Bachelorarbeit, 2009
53 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Fiktionalisierung des Dokumentarischen – Dokumentarisierung der Fiktion
2.1 Definitions- und Abgrenzungsproblematik
2.1 Wirklichkeit und Wahrheit im Film
2.2 Exkurs zur Geschichte des neuen Dokumentarfilms: Eine neue Ehrlichkeit – Mut zur Subjektivität
2.3 Die Droge Wirklichkeit – Das Erfolgskonzept der Chimären
3 Geschichte im Film
3.1 Vergangenheit als Kassenschlager
3.2 Die fiktionale Auseinandersetzung mit (schmerzlichen) historischen Themen
4 Der „Baader-Meinhof-Komplex“ – Lehrstück oder reine Unterhaltung?
4.1 Die besondere Schwierigkeit des Stoffes
4.2 Künstlerische Freiheit vs. Persönlichkeitsrecht
- Rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Grenzen
4.3 Wie nah kommen Eichinger und Edel wirklich an die Wirklichkeit?
4.4 Kritik und Rechtfertigung
4.5 Fazit zum Film
5 Schlussbetrachtung
5.1 Gefahren bei der Fiktionalisierung
5.2 Das Spiel mit der Wirklichkeit – Dokumentarische Verantwortung
5.3 Chancen der unterhaltenden Information
5.4 Fazit
Die Arbeit untersucht die zunehmende Vermischung von fiktionalen und dokumentarischen Elementen im modernen Film am Beispiel des Werks „Der Baader-Meinhof-Komplex“. Dabei wird analysiert, inwieweit solche hybriden Formen historische Authentizität vermitteln können und welche ethischen sowie rechtlichen Risiken bei der dramaturgischen Aufbereitung realer, teils traumatischer historischer Ereignisse entstehen.
4.1 Die besondere Schwierigkeit des Stoffes
Um das Halbwissen über die Zeit zwischen den dokumentierten und überlieferten Ereignissen auszufüllen, kann ein Produzent oder Autor sich nur auf Zeitzeugeninterviews, Aussagen oder Aktenrecherche verlassen.
Für die Macher des Films „Der Baader-Meinhof-Komplex“ hatte dies bereits der Autor des gleichnamigen Buches erledigt. Stefan Austs 660 Seiten langer Wälzer gilt als Standardwerk, wenn es um die Geschichte und die Hintergründe der Roten Armee Fraktion geht. Jahrelange Recherche, Erweiterungen, Überarbeitungen und nicht zuletzt seine eigenen Erfahrungen aus der Zeit haben eine Fülle an Material zusammengebracht, die jedem Filmemacher zum einen das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, zum anderen aber auch den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die Schwierigkeit liegt auf der Hand: Die Komplexität der Ereignisse in kürzester Zeit so zu vermitteln, dass sie auch für Nichteingeweihte fassbar ist und dem Stoff und gleichzeitig dem Unterhaltungsanspruch des Publikums gerecht zu werden.
Über ein Jahrzehnt deutscher Geschichte sollte nicht nur informativ auf Spielfilmlänge gestutzt werden, sondern auch noch mit Portraits der Protagonisten angereichert werden. Aus der Vorlage hätte man locker fünf Filme schustern können.
Gerade weil die Macher des Films sich vorgenommen hatten, alles so genau wie möglich nachzustellen, hatten sie sich die größte Herausforderung selbst gestellt. 30 Jahre sind eine lange Zeit. Erstens ist auf Erinnerungen von Zeitzeugen nicht mehr hundertprozentig Verlass und zweitens hat sich die Welt verändert. Autos, Kleidung, Häuser. Wenn an Originalschauplätzen gedreht werden sollte, bedeutete das einen enormen logistischen, organisatorischen und nicht zuletzt finanziellen Aufwand. Ein Beispiel ist die Absperrung der gesamten achtspurigen Bismarckstraße in Berlin für die größte Szene des Films, die Schah-Demonstration vor der Deutschen Oper.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Unschärfe zwischen Dokumentation und Fiktion und stellt die These auf, dass hybride Formen wie der dokumentarische Spielfilm ebenso viel Authentizität leisten können wie rein dokumentarische Werke.
2 Fiktionalisierung des Dokumentarischen – Dokumentarisierung der Fiktion: Dieses Kapitel erörtert die Definitionsschwierigkeiten und das Spannungsfeld zwischen der (Un)möglichkeit der filmischen Wirklichkeitsdarstellung und dem Zuschauerbedürfnis nach Authentizität.
3 Geschichte im Film: Hier wird analysiert, wie der Film als Medium unser Geschichtsbewusstsein prägt und welche Anforderungen an die Darstellung schmerzlicher historischer Ereignisse gestellt werden, um den Grat zwischen Unterhaltung und Verantwortung zu meistern.
4 Der „Baader-Meinhof-Komplex“ – Lehrstück oder reine Unterhaltung?: Das Hauptkapitel untersucht die konkrete Umsetzung des Films, die Herausforderungen der Stoffrecherche, die ethischen Konflikte bei der Darstellung von Personen der Zeitgeschichte und die Kritik an der filmischen Inszenierung.
5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Gefahren der Fiktionalisierung für die Geschichtsvermittlung, diskutiert die Chancen unterhaltender Information und reflektiert die Rolle des Films als zeitgeschichtliches Dokument.
Dokumentarfilm, Spielfilm, Der Baader-Meinhof-Komplex, RAF, Fiktionalisierung, historische Authentizität, Bernd Eichinger, Uli Edel, Geschichtsbewusstsein, Doku-Drama, Medientheorie, Inszenierung, Zeitgeschichte, Persönlichkeitsrecht, Infotainment.
Die Arbeit analysiert die zunehmende Vermischung von fiktionalen Elementen und dokumentarischer Darstellung im Film. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie historische Ereignisse aufbereitet werden und welche Herausforderungen dies für die historische Wahrheit und die Wahrnehmung der Zuschauer mit sich bringt.
Als zentrales Fallbeispiel wird der Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ von Uli Edel und Produzent Bernd Eichinger herangezogen, um die Problematik der filmischen Aufarbeitung deutscher Terrorismusgeschichte zu illustrieren.
Die Arbeit hinterfragt, ob die Unterscheidung zwischen „fiktionalen“ und „non-fiktionalen“ Arbeiten noch relevant ist und ob Mischformen wie der dokumentarische Spielfilm trotz notwendiger Dramaturgie ein valides Instrument zur Vermittlung historischer Authentizität darstellen können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse medientheoretischer Ansätze und verbindet diese mit einer detaillierten inhaltlichen Analyse des gewählten Spielfilms, inklusive der Auswertung von Produktionshintergründen, Interviews und der zeitgenössischen Kritik.
Die Hauptteile behandeln die theoretische Abgrenzung der Filmgenres, die Verantwortung von Filmemachern bei der Darstellung historischer Stoffe, die rechtliche Abwägung zwischen künstlerischer Freiheit und Persönlichkeitsrechten sowie eine detaillierte Kritik an der Inszenierung des RAF-Stoffes.
Wichtige Begriffe sind Fiktionalisierung, historische Authentizität, Dokumentarfilm, Rote Armee Fraktion (RAF), Inszenierung und die Vermittlung von Geschichte durch audiovisuelle Medien.
Die Arbeit zeigt auf, dass das Recht die Kunstfreiheit in der Regel höher gewichtet als den Schutz des Einzelnen vor einer negativen Darstellung, sofern es sich um Personen der Zeitgeschichte handelt, solange der Kern des "großen Rahmens" historisch zutreffend bleibt.
Diese Aussage bezieht sich auf die Gefahr, dass Zeitzeugen oder Angehörige aufgrund ihrer eigenen subjektiven Erinnerungen oder ihrer Betroffenheit rechtliche Schritte einleiten, wenn die filmische Darstellung von ihrer eigenen Wahrnehmung der Ereignisse abweicht, was die Arbeit der Produzenten massiv einschränken könnte.
Bernd Eichinger wählte diese Form, um den Sog der Ereignisse abzubilden und sich von festgefahrenen, konventionellen Erzählmustern zu befreien. Sie soll die Historie als dynamischen Prozess darstellen, auch wenn dies zu Lasten der detaillierten Einordnung der einzelnen Zusammenhänge für den Zuschauer geht.
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