Examensarbeit, 2022
90 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Ernst Pinkert - vom Gastronom zum Zoodirektor
2.1. Kindheit und Jugend
2.2. Pinkert als Gastronom und Veranstalter in Leipzig
2.3. Die Anfänge des zoologischen Garten Leipzig
2.3.1. Der Ausbau des Zoologischen Gartens – Die ersten Jahre
2.3.2. Übergang in eine Aktiengesellschaft
2.3.3. Löwenzucht und Tierhandel im Leipziger Zoo
2.4. Ernst Pinkert - Ehrungen und Andenken
3. Völkerschauen – Eine Definition
3.1. Geschichte der Völkerschauen
3.2. Anwerbung der Schausteller
3.3. Inszenierung der Völkerschauen
3.4. Lebensbedingungen der Schausteller
4. Völkerschauen in Leipzig
4.1. Völkerschauen im Leipziger Zoo unter Ernst Pinkert
4.1.1. Beduinenkarawane
4.1.2. Lebende Bilder
4.1.3. „Kuriositäten“
4.2. Völkerschauen im Leipziger Zoo nach Ernst Pinkert
5. Kritik und Aufarbeitung der Völkerschauen im Leipziger Zoo
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit der deutschen Kolonialgeschichte anhand der Völkerschauen im Leipziger Zoo. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Rolle des Zoogründers Ernst Pinkert bei der Anwerbung und Inszenierung dieser Schauen sowie der heutigen kritischen Auseinandersetzung mit diesem kolonialen Erbe.
3.1. Geschichte der Völkerschauen
Die Geschichte der Völkerschauen lässt sich grob in drei Abschnitte teilen. Dabei entwickelten sie sich von den anfänglichen Ausstellungen „exotischer“ Menschen an den Höfen des Adels in Europa, über einer der Öffentlichkeit zugänglichen Präsentation auf Jahrmärkten, Zirkussen und Kolonialausstellungen hin zu den kommerziellen, akribisch geplanten und inszenierten Völkerschauen in Zoologischen Gärten.
Nachdem Menschen anderer Kulturen in der Zeit des Römischen Reiches und im Mittelalter vor allem als Sklaven und unterworfene Völker in Europa auftraten, wurden sie ab dem 14. Jahrhundert Teil des adlig-höfischen Lebens. Als „exotische“ Dienstboten arbeiteten sie als Henker, Trompeter, Trommler, Leibgardisten und als Angestellte in den fürstlichen Privatzoos. Der Besitz dieser Menschen diente der Repräsentation von Macht und dem Reichtum der Familien. Somit wurden an europäischen Adelshöfen unter anderem „Tupi-Indianer“, „Zwerge“ und „Krüppel“, Tahitianer und verschiedene „Afrikaner-Truppen“ ausgestellt. Ab dem 18. Jahrhundert entstanden zudem vermehrt Landschaftsgärten nach englischem Vorbild mit „chinesischen Pavillons“, „Türkenzelten“ und „Einsiedeleien“, wobei Menschen aus dem Ausland für das passende Ambiente sorgen sollten. Dass diese dabei häufig nicht zur eigentlichen Thematik des Gartens passten, war zu dieser Zeit noch nicht von großer Bedeutung. Nimmt man es genau, so haben die Ausstellungen von Menschen „fremder Völker“ zu dieser Zeit noch wenige Anknüpfungspunkte zu den großen Völkerschauen im 19. und 20. Jahrhundert, da sie vor allem die politische und kulturelle Überlegenheit der Aussteller verkörperten und nicht die Lebensweise der Menschen in möglichst authentischer Weise darstellen sollten.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle gesellschaftliche und politische Debatte über den Umgang mit dem deutschen kolonialen Erbe ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit.
2. Ernst Pinkert - vom Gastronom zum Zoodirektor: Das Kapitel bietet einen biografischen Überblick über den Werdegang Ernst Pinkerts vom Gastronom zum erfolgreichen Zoogründer und beleuchtet den Ausbau des Leipziger Zoos.
3. Völkerschauen – Eine Definition: Hier wird der theoretische Rahmen gesteckt, indem die historische Entwicklung, die Anwerbepraktiken, Inszenierungsformen und Lebensbedingungen der Schausteller definiert werden.
4. Völkerschauen in Leipzig: Dieser Hauptteil analysiert spezifisch die Völkerschauen im Leipziger Zoo, unterteilt in die Ära unter Pinkert sowie die Zeit danach, inklusive detaillierter Unterkategorien.
5. Kritik und Aufarbeitung der Völkerschauen im Leipziger Zoo: Das Kapitel untersucht die moderne Kritik an den Völkerschauen und die bisherige institutionelle Aufarbeitung dieser kolonialen Vergangenheit.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle Pinkerts und die Bedeutung der Völkerschauen für den Zoo zusammen und bewertet die heutige Auseinandersetzung mit diesem Erbe.
Ernst Pinkert, Leipziger Zoo, Völkerschauen, Kolonialgeschichte, Schausteller, Exotisierung, Inszenierung, Provenienzforschung, Kolonialismus, Rassismus, Zoogeschichte, Erinnerungskultur, Aufarbeitung, Kulturgeschichte, Migration.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Völkerschauen im Leipziger Zoo und dem Umgang des Zoodirektors Ernst Pinkert mit diesen sowie deren heutiger kritischer Aufarbeitung im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte.
Die zentralen Themen umfassen die Biografie Ernst Pinkerts, die strukturelle und historische Einordnung von Völkerschauen, die Bedingungen unter denen Schausteller arbeiteten und lebten, sowie die kritische Reflexion der kolonialen Kontinuitäten im heutigen Leipziger Zoo.
Das Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu Ernst Pinkert und den Völkerschauen in Leipzig abzubilden und neue Erkenntnisse hinsichtlich der kolonialen Verstrickungen und der gesellschaftlich-politischen Aufarbeitung dieses Erbes zu liefern.
Die Arbeit basiert primär auf einer quellenkritischen Analyse von Primärquellen wie Zeitungsberichten, Programmen und Dokumenten der Zooverwaltung sowie der Auswertung von Fachliteratur zur Kolonialgeschichte und Völkerschaukunde.
Im Hauptteil werden sowohl die allgemeine Entwicklung von Völkerschauen theoretisch definiert als auch die spezifische Historie im Leipziger Zoo analysiert, wobei detaillierte Beispiele wie die „Beduinenkarawane“ oder „Lebende Bilder“ untersucht werden.
Die wichtigsten Begriffe sind Ernst Pinkert, Leipziger Zoo, Völkerschauen, Kolonialismus, Aufarbeitung und Erinnerungskultur.
Die Schauen fungierten als wichtige Einnahmequelle und Marketinginstrument, um die Attraktivität des Zoos zu steigern und Besucherzahlen zu sichern, insbesondere in den Gründungsjahren und während finanzieller Engpässe.
Die Arbeit beleuchtet Pinkert ambivalent: Einerseits als erfolgreichen Unternehmer und Zoodirektor, andererseits als Akteur, der durch die Organisation rassistisch geprägter Völkerschauen aktiv von imperialen Stereotypen und der Ausbeutung von Menschen profitierte.
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