Masterarbeit, 2023
105 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Diskriminierungsfrage: Ein historisch-gesellschaftlicher Überblick
2.1. Diskriminierung
2.2. Geschlecht und Geschlechteridentität
2.3. Geschlechterdiskriminierung und Geschlechterrollen
2.4. Frauen- und Geschlechterforschung
3. Sprache, Gesellschaft und Geschlecht
3.1. Sprachliche Diskriminierung
3.2. Generisches Maskulinum
3.3. Gendern
3.3.1. Beidnennung
3.3.2. Binnen-I
3.3.3. Neografien: Genderstern, Unterstrich, Doppelpunkt
3.3.4. Substantivierte Partizipien oder Adjektive im Plural
3.3.5. Weitere Formen
4. Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger
4.1. Hintergründe und Ziel
4.2. Begriffserklärungen
4.2.1. Diskurs
4.2.2. Diskursebenen und -positionen, Wahrheit und Wirklichkeit
4.2.3. Zeit und Raum, Wissen und Macht
4.2.4. Dispositiv und Dispositivanalyse
4.3. Vorgehensweise
5. KDA: Geschlechtersensible Sprache an Grundschulen in Baden-Württemberg
5.1. Zielsetzung, Untersuchungsgegenstand und Materialgrundlage
5.2. Strukturanalyse
5.3. Feinanalyse
5.3.1. Text-Oberfläche
5.3.2. Sprachlich-rhetorische Mittel und inhaltlich-ideologische Aussagen
5.4. Zusammenfassung und Zwischenfazit
6. Faire Sprache in der Grundschule: Ein Maßnahmenkatalog
6.1. Lehrperson
6.2. Elternarbeit
6.3. Kinder- und Jugendliteratur
6.3.1. Klassenstufen 1 und 2
6.3.2. Klassenstufen 3 und 4
7. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie der aktuelle Diskurs über geschlechtersensible Sprache in Bezug auf die Grundschule geführt wird und wie eine faire Sprache in diesem institutionellen Kontext konkret realisiert werden kann. Das Ziel ist es, eine Lücke in der didaktischen Umsetzung zu schließen und praktische Empfehlungen für den Unterrichtsalltag zu entwickeln.
1. Einleitung
Ein Vater und sein Sohn fahren mit dem Auto in den Urlaub. Auf der Autobahn haben sie einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Junge wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chirurg erscheint, blass wird und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!".
Wie ist das möglich?
Die Antwort lautet: Bei dem genannten Chirurgen handelt es sich um die Mutter des Sohnes, demnach die Chirurgin.
Diese Kurzgeschichte, deren ursprüngliche Quelle nicht bekannt ist, existiert mittlerweile in verschiedenen Versionen im Internet. Die Pointe ist immer dieselbe: Bei dem Wort Chirurg wird zunächst an das männliche Geschlecht gedacht. Die Geschichte zeigt dieses Phänomen auf, indem eine Verwirrung erzeugt wird. Das generische Maskulinum meint alle Geschlechter bzw. ist losgelöst von diesen zu verstehen. In Bezug auf die o. g. Geschichte stellt sich jedoch die Frage, ob mitgemeint auch gleichzeitig mitgedacht bedeutet. Mit u. a. dieser Überlegung setzt sich die vorliegende Arbeit kritisch auseinander (vgl. ZDF 2021: o. A.).
Eine Äußerung, die ausgesprochen wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Durch Sprache bzw. sprachliche Äußerungen folgt demnach eine Handlung. Jede dabei entstehende Aktion erzeugt eine Wirkung beim Gegenüber. Dieses Phänomen zeigt der englische Sprachphilosoph John L. Austin (1911-1960) in der Sprechakttheorie im sog. pragmatischen Ansatz auf und gilt als Begründer dieses Ansatzes (vgl. Austin 1972: 26). Beispiele dafür sind das Heiraten, das Vermachen eines Wertgegenstandes oder auch Beleidigungen, Versprechungen und Befehle. Worte werden in einer Situation in bestimmter Weise geäußert und als performative Sprechakte bezeichnet (vgl. Liedtke 2018: 29f.). Sprache bedeutet demnach Handeln. Durch die deutsche Sprache, die vor allem durch das generische Maskulinum männlich geprägt ist, wird eine einseitige Sicht auf den Menschen erzeugt, die nicht der Wirklichkeit und der Vielfalt des Lebens entspricht. Im Gegenzug kann eine geschlechtersensible Sprache das Denken und die Sichtweisen auf den Menschen beeinflussen und verändern (vgl. ebd.).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik des generischen Maskulinums anhand einer Fallgeschichte und führt in die Relevanz der geschlechtersensiblen Sprache sowie die Forschungsfragen ein.
2. Diskriminierungsfrage: Ein historisch-gesellschaftlicher Überblick: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Diskriminierung, Geschlecht und Identität und ordnet sie historisch sowie gesellschaftlich ein.
3. Sprache, Gesellschaft und Geschlecht: Hier wird der theoretische Zusammenhang zwischen Sprache als Instrument der Wirklichkeitskonzeption und dem generischen Maskulinum analysiert.
4. Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger: Das Kapitel erläutert die methodologischen Grundlagen der Kritischen Diskursanalyse als Werkzeug zur Untersuchung gesellschaftlicher Macht-Wissens-Verhältnisse.
5. KDA: Geschlechtersensible Sprache an Grundschulen in Baden-Württemberg: Dies ist der empirische Hauptteil, in dem der aktuelle Diskurs an Schulen in Baden-Württemberg mittels der Jäger-Methode untersucht wird.
6. Faire Sprache in der Grundschule: Ein Maßnahmenkatalog: Basierend auf der Analyse werden praktische Umsetzungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, Elternarbeit und Literatur im Unterrichtsalltag vorgestellt.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit der Integration von Genderkompetenz in die Lehramtsausbildung.
Geschlechtersensible Sprache, Gendern, Grundschule, Kritische Diskursanalyse, Generisches Maskulinum, Diskriminierung, Geschlechterrollen, Gender Studies, Sprachwandel, Lehrkräfteausbildung, Kinder- und Jugendliteratur, Inklusion, Macht-Wissens-Komplex, Identität, Faire Sprache.
Die Arbeit untersucht den aktuellen Diskurs um geschlechtersensible Sprache und deren Bedeutung sowie Anwendungsmöglichkeiten speziell im Kontext der Grundschule in Baden-Württemberg.
Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Sprache und Geschlecht, der Kritischen Diskursanalyse als wissenschaftlicher Methode, der Bedeutung von Geschlechterrollen in der Bildung sowie der praktischen Umsetzung einer "fairen Sprache" im Unterricht.
Das Hauptziel besteht darin, Forschungslücken in der didaktischen Umsetzung von gendersensibler Sprache in der Grundschule zu schließen und herauszufinden, wie eine faire Sprache dort realisiert werden kann.
Die Arbeit nutzt die Kritische Diskursanalyse (KDA) nach Siegfried Jäger, um den öffentlichen und bildungspolitischen Diskurs zum Gendern systematisch zu erfassen und zu dekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert zum einen die theoretischen Grundlagen des Diskurses und zum anderen empirisch die aktuelle Medienberichterstattung und politische Debatte zum Gendern an Schulen in Baden-Württemberg.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Geschlechtersensible Sprache, Kritische Diskursanalyse, Grundschule, Inklusion, Gender-Diskurs und Sprachwandel.
Der Begriff wurde adaptiert, um eine neutrale, für Grundschulkinder nachvollziehbare Bezeichnung zu wählen und den emotional aufgeladenen Diskurs um das Wort "Gendern" konstruktiv zu umgehen.
Der Lehrperson kommt eine zentrale Vorbildfunktion zu; ihre Sprachkompetenz und das Reflektieren eigener Stereotype sind entscheidend für die Vermittlung einer diversitätssensiblen und diskriminierungsfreien Sprache.
Literatur dient als Anschauungsmaterial, das gesellschaftliche Vielfalt implizit abbildet und Schülern hilft, eigene Sichtweisen und Identitäten fernab von traditionellen Rollenklischees zu entwickeln.
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