Diplomarbeit, 2011
111 Seiten
I EINLEITUNG
II GESCHICHTE DER MÄNNLICHKEITSFORSCHUNG
III DIE SOZIALE KONSTRUKTION VON MÄNNLICHKEIT
DIE FEMINISTISCHE THEORIE
IV MÄNNLICHKEITSFORSCHUNG
DER SOZIALE HABITUS
HEGEMONIALE MÄNNLICHKEIT
V UNTERSUCHUNGSDESIGN
GESCHLECHTERFORSCHUNG UND QUALITATIVE METHODEN
FRAGESTELLUNG DER UNTERSUCHUNG UND FORSCHUNGSANSATZ
DAS NARRATIVE INTERVIEW
DIE INTERVIEWPARTNER UND IHRE REKRUTIERUNG
VI DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
AUSWERTUNGSMETHODE
FREUNDINNEN UND FREIZEITGESTALTUNG
Resümee
MÄNNLICHKEIT UND GEWALT
Resümee
MÄNNLICHKEIT UND EHRE
Resümee
MÄNNLICHKEIT UND HOMOPHOBIE
Resümee
VII ZUSAMMENFASSUNG UND FORSCHUNGSAUSBLICK
Die Diplomarbeit untersucht die komplexen Männlichkeitsvorstellungen und Identitätskonstruktionen von Jungen mit kurdischem Migrationshintergrund in Österreich unter Berücksichtigung von Einflüssen durch Herkunfts- und Mehrheitsgesellschaft.
Die feministische Theorie
Die feministische Theorie hat mit diesen Behauptungen gebrochen, in dem sie den Körper als eine “Oberfläche“ definiert hat, die gesellschaftlich geformt und gestaltet wird. Die feministische Theorie ist ein vielsichtiger, in sich kontroverser Diskurs, der unter dem Einfluss verschiedener theoretischer Strömungen steht und ein interdisziplinäres Feld abbildet. Die feministische Theorie analysiert die Strukturen und Verfasstheit von Geschlechterverhältnissen, übt eine Kritik an allen Formen von Macht und Herrschaft und vertritt die gemeinsamen Interessen der Frauen. Es besteht ein sehr enger Kontakt zwischen der Frauenbewegung, der Gesellschaftskritik und feministischer Theoriebildung (vgl. Becker-Schmidt 2002, 14).
Die Kritik an der androzentrischen Weltsicht durchläuft in der industrialisierten Gesellschaft des Westens zwei historische Umbruchphasen. Die erste Phase umfasst die Französische Revolution und die Aufklärung, die eine Umwälzung der Gesellschaftsstrukturen mit sich bringt und auf die Gleichheit aller Bürger abzielt. Die erste Frauenbewegung unter der Führung von Olympe de Gouges wurde später blutig unterdrückt, de Gouges geköpft, wobei sich nach der Revolution nichts Grundlegendes an der Geschlechterungleichheit änderte. Nichtsdestotrotz deckte die erste Frauenrechtsbewegung große Widersprüche im männlichen Entwurf vom Menschen auf, woraufhin die Geschlechterdifferenz sowie die Unterdrückung der Frauen nicht mehr mit Gott und dem Glauben, sondern mit der Wissenschaft und mit Hilfe von biologischen Unterschieden begründet wurden. Mit der zweiten Phase, der industriellen Revolution ändern sich zwar der Inhalt und die Rhetorik der Unterdrückung, die Funktion bleibt aber gleich und dauert weiterhin an. Die Bedeutung der „Arbeit“ als Lohnarbeit wächst, es kommt zu einer Trennung von Erwerbs- und Hausarbeit, womit auch die Aufteilung des Lebensbereiches in Öffentlichkeit und Privatheit einschneidender wird (vgl. Becker-Schmidt 2002, 15).
I EINLEITUNG: Einführung in die historische Marginalisierung von Männerforschung und Darlegung des Forschungsinteresses an Jungen mit kurdischem Migrationshintergrund.
II GESCHICHTE DER MÄNNLICHKEITSFORSCHUNG: Betrachtung der Entwicklung von der Frauenforschung zur Geschlechterforschung und der Entstehung kritischer Männerstudien.
III DIE SOZIALE KONSTRUKTION VON MÄNNLICHKEIT: Theoretische Einordnung, wie Männlichkeit in ständiger Abgrenzung zu Weiblichkeit sozial konstruiert und kulturell verankert wird.
IV MÄNNLICHKEITSFORSCHUNG: Vertiefung der zentralen Konzepte der kritischen Männlichkeitsforschung, insbesondere des sozialen Habitus nach Bourdieu und der hegemonialen Männlichkeit nach Connell.
V UNTERSUCHUNGSDESIGN: Begründung der Wahl qualitativer Forschungsmethoden und des narrativen Interviews zur Untersuchung der Zielgruppe.
VI DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Präsentation und Analyse der Interviewdaten zu den Themen Freizeit, Gewalt, Ehre und Homophobie bei jungen Kurden.
VII ZUSAMMENFASSUNG UND FORSCHUNGSAUSBLICK: Synthese der Forschungsergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der patriarchalen Dividende sowie Anregungen für zukünftige Studien.
Männlichkeitsforschung, Soziale Konstruktion, Kurdischer Migrationshintergrund, Qualitative Methode, Narratives Interview, Hegemoniale Männlichkeit, Soziales Habitus, Gewalt, Ehre, Homophobie, Geschlechterverhältnis, Sozialisation, Patriarchale Dividende, Integration, Identität.
Die Diplomarbeit befasst sich kritisch mit Männlichkeiten und Männlichkeitsvorstellungen bei jungen Männern mit kurdischem Migrationshintergrund in Österreich.
Die zentralen Themen sind die soziale Konstruktion von Männlichkeit, der Einfluss von Migration und Herkunftskultur auf das Männlichkeitsbild, sowie das Zusammenspiel von Gewalt, Ehre und Homophobie.
Das primäre Ziel ist es, die gelebten Männlichkeitsbilder dieser spezifischen Gruppe explorativ zu erfassen und die Strukturen männlicher Herrschaft in ihrem Alltag sichtbar zu machen.
Der Autor nutzt qualitative Forschungsmethoden, primär das narrative Interview, und wertet diese mit der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring aus.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Männlichkeitsforschung und Geschlechterverhältnissen, das methodische Vorgehen und die empirische Analyse der Interviews zu den Bereichen Freizeit, Gewalt, Ehre und Homophobie.
Schlüsselbegriffe sind hegemoniale Männlichkeit, patriarchale Dividende,Doing Gender, soziale Konstruktion von Geschlecht und Habitus.
Ehre ist zentral mit der sexuellen Reinheit (Jungfräulichkeit) der weiblichen Familienmitglieder verknüpft, was zu einer starken Kontrolle und Einschränkung der Freiheit von Frauen führt.
Es zeigt sich ein breites Spektrum an Einstellungen, das von Ablehnung und Angst bis hin zu toleranteren Ansichten reicht, wobei der Begriff „schwul“ oft reflexiv als allgemeines Schimpfwort zur Abgrenzung männlicher Identität genutzt wird.
Das Umfeld (Familie, kurdische Vereine, Freundeskreise) hat einen massiven Einfluss, wobei besonders die politische Ausrichtung und die Stärke der Anbindung an die Herkunftskultur über das Ausmaß der traditionellen Männlichkeitsprägung entscheiden.
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