Masterarbeit, 2011
77 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Untersuchungsgegenstand
2.1 Empirische Erhebung
2.2 Musikalisches Konzept: New Techno
3. Analyse
3.1 Kesha: Tik Tok
3.2 Stromae: Alors on danse
3.3 Lady Gaga: Bad Romance
3.4 Zusammenfassung Analyse
4. Essay
4.1 Flow
4.2 De-sign
4.3 Cyborgs @ Utopia
4.4 Zusammenfassung Essay
5. Schlusswort
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die zunehmende „Elektronisierung“ des Mainstream-Pop im Jahr 2010. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich technologische und klangliche Merkmale der Techno-Kultur in kommerziell erfolgreichen Chart-Produktionen manifestieren und welche kulturelle Bedeutung dieser Prozess für die aktuelle Musiklandschaft besitzt.
3.1 Kesha: Tik Tok
Der Song folgt mit 3'34" in der offiziellen Videoversion ein sehr einfachen, klassischen 32-taktigem Verse & Chorus-Schema: zunächst leiten einige Sekunden idyllisches Vogelgezwitscher den Song ein, die von zwei mit viel Klangtiefe anproduzierten Scratching-Sounds unterbrochen werden. Schon hier zeigt sich der in Richtung Party, Disco/Club und Samplingkultur gehende Charakter, der sich im Laufe des Titels durch die musikalische Façon sowie den Text und die Bildsequenz bestätigen wird. Im ersten Achttakter setzt sofort zu Beginn, noch ohne Beat, der Gesang zusammen mit einer ersten Melodielinie ein, (zusätzlich erklingt zweimal pseudodialogisch eine „schwarz“ klingende Stimme), im letzten Takt ist der Gesang allein. Der technologisch-künstlich orientierte Impetus greift bereits hier voll durch: die Sounds der Melodie klingen hoch synthetisch und orientieren sich an kommerziellem House oder Disco. Die Stimme ist extrem komprimiert, höchstwahrscheinlich mittels Autotune, und zwar in einem Ausmaß, der der Sängerin sogar noch in der gegenwärtigen Zeit gemeinhin ubiquitärer, scheinbar gesellschaftlich voll akzeptierter elektronischer Produktionsmittel vom Musikjournalismus vorgeworfen wurde. Teilweise wird Keshas Performance regelrecht abgewürgt oder schießt kieksend umher.
Im zweiten Achttakter setzt der Beat ein, wobei die Struktur ein percussiv „leeren“ letzten Taktes für die Verses im ganzen Song durchgehalten wird. Es handelt sich dabei zunächst um einen punktuell recht komplexen 4/4-Beat mit Handclap auf 1 und 3, geschlossenem Becken auf 2 und offenem auf 4. Die Melodielinie bleibt unverändert. Dann folgt bereits der 16-taktige Chorus, der mit einem waschechten, mit deutlich mehr Schalldruck versehenen Four-to-the-Floor aufwartet. Dessen Einsatz wird jedoch metrisch um etwas mehr als einen halben Takt verschoben - der genaue Wert ist absichtsvoll schwer zu ermitteln, da Keshas Stimme, wie erwähnt im letzten Takt ohne Beat, durch besonders starke Komprimierung gehörig ins Schlingern gerät und ein genaues Metrum nicht mehr zuverlässig angelegt werden kann.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der "Elektronisierung" von Popmusik ein und definiert den Fokus auf die ästhetische und technologische Durchdringung durch Techno-Elemente.
2. Untersuchungsgegenstand: In diesem Kapitel wird die empirische Basis der Arbeit erläutert und das Konzept des „New Techno“ zur Untersuchung von Chart-Musik eingeführt.
3. Analyse: Die Analyse untersucht exemplarisch drei kommerziell erfolgreiche Titel (Kesha, Stromae, Lady Gaga) hinsichtlich ihrer spezifischen technoiden Klangstrukturen und deren Wirkung.
4. Essay: Dieser Teil betrachtet das Phänomen aus einer essayistischen, kulturwissenschaftlichen Perspektive und beleuchtet Themen wie Flow, De-sign und die Mensch-Maschine-Beziehung.
5. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und ordnet die Bedeutung der „Elektronisierung“ für den Mainstream-Pop in einem gesellschaftlichen Kontext ein.
New Techno, Mainstream-Pop, Elektronisierung, Musikproduktion, Samplingkultur, Chart-Analyse, Körperlichkeit, Technologie, Digitale Medien, Techno-Ästhetik, Four-to-the-Floor, Medienkultur, Pop-Musik, Klangästhetik, Konsumverhalten
Die Arbeit untersucht, wie elektronische Klangelemente – insbesondere solche, die aus der Techno-Kultur stammen – aktuelle Mainstream-Pop-Produktionen dominieren und verändern.
Die Schwerpunkte liegen auf der musikalischen Analyse von Chart-Titeln, der Untersuchung von Produktionstechniken sowie der soziokulturellen Bedeutung von Technologie in der modernen Unterhaltungskultur.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwiefern aktuelle Chart-Musik durch "technoide" Parameter bestimmt ist und wie dieser Prozess die Wahrnehmung und Rezeption von Popmusik beeinflusst.
Der Autor nutzt einen methodischen Mix aus empirischer Chart-Auswertung sowie einer klanganalytischen Untersuchung ausgewählter Fallbeispiele, ergänzt durch essayistische Reflexionen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Musik von Künstlern wie Kesha, Stromae und Lady Gaga sowie einen essayistischen Teil, der die kulturellen Implikationen der technologischen Entwicklung diskutiert.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen "New Techno", "Elektronisierung", "Musikproduktion", "Samplingkultur" und "Körperlichkeit".
Der Begriff "New Techno" dient als analytisches Werkzeug, um eine spezifische musikalische Praxis im Mainstream-Pop zu beschreiben, die sich zwar technischer Mittel bedient, aber nicht direkt mit dem ursprünglichen Techno-Genre gleichzusetzen ist.
Der Autor zeigt auf, wie in Videos von Lady Gaga oder Stromae technisches Equipment (wie Synthesizer oder Mischpulte) als visuelle Zeichen für eine "neue" Realität oder Künstlichkeit inszeniert wird, um das Hörerlebnis zu verstärken.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Erfolg dieser Musik in einer Integration von soziokulturellen Strömungen begründet liegt, bei der Technologie nicht nur als Werkzeug, sondern als konstitutiver Teil der ästhetischen Erfahrung fungiert.
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