Bachelorarbeit, 2021
59 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
2.1 Der Märchenbegriff und gattungstypische Merkmale
2.2 Die Entstehung der Märchensammlung der Brüder Grimm
2.3 Die Bedeutung und der Einfluss von Frauen auf die Kinder- und Hausmärchen
3. Typologie der Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen
3.1 Das Bild der Frau im 19. Jahrhundert
3.2 Die Frauenrolle in den Kinder- und Hausmärchen
3.3 Die passive Frauenfigur
3.4 Die passive Frauenfigur am Beispiel von Dornröschen und Sneewittchen (KHM 50 & 53)
3.5 Die aktive Frauenfigur
3.6 Die aktive Frauenfigur am Beispiel Frau Holle (KHM 24)
3.7 Die gemischte Frauenfigur am Beispiel Hänsel und Gretel (KHM 15)
4. Gute Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen
4.1 Die Figur der Königstochter
4.2 Die Königstochter im Märchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (KHM 1)
4.3 Die Figur der verstoßenen Tochter im Märchen Aschenputtel (KHM 21)
5. Böse Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen
5.1 Die Figur der Hexe
5.2 Die Hexe im Märchen Hänsel und Gretel (KHM 15)
5.3 Die Figur der Stiefmutter
5.4 Die Stiefmutter in den Märchen Sneewittchen und Aschenputtel (KHM 53 & 21)
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht das Frauenbild in den „Kinder- und Hausmärchen“ (KHM) der Brüder Grimm, um die verbreitete Annahme zu hinterfragen, dass Märchen vorrangig passive und unterwürfige Frauenfiguren darstellen. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Märchen verschiedene Rollentypen (passiv, aktiv, gemischt sowie gut und böse) zu klassifizieren und den Einfluss der bürgerlichen Erziehungsideale des 19. Jahrhunderts sowie der weiblichen Gewährspersonen auf die Darstellung der Frauen zu ergründen.
3.1 Das Bild der Frau im 19. Jahrhundert
Zur damaligen Zeit, als die Brüder Grimm die KHM bearbeiteten und veröffentlichten, herrschte vornehmlich ein patriarchalisches Weltbild, in dem demnach der Mann übergeordnet war.
Im 18. Und 19. Jahrhundert etabliert sich in Deutschland ein Diskurs über polare Geschlechtscharaktere. In ihm wird Geschlecht durch die Zuschreibung wesensgemäßer Eigenschaften geschaffen. Den konstruierten Polen ‚Männer‘ und ‚Frauen‘ werden bestimmte Bereiche zugewiesen. Dem weiblichen ‚Wesen‘ entspricht in Korrespondenz mit seinen ‚natürlichen‘ Fähigkeiten der private Bereich, die Hausarbeit und die Kindererziehung. Dem männlichen ‚Wesen‘, den Eigenschaften des Mannes entspricht der öffentliche Bereich, also vor allem die Arbeit in der harten, konkurrenzorientierten Leistungswelt.
Dies führte zu einer neuen „Legitimation für die Vorherrschaft des Mannes über die Frau“. Die typische Rollenverteilung der Geschlechter sah demnach vor, dass der Mann die Heldentaten vollbringt, während die Frau dient. Diese Verteilung der Aufgaben lässt sich in einigen Märchen wiederfinden, so zum Beispiel im Märchen Frau Holle, in dem ein fleißiges Mädchen für seine Arbeit im Haushalt belohnt wird, oder im Märchen Sneewittchen, in dem die Zwerge arbeiten gehen, während Sneewittchen deren Haushalt führt. Auch das Rotkäppchen muss im gleichnamigen Märchen (KHM 26) auf den Jäger warten, um beschützt zu werden, während die Stieftochter im Märchen Aschenputtel ihre Stiefmutter und Stiefschwestern bedienen muss.
Im 19. Jahrhundert war „im Hinblick auf die Geschlechterrollen […] die Rolle der Frau als Gattin, Mutter und Hausfrau“ festgelegt. Das hatte zur Folge, dass bürgerliche Frauen sowohl privat, als auch öffentlich, vom Mann dominiert und kontrolliert wurden. Eine fromme, sittsame, bescheidene Frau, die durch moralische Tugendhaftigkeit und Unterwerfung unter der Autorität des Mannes gekennzeichnet ist, entspricht dem Weiblichkeitsideal dieser Zeit.
1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage, ob Märchenfiguren tatsächlich vorwiegend passiv sind, und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise anhand ausgewählter KHM-Märchen.
2. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Untersuchung der Gattung Märchen, der Entstehungsgeschichte der Sammlung sowie der Rolle der weiblichen Gewährspersonen.
3. Typologie der Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen: Erläuterung des gesellschaftlichen Hintergrunds im 19. Jahrhundert und Einteilung der Frauenrollen in aktive, passive und gemischte Kategorien.
4. Gute Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen: Analyse positiver Frauenrollen wie Königstöchter und verstoßene Töchter, deren Tugenden oft durch Fleiß und Frömmigkeit definiert sind.
5. Böse Frauenfiguren in den Kinder- und Hausmärchen: Untersuchung der Hexen- und Stiefmutterfiguren als Gegenpole, die oft durch Egoismus, Neid und Missgunst charakterisiert sind.
6. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Frauenbild in den KHM komplex ist und das patriarchale Weltbild des 19. Jahrhunderts widerspiegelt, wobei Passivität und Aktivität stark von den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen an die Frau abhängen.
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Die Arbeit analysiert das Frauenbild in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Normen des 19. Jahrhunderts.
Im Fokus stehen die Typisierung weiblicher Rollen (aktiv/passiv), die Einflüsse von Erziehungsidealen und die Rolle von Frauen als Übermittlerinnen der Märchen.
Die Arbeit untersucht, ob Märchen tatsächlich primär von der passiven, wartenden Frau berichten oder ob dieses stereotype Bild eine einseitige Betrachtung darstellt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von sechs ausgewählten Märchen (Dornröschen, Sneewittchen, Frau Holle, Hänsel und Gretel, Der Froschkönig, Aschenputtel) vorgenommen, um Figurentypen zu typisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Frauenbildern im 19. Jahrhundert, die Typologie der Frauenfiguren sowie eine detaillierte Analyse von guten und bösen Frauenrollen.
Wesentliche Begriffe sind Geschlechterrollen, bürgerliches Frauenideal, patriarchale Strukturen, Märchenstil und die Differenzierung zwischen aktiven und passiven Frauentypen.
Die Unterscheidung ist zentral, da die Zuweisung von Aktivität oder Passivität oft direkt mit einer positiven oder negativen Bewertung der Figur durch das zeitgenössische bürgerliche Erziehungsideal korreliert.
Die Stiefmutter wird als eine der populärsten bösen Frauenfiguren analysiert, die oft als notwendiges Korrektiv oder Negativfolie zur idealisierten, fleißigen Protagonistin dient.
Die überwiegend gebildeten, weiblichen Gewährspersonen aus dem Bürgertum wählten und erzählten Geschichten, die ihren eigenen Wertvorstellungen entsprachen, was die endgültige Auswahl und Darstellung in den Märchen mitprägte.
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