf ihrer Datierung, der Schuldfrage für die Katastrophe und der Rolle des christlichen Denkens liegt.
4 Das Nibelungenlied: Dieses Hauptkapitel befasst sich mit dem Dichter, der Entstehungszeit und dem Entstehungsort des Nibelungenliedes, seiner vielschichtigen Struktur aus "alten maeren" und höfischem Rittertum, der Rolle der Minne sowie christlichen Elementen und der Konstellation der Figuren.
4.1 Der Dichter des Nibelungenliedes: Diskutiert verschiedene Theorien über die soziale Stellung des Dichters, wobei die Annahme eines gebildeten Klerikers als am wahrscheinlichsten gilt.
4.2 Zeit und Ort der Entstehung: Datiert die Entstehung des Nibelungenliedes auf die Stauferzeit (ca. 1198-1204) und lokalisiert sie wahrscheinlich im bairisch-österreichischen Raum, insbesondere in Passau.
4.3 Die Schichtung des Nibelungenliedes: Erläutert, wie "alte maeren" mit Elementen der höfisch-ritterlichen Epik verschmelzen und zeitgenössische Problematiken widerspiegeln, darunter die Darstellung von Minne und christlichen Elementen.
4.4 Die Konstellation der Figuren: Analysiert die Rolle spezifischer Figuren und Konzepte, die den Gang der Handlung maßgeblich beeinflussen, darunter Siegfrieds Standeslüge, Kriemhilds Rache, die Macht der Vasallen und die Funktion Dietrichs von Bern.
5 Schlussfolgerungen: Fasst die Komplexität der Forschung zum Nibelungenlied zusammen, bestätigt die Wahrscheinlichkeit eines gebildeten Klerikers als Dichter und des Passauer Raums als Entstehungsort und hebt die zentrale Rolle Kriemhilds, der Minne, der Macht und des Lehnswesens hervor.
Nibelungenlied, höfische Gesellschaft, Minnesang, Lehnswesen, Standeslüge, Kriemhild, Siegfried, Hagen, Dietrich von Bern, Edda, Völsungensaga, Thidrekssaga, Mittelalter, Epik, Rittertum.
Die Arbeit untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Nibelungenlied und der höfischen Gesellschaft, indem sie das Werk in seinen historischen und literarischen Kontext einordnet und vergleicht.
Zentrale Themenfelder sind der Vergleich des Nibelungenliedes mit anderen Nibelungendichtungen, die Analyse von Dichter, Entstehungszeit und -ort, die Rolle von Minne und Christentum sowie die Darstellung von Lehnswesen, sozialer Identität und Blutrache.
Das primäre Ziel ist es, die Bedeutung des Nibelungenliedes für die höfische Gesellschaft zu erhellen, insbesondere im Hinblick auf zeitgenössische Problematiken und soziale Normen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse literarischer Texte und deren Einbettung in historische und sozialgeschichtliche Kontexte, unterstützt durch den Vergleich verschiedener Überlieferungen und literaturwissenschaftliche Diskussionen.
Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Nibelungenliedes (Dichter, Zeit, Ort), seine Schichtung (alte Maeren, höfisches Rittertum, Minne, christliche Elemente) und die Konstellation der Figuren (Standeslüge Siegfrieds, Kriemhilds Rache, Macht der Vasallen, Funktion Dietrichs von Bern).
Nibelungenlied, höfische Gesellschaft, Minnesang, Lehnswesen, Standeslüge, Kriemhild, Hagen, Mittelalter, Rittertum.
Die nordischen Nibelungendichtungen (Edda, Völsungensaga, Thidrekssaga) weisen teils abweichende Motive, Handlungsstränge und Charakterisierungen auf, etwa bezüglich Sigurds Herkunft, Brünhilds Eifersucht oder der Rolle von Gunnar und Hagen im Mord an Sigurd.
Die Minne (insbesondere die hohe Minne) dient im Nibelungenlied als Motor für Dienstleistungen Siegfrieds, die seine soziale Identität bedrohen, und wird somit zum Auslöser der Katastrophe. Sie hat eine negative Funktion für das Geschehen, während sie gleichzeitig als positive Lebenserfüllung verstanden wird.
Kriemhild wird als Hauptfigur des Epos dargestellt, deren Handlungsverlauf von Anfang bis Ende die Geschehnisse bestimmt. Ihre unerbittliche Rache für Siegfrieds Tod ist das zentrale Motiv, das oft rechtliche und ethische Grenzen überschreitet, und führt zum Untergang der Burgunden.
Siegfrieds vorgespielte soziale Inferiorität, insbesondere sein Dienst als Lehnsmann Gunthers bei der Brautwerbung um Brünhild, ist ein wesentlicher Auslöser für den Konflikt der Königinnen und die darauf folgende Katastrophe, da sie Brünhilds Anspruch auf ihn als Eigenmann begründet.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

