Magisterarbeit, 2001
159 Seiten, Note: 5.5 (Insigni cum laude)
1 Einleitung
2 Problematik und Fragestellungen
3 Das kulturhistorische Umfeld und die politische Situation
3.1 Die Grossstadt
3.1.1 Berlin – Die jüngste Metropole Europas
3.1.2 Die Moderne – Eine neue Erfahrung
3.1.3 Der Dandy – Eine spezifische Form des Stadtmenschen
3.1.4 Die Grossstadtnacht – Gegenwelt und Stadtkritik
3.1.5 Die Prostituierte – Hure Babylon und Gesellschaftskritik
3.2 Die Grossstadt in der Malerei
3.2.1 Der Futurismus
3.2.2 Der Grossstadtexpressionismus
3.3 Der Erste Weltkrieg und das Böse
3.3.1 Das Böse
4 George Grosz – Ein Lebenskünstler?
4.1 George Grosz – Von der Jugend bis 1918
5 George Grosz – Der Zeichner
5.1 Die Graphikmappen
5.1.1 „Erste George Grosz Mappe“ und „Kleine Grosz Mappe“ 1916/17
5.2 Die Skizzenbücher
6 Schwerpunkte im Werk von George Grosz
6.1 Der Lustmord
6.2 Selbstbildnisse
7 Die Metropole in der Malerei
7.1 „Metropolis“ – „The City“
7.2 „Widmung an Oskar Panizza“
7.2.1 Das tumultuarische Grossstadtleben (1)
7.2.2 Gesellschaftskritik im Kontext des Ersten Weltkriegs (2)
7.2.3 „Verkehrte Welt“ und „Triumph des Todes“ – Mittelalterliche Vorfahren (3)
8 Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht das Oeuvre des Künstlers George Grosz im Zeitraum von 1915 bis 1918, wobei der Fokus auf der Auseinandersetzung mit der Grossstadt als zentralem Motiv und als Ort gesellschaftlicher sowie persönlicher Transformation liegt. Die Forschungsfrage widmet sich der künstlerischen und moralisch-philosophischen Reaktion von Grosz auf die durch Krieg, Industrialisierung und Entfremdung geprägte moderne Gesellschaft, wobei eine Brücke zwischen seinen Zeichnungen und seinem malerischen Werk geschlagen wird.
3.1.2 Die Moderne – Eine neue Erfahrung
Entsprechend der fundamentalen Veränderung des Stadtbildes, wurde auch die Gesellschaft und ihre Kultur einem Wandel unterzogen. Das Leben in der Grossstadt leitete eine neue Ära ein, die Ära der Moderne. Diese wird hauptsächlich von einer neuartigen Spannung zwischen dem Individuum und der äusseren Wirklichkeit, dem Individuum und der Gesellschaft und dem Individuum und seiner Identität geprägt. Wie kam es dazu?10. Das Leben in der Grossstadt forderte den Menschen dazu heraus, seine Umwelt neu zu erfahren und sich entsprechend neu zu orientieren. Die veränderten Lebensumstände in der Grossstadt mit ihrer zunehmenden Motorisierung des Strassenverkehrs, der sich steigernden Hektik, dem Leben in der Anonymität in der erzeugten Massengesellschaft und der Entstehung eines weithin gesichtslosen riesigen Stadtraums mit der Überbauung der Umwelt auf Kosten der Natur, führten zu einer massiv veränderten Wirklichkeit. Entfremdung und Ich-Dissoziation waren gängige Begriffe zur Definition ihrer psychischen Wirkungen. Es stellte sich eine Entfremdung von der Umwelt ein, durch die widersprüchliche Erfahrung der Realität: durch die visuelle Fragmentierung, sowohl durch die Aufhebung der zeitlichen und räumlichen Kontinuität11, als auch die Aufhebung der traditionellen Perspektive12, was eine Undurchschaubarkeit zur Folge hatte. Die Erfahrung der Stadt zeichnete sich durch eine Agglomeration von Details und Sinneseindrücken aus, die sich nicht mehr in ein traditionelles Bild einer einheitlichen Struktur integrieren liessen. Es fand eine sinnliche Zersplitterung der Umwelt statt. Diese neue Wahrnehmungsweise hatte und hat synthetischen Charakter und zugleich eine Entsubjektivierung des visuellen Wahrnehmungsfeldes zur Folge, d.h. der Mensch kann sich nicht mehr mit seiner Umwelt identifizieren. Es findet eine Entfremdung zur äusseren Wirklichkeit statt. Die sichtbare Welt bietet keinen Halt und kein Vertrauen mehr. Der Schock wird zur Grundform dieser neuen Erfahrung der Grossstadt.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema ein, welches das Oeuvre von George Grosz zwischen 1915 und 1918 betrachtet, wobei der Mensch und das Leben in der Grossstadt im Mittelpunkt stehen.
2 Problematik und Fragestellungen: Hier werden die zentralen Forschungsfragen erörtert, insbesondere der Übergang von der Zeichnung zur Malerei bei Grosz und die Notwendigkeit einer detaillierten Bildanalyse vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs.
3 Das kulturhistorische Umfeld und die politische Situation: Dieses Kapitel liefert den sozialgeschichtlichen Kontext, indem die Entwicklung Berlins zur Metropole, die moderne Grossstadterfahrung und die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das moralische Gefüge analysiert werden.
4 George Grosz – Ein Lebenskünstler?: Der Autor beleuchtet die Person George Grosz, seine jugendliche Prägung, sein künstlerisches Selbstverständnis als Dandy sowie seine vielfältigen Betätigungsfelder in der damaligen Zeit.
5 George Grosz – Der Zeichner: Ein tiefgehender Blick auf die zeichnerische Produktion, wobei die Bedeutung von Graphikmappen und Skizzenbüchern sowie der Einfluss der Grossstadt-Thematik auf seine Zeichensprache untersucht wird.
6 Schwerpunkte im Werk von George Grosz: Dieses Kapitel identifiziert drei zentrale Motive – Grossstadt, Selbstbildnis und Lustmord –, die das Werk des Künstlers maßgeblich bestimmen und in enger Verbindung zueinander stehen.
7 Die Metropole in der Malerei: Eine detaillierte Analyse der zentralen Ölgemälde wie „Metropolis“ (City) und „Widmung an Oskar Panizza“, die Grosz' Auseinandersetzung mit der Grossstadt, dem Krieg und der menschlichen Triebstruktur auf die Leinwand bringt.
8 Schlusswort: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Komplexität und ungebrochene Aktualität von Grosz' Werk als Spiegelbild menschlicher und gesellschaftlicher Pathologien.
George Grosz, Grossstadt, Moderne, Erster Weltkrieg, Dandyismus, Expressionismus, Lustmord, Entfremdung, Gesellschaftskritik, Malerei, Zeichnung, Berlin, Massengesellschaft, Triebstruktur, Bildanalyse
Die Arbeit analysiert das künstlerische Werk von George Grosz zwischen 1915 und 1918, mit besonderem Fokus auf die Darstellung des Lebens in der Grossstadt und die Verarbeitung der zeitgeschichtlichen Erschütterungen dieser Jahre.
Zentrale Themen sind die Grossstadt als Ort der Entfremdung, die Transformation der modernen Gesellschaft im Ersten Weltkrieg, die Rolle des Künstlers als Dandy und die psychologischen Dimensionen von Gewalt und Lustmord.
Das Ziel ist es, die Entwicklung eines eigenständigen Stils bei Grosz zu ergründen und aufzuzeigen, wie seine künstlerische Produktion als Reaktion auf die soziale, politische und moralische Krise seiner Zeit zu verstehen ist.
Es wird ein bildanalytischer Ansatz verfolgt, der durch kulturhistorische und sozialpsychologische Einordnungen ergänzt wird, um die „Entschlüsselung“ der detailreichen und komplexen Werke zu ermöglichen.
Der Hauptteil behandelt das kulturhistorische Umfeld, Grosz als Künstlerperson, seine zeichnerische und malerische Praxis sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit seinen Hauptwerken und deren inhaltlichen Schwerpunkten.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören: Grossstadt, Entfremdung, Erster Weltkrieg, George Grosz, Expressionismus, Gesellschaftskritik, Bildanalyse und moderne Identität.
Im Gegensatz zu vielen anderen Expressionisten, die eine eher apokalyptische oder idealisierte Sichtweise wählten, verbindet Grosz eine zynische, kühle Beobachtungsgabe mit einer aggressiven, fast dokumentarischen Montagetechnik, die das Chaos der Stadt und das menschliche Triebwesen offenlegt.
Grosz' bewusste Inszenierung als Dandy, Kämpfer oder Sensenmann dient sowohl als Schutzmaske vor einer ihn belastenden Außenwelt als auch als Mittel, um die Widersprüche seiner Zeit zu verarbeiten und sich in einer Welt, die er als „verkehrt“ empfindet, als distanzierter, aber beobachtender Akteur zu positionieren.
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