Masterarbeit, 2025
114 Seiten, Note: gut
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Forschungsfragen
1.4 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Wohnungslosigkeit und Forschungsstand
2.1.1 Wohnungslosigkeit in Österreich – Zahlen, Typologien, Zielgruppen
2.1.2 Junge Erwachsene als besondere Zielgruppe
2.1.3 Forschungslücken
2.1.4 Mangel an zielgruppenspezifischen Angeboten
2.2 Definitionen und Begriffe
2.2.1 Wohnungslosigkeit
2.2.2 Junge Erwachsene
2.3 Identitätsentwicklung und psychosoziale Bedingungen
2.3.1 Adoleszenz, Emerging Adulthood und neurobiologische Aspekte
2.3.2 Selbst- und Fremdbild
2.3.3 Bindung und Beziehungserfahrungen
2.3.4 Psychische Gesundheit
2.4 Betreuung und Wohnungslosigkeit
2.4.1 Ursachen und Risikofaktoren von Wohnungslosigkeit
2.4.2 Einrichtungen und Versorgungsstrukturen in Niederösterreich
2.4.3 Wohnfähigkeit und Wohnkompetenz
2.4.4 Das Stufenmodell
2.4.5 Housing First – Prinzipien und Umsetzung in Niederösterreich
2.4.6 Housing First for Youth (HF4Y)
2.5 Lebensweltorientierte Ansätze und partizipative Betreuung
2.5.1 Partizipation und Eigenverantwortung
2.5.2 Beziehung und Kontinuität
2.5.3 Strukturelle Barrieren und Anforderungen an Hilfen
3 Das Forschungsdesign
3.1 Methodik
3.1.1 Sampling – Junge Erwachsene und Fachkräfte
3.1.2 Leitfadengestützte Interviews und Interviewleitfäden
3.1.3 Transkription
3.1.4 Datenanalyse nach Kuckartz & Rädiker
3.2 Datenerhebung
3.2.1 Durchführung der Interviews
3.2.2 Ethische Aspekte
4 Ergebnisse
4.1 Selbstbild junger Erwachsener
4.1.1 Ressourcen und Lebenswelten
4.1.2 Ängste und Unsicherheiten
4.1.3 Wahrnehmung eigener Stärken und Schwächen
4.1.4 Psychische Verfassung
4.1.5 Familiäre Prägungen
4.1.6 Ambivalente Bindungen
4.1.7 Der Weg zu Abgrenzung und Selbstdefinition
4.1.8 Wohnungslosigkeit, Stigmatisierung und Identität
4.2 Fremdbild aus Sicht der Betreuer*innen
4.2.1 Wahrnehmung des Selbstbilds junger Erwachsener
4.2.2 Bedeutung der Wohnungslosigkeit für das Selbstbild
4.2.3 Gesellschaftliche Erwartungen an junge Erwachsene
4.3 Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdbild
4.3.1 Ressourcen vs. Defizite
4.3.2 Belastung vs. Bewältigung
4.3.3 Autonomie vs. Selbstständigkeit
4.3.4 Gesellschaftliche Erwartungen vs. Persönliche Realität
4.4 Betreuung und strukturelle Rahmenbedingungen
4.4.1 Erreichbarkeit vs. Dauer – Qualität der Beziehung
4.4.2 Bedarf vs. Lebensrealität – Anforderungen im Alltag
4.4.3 Beziehung vs. Fluktuation – Unterstützung und Stabilität
4.4.4 Flexibilität vs. Vorgaben – Gestaltung und Qualität von Angeboten
4.5 Herausforderungen und mögliche Lösungen in Niederösterreich
4.5.1 Herausforderungen vs. Potentiale– Lösungsansätze und Vorstellungen von „Zuhause“
4.5.2 Housing First: Konzept vs. Praxisrealität
4.5.3 Wohnen vs. Zuhause
5 Diskussion
5.1 F1: Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdbild
5.1.1 Selbstbeschreibung als aktiver Bewältigungsmodus
5.1.2 Defizitfokus im professionellen Blick
5.1.3 Einfluss gesellschaftlicher Erwartungen
5.1.4 Ergebnisbezogenes Resümee
5.2 F2: Barrieren der Fachkräfte
5.3 F3: Gewünschte Angebote aus Sicht der jungen Erwachsenen
5.4 F4: Optimierungsmöglichkeiten in Niederösterreich
6 Fazit
6.1 Zentrale Erkenntnisse der Arbeit
6.2 Beantwortung der Forschungsfragen
6.3 Kritische Reflexion
6.4 Empfehlungen für Praxis und Politik
6.5 Ausblick
Die Masterarbeit untersucht die Lebensrealitäten und Unterstützungsbedarfe junger wohnungsloser Erwachsener in Niederösterreich sowie die Herausforderungen, mit denen deren Betreuungskräfte konfrontiert sind. Das Ziel besteht darin, durch eine qualitative Gegenüberstellung von Selbst- und Fremdbild strukturelle Barrieren zu identifizieren und praxisorientierte Handlungsansätze für eine zielgruppengerechte Unterstützung zu entwickeln.
1.1 Problemstellung
Wohnungsnot stellt in Österreich ein wachsendes gesellschaftliches Problem dar, das insbesondere junge Erwachsene betrifft. Auch in Niederösterreich ist ein Anstieg von Wohnungslosigkeit und prekären Wohnverhältnissen bei Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren zu beobachten (vgl. Fernandez, 2018, S. 51).
Der Blick nach Wien ist in diesem Zusammenhang sinnvoll, da beide Bundesländer geografisch eng verbunden sind und zugleich sehr unterschiedliche Strukturen der Wohnungslosenhilfe aufweisen. Während Wien über ein breites Spektrum an jugendspezifischen Angeboten verfügt, zeigt sich in Niederösterreich eine strukturelle Lücke im Hilfesystem.
Die Gruppe junger wohnungsloser Erwachsener ist heterogen. Ein großer Teil stammt aus der stationären Jugendhilfe und wird als „Care Leaver“ bezeichnet (im Singular und Plural identisch). Dies sind junge Menschen, die Einrichtungen der Kinder–und Jugendhilfe verlassen und kurz vor dem Übergang in ein selbstständiges Leben stehen (vgl. Sievers et al., 2021, S. 9). Hinzu kommen Jugendliche aus ressourcenarmen Familien sowie solche, die trotz funktionierender Herkunftsfamilie aufgrund psychischer Erkrankungen wohnungslos geworden sind. Psychische Erkrankungen treten in dieser Gruppe besonders häufig auf und bedingen sowohl spezifische Unterstützungsbedarfe als auch gesellschaftliche Stigmatisierung (vgl. AG Junge Wohnungslose, 2021, S. 14).
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Wohnungslosigkeit junger Erwachsener ein, definiert die Forschungsziele und legt den Aufbau der Arbeit dar.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Begriffe, der Forschungsstand, entwicklungspsychologische Modelle sowie bestehende Hilfekonzepte wie das Stufenmodell und Housing First detailliert analysiert.
3 Das Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die qualitative Methodik, einschließlich des Samplings, der Interviewführung, der Transkription und der strukturierten Inhaltsanalyse nach Kuckartz & Rädiker.
4 Ergebnisse: Der empirische Teil präsentiert die erhobenen Daten, unterteilt in das Selbstbild der jungen Erwachsenen, das Fremdbild der Fachkräfte sowie die Analyse von Betreuungsstrukturen und Herausforderungen.
5 Diskussion: Hier werden die empirischen Befunde mit der theoretischen Literatur verknüpft, um die Diskrepanzen zwischen den Akteuren zu reflektieren und Optimierungspotentiale aufzuzeigen.
6 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, gibt Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis und skizziert den zukünftigen Forschungsbedarf.
Wohnungslosigkeit, junge Erwachsene, qualitative Forschung, Niederösterreich, Selbstbild, Fremdbild, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Care Leaver, Identitätsentwicklung, Wohnungsnot, Betreuungsstrukturen, Lebensweltorientierung, Hilfesystem, Partizipation
Die Arbeit analysiert die Lebenssituationen junger wohnungsloser Erwachsener in Niederösterreich und vergleicht deren eigene Wahrnehmung mit der Perspektive ihrer Betreuer*innen.
Im Zentrum stehen die Identitätsentwicklung junger Erwachsener, die Bedeutung von Bindungserfahrungen, die strukturellen Barrieren des Hilfesystems sowie die Auswirkungen von Wohnungslosigkeit auf das Selbstbild.
Das Hauptziel ist es, Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdbild aufzudecken und praxisnahe Ansätze zu entwickeln, um bestehende Unterstützungsstrukturen für diese vulnerable Zielgruppe nachhaltig zu verbessern.
Es handelt sich um eine qualitative Studie, die auf leitfadengestützten Interviews basiert. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker.
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu Adoleszenz und Wohnungslosenhilfe sowie einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Interviews zu Selbstwahrnehmung, Betreuungsalltag und strukturellen Hürden detailliert dargestellt werden.
Wesentliche Begriffe sind Wohnungslosigkeit, junge Erwachsene, Selbstbild, Fremdbild, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Care Leaver und Lebensweltorientierung.
Care Leaver stellen eine signifikante Untergruppe der jungen Wohnungslosen dar, deren Übergang aus der stationären Jugendhilfe in ein selbstständiges Leben aufgrund mangelnder Anschlussstrukturen häufig als besonders prekär beschrieben wird.
Die Ergebnisse zeigen, dass Fachkräfte oft einen Defizitfokus einnehmen, während die jungen Erwachsenen ihre eigene Resilienz betonen, was häufig zu Kommunikationsschwierigkeiten und Spannungen in der Betreuungspraxis führt.
Das "Zuhause" wird nicht rein als Wohnraum verstanden, sondern als ein emotionaler Ort der Sicherheit, Zugehörigkeit und Stabilität, der vielen jungen Menschen durch ihre Biografie bisher verwehrt blieb.
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