Magisterarbeit, 2003
86 Seiten, Note: 2.1
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Einführung in das Thema und grundlegende Vorbemerkungen
1 Einleitung
1.1 Konzeption der Arbeit
1.2 Kurzer Ausflug in die Geschichte und Eingrenzung des Themas
1.3 Klärung der Fragestellung
1.3.1 Das Wissen
1.3.2 Dilemma oder Chance?
2 Bemerkungen zu Philosophie und Methode in Bezug auf den Tod
2.1.1 Theorie und Motivation
2.1.2 Die Gültigkeit von Aussagen
2.1.3 Die Undurchsichtigkeit der Voraussetzungen
2.1.4 Das methodische Hauptproblem: Es gibt keine Erfahrung des Todseins
2.1.5 Philosophie und Autobiographie
2.1.6 Die atheistische Perspektive
2.1.7 Der eigene Anspruch: Vom Menschen her denken
Erster Teil: Das Wissen um den eigenen Tod
3 Das Wissen um den eigenen Tod
3.1 Das Wissen vom eigenen Tod
3.1.1 Die geschichtliche Entstehung des kulturellen Wissens vom eigenen Tod
3.1.2 Das individuelle Wissen vom eigenen Tod
3.2 Das Wissen über den Tod: Analyse des Todes
3.2.1 Der existenziale Begriff des Todes
3.2.2 Die Unerfahrbarkeit der Erfahrungen Anderer im Tod
3.2.3 Die Gewissheit des Todes
3.2.4 Die Endgültigkeit des Todes
3.2.5 Die Undenkbarkeit des Todseins
3.2.6 Die Unvertretbarkeit des Todes
3.2.7 Der Tod als Ende jeglicher Intersubjektivität
3.2.8 Die Ungewissheit der Todesart
3.2.9 Die Ungewissheit des Todeszeitpunktes
3.2.10 Das unvollendete Sterben
3.2.11 Zusammenfassende Analyse des Todes
4 Das Subjekt des Todes: Wer stirbt?
4.1 Individualität und Tod: Beckers Theorie der Individualität
4.1.1 Individualität ohne Todeswissen
4.2 Was macht ein Individuum aus: Dasein und Person
4.2.1 Das alltägliche Dasein
4.2.2 Das Fehlen des Augenblicks und der Geschichte in der Analyse Heideggers
4.2.3 Was ist eine Person?
4.2.3.1 Die Grundlagen
4.2.3.2 Die Irreduziblität
4.2.3.3 Das Modell des Geistes und der Person
4.3 Das Subjekt des Todes
4.3.1 Folgerungen aus der Analyse des Subjekts des Todes für die Bedeutung des Todes einer Person
Zweiter Teil: Dilemma oder Chance?
5 Der Tod als Dilemma
5.1 Das existenzielle Dilemma
5.2 Das Sinnproblem oder das metaphysische Dilemma
5.3 Das Nicht-wissen-wollen
5.3.1 Das uneigentliche Sein zum Tode (Heidegger)
5.3.2 Das Dilemma der menschlichen Existenz (Becker)
5.3.2.1 Die dauerhafte Todesfurcht
5.3.2.1 Individualität und die Ausweglosigkeit des Dilemmas
5.3.2.3 Die Entlastung vom existenziellen Dilemma: Teilhabe und Selbstbehauptung
5.3.2.4 Kritik an der Verdrängungs- und Entlastungstheorie Beckers
6 Das Wissen um den eigenen Tod als Chance
6.1 Das eigentliche Sein zum Tode
6.1.1 Abschließende Charakterisierung des Seins zum Tode
6.1.2 Vorlaufen in den eigenen Tod als Entscheidungshilfe
6.1.3 Was heißt Eigentlichkeit?
6.1.4 Eigentlichkeit als positives Ideal
6.2 Das existenzielle Dilemma als Chance
7 Ethische Konsequenzen der Individualität
8 Versuch einer Selbstreflexion
9 Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht das Wissen um den eigenen Tod und die Frage, ob dieses Wissen ein existentielles Dilemma darstellt oder eine Chance bietet, das eigene Leben bewusster zu führen. Ziel ist es, eine philosophische Klärung dieser Fragestellung vorzunehmen und dabei den Tod als endgültiges Ende der menschlichen Existenz zu begründen.
3.1.1 Die geschichtliche Entstehung des kulturellen Wissens vom eigenen Tod
Bevor aufgezeigt werden kann, was über den eigenen Tod gewusst werden kann, stellt sich die Frage, woher wir überhaupt von unserem eigenen Tod wissen. Nach Werner Becker ist das Wissen um den eigenen Tod ein historisch kulturelles. Das heißt, Menschen haben irgendwann einmal gelernt, dass alle Menschen sterblich sind, und jetzt wird dieses Wissen weitergegeben. Das Wissen um den eigenen Tod ist insofern immer intellektuell vermittelt.
„Vor dieser Bewusstwerdung war Sterblichkeit ein in den Menschen sich vollziehendes Geschehen.“ Die Bewusstwerdung der eigenen Sterblichkeit sieht Becker als den bedeutendsten Einschnitt in der menschlichen Kultur. „Mit Akzeptanz dieser Wahrheit geht nämlich der Verlust der Naivität des Lebensvollzugs einher, jener Unschuld, die ein Jeder vor der Aufnahme dieses Wissens besaß und deren Wesen darin lag, ähnlich wie die Tiere im Hier und Jetzt aufzugehen.“ Becker geht sogar so weit, im Wissen um den eigenen Tod ein zuverlässiges Kriterium zur Unterscheidung von Mensch und Tier zu sehen. Aus dem Wissen um den eigenen Tod resultiert ein Dilemma, das Becker das Dilemma der menschlichen Existenz nennt. Das Dilemma der menschlichen Existenz ist leicht aufzuzeigen: Wir wissen, dass wir sterben werden und können es nicht akzeptieren. Becker formuliert es zu Beginn seines gleichnamigen Buches folgendermaßen: „Jeder Mensch weiß, dass er sterben muss. Wir wissen um diese Notwendigkeit, ohne uns damit abfinden zu können. Es ist ein Wissensinhalt, eine unumstößliche Tatsache, die wir dennoch weitgehend zu verdrängen suchen, handelt es sich doch um Sein und Nichtsein, das Ende unserer Existenz.“
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Bedeutung des Wissens um den eigenen Tod ein und legt den Aufbau sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit dar.
2 Bemerkungen zu Philosophie und Methode in Bezug auf den Tod: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Herausforderungen und Grundlagen einer philosophischen Untersuchung über den Tod.
3 Das Wissen um den eigenen Tod: Hier wird der Ursprung des Wissens um den eigenen Tod als kulturelles Wissen sowie die philosophische Analyse des Todesbegriffs behandelt.
4 Das Subjekt des Todes: Wer stirbt?: Dieses Kapitel untersucht mithilfe von Beckers Individualitätstheorie und der Heideggerschen Daseinsanalyse, was eine Person ausmacht und wer im Tod stirbt.
5 Der Tod als Dilemma: Hier werden die existentiellen und metaphysischen Dilemmata sowie die Verdrängungsmechanismen, die aus der Konfrontation mit der Endlichkeit resultieren, kritisch analysiert.
6 Das Wissen um den eigenen Tod als Chance: Dieses Kapitel entwickelt eine Perspektive auf den Tod als Chance zur Emanzipation durch das "eigentliche Sein zum Tode" nach Heidegger.
7 Ethische Konsequenzen der Individualität: Der Autor leitet aus der Endlichkeit und Einmaligkeit des menschlichen Lebens ethische Grundsätze ab.
8 Versuch einer Selbstreflexion: Den Abschluss bildet eine persönliche Reflexion des Autors über den Prozess des Schreibens und die Auswirkungen der Auseinandersetzung mit dem Tod auf das eigene Leben.
Tod, Sterblichkeit, existentielles Dilemma, Eigentlichkeit, Sein zum Tode, Dasein, Individualität, Lebenssinn, Verdrängung, Endlichkeit, Philosophie, Heidegger, Becker, Subjekt, Emanzipation.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Wissens um den eigenen Tod für den Menschen und fragt, ob dieses Wissen als Dilemma oder als Chance für die Gestaltung des eigenen Lebens verstanden werden kann.
Die zentralen Themen sind die philosophische Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit, die Entwicklung des Individualitätsbewusstseins, die Analyse des Personenbegriffs und die Möglichkeiten der Bewältigung des Todeswissens.
Das primäre Ziel ist es, die Frage "Das Wissen um den eigenen Tod: Dilemma oder Chance?" systematisch zu klären und eine Perspektive zu entwickeln, in der das Todeswissen zur aktiven Lebensgestaltung beiträgt.
Die Arbeit verwendet philosophische Analysemethoden, insbesondere unter Rückgriff auf die Daseinsanalyse von Martin Heidegger und die Kulturkritik von Werner Becker.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Todeswissens, die Struktur des Todes als absolutes Ende, die Frage nach dem Subjekt des Todes sowie die Dilemmata der Verdrängung und die Chancen der eigentlichen Existenz.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Tod, Endlichkeit, Individualität, Eigentlichkeit, Dasein, Dilemma und Chance.
Der Autor argumentiert auf Basis einer irreduziblen Einheit von Geist und Körper, dass nach dem Tod keine Instanz übrig bleibt, die "weiterleben" könnte, wodurch der Tod unweigerlich das Ende jeglicher Existenz bedeutet.
Der Autor kritisiert, dass Becker zwar die Verdrängungsmechanismen exzellent analysiert, aber dem Individuum keine Auswege aufzeigt und somit die Welt als auswegloses Dilemma darstellt, anstatt die Chance zur aktiven Selbstbestimmung zu betonen.
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