Masterarbeit, 2019
134 Seiten, Note: 2
1 Einleitung
I. Theoretischer Rahmen
2 Definition der Begriffe Bildung und Migration
2.1 Bildung
2.1.1 Erweiterter Bildungsbegriff
2.1.2 Bildungsorte und Lernwelten
2.1.3 Bildungssystem in Hamburg
2.2 Migrationsbegriff
3 Migration als Herausforderung für Bildung
3.1 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Bildungssystem
3.2 Erklärungsansätze für Bildungsunterschiede
4 Bildungsbiographie als theoretisches Rahmenkonzept
4.1 Die Rolle von Bildung für die Biographie
4.2 Ereignisse und Einbrüche innerhalb der Biographie
4.3 Begriffsbestimmung von Bildungsbiographie
II. Empirische Analyse
5 Qualitative Arbeit zu den Bildungswegen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
5.1 Zielvorstellung und Fragestellung
5.2 Forschungsfeld
5.3 Erhebungsmethode
5.4 Interviewvorbereitung und die Auswahl der Betroffenen
5.5 Datenauswertung
6 Ergebnisdarstellung der Einzelinterviews
6.1 Einzelfalldarstellung
6.1.1 Interview mit Nelly
6.1.2 Interview mit Jenny
6.1.3 Interview mit Sara
6.1.4 Interview mit Rezi
6.1.5 Interview mit Poyraz
7 Ergebnisse
8 Fazit
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die Untersuchung der Rolle des Migrationshintergrunds bei der Gestaltung von Bildungsbiographien von Jugendlichen aus Hamburg. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese Jugendlichen Ereignisse in ihrer Bildungsbiographie wahrnehmen, als Bestandteile ihres Bildungswegs bestimmen und ihnen Bedeutung zuschreiben.
6.1.1 Interview mit Nelly
Nelly ist 23 Jahre alt und ist in Russland geboren. Im Jahre 2000 ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert. Da sie in Russland in sehr ärmlichen Verhältnissen lebten, entschied sich der Vater, mit der ganzen Familie nach Deutschland zu kommen, damit seine Kinder in besseren Lebensverhältnissen aufwachsen: „Wir haben in ärmlichen Verhältnissen in einem Dorf gelebt. Für Jugendliche gab es keinerlei Perspektive. Das war auch der Grund warum meine Eltern nach Deutschland ausgewandert sind“ (Nelly, Z. 11–13).
Dadurch, dass die Interviewte vor der Erzählphase ihren eigenen Bildungsweg als Graph aufzeichnen sollte, konnte sie schnell eine Erzählstruktur finden. So begann sie mit der Grundschulzeit.
Besonders ist ihre frühe Kindheit in ihrer Seele zutiefst verankert. Dadurch, dass sie die Vorschulzeit in Deutschland nicht wirklich erleben konnte, fehlte ihr die deutsche Sprache und die soziale Umgebung. Als sie bei der Einschulung keine Schultüte dabei hatte, wusste sie, dass sie und ihre Familie anders sind und die Regeln, Traditionen und Umgebung anders sind als in Russland: „[…] für uns war alles Chinesisch. Wir hatten nichts verstanden. […] Ich hatte mich sehr, sehr ausgeschlossen gefühlt und ich hatte Angst, zur Schule zu gehen […]“ (Nelly, Z. 26–27). Jedoch wurde die Lücke schnell ausgefüllt, da Nelly von Nachmittagsbetreuungen profitieren konnte. Die Lehrkräfte bemühten sich, dass Nelly ihre sprachlichen Kompetenzen entwickelt. So erwähnt die Interviewte, dass man im jungen Alter schnell lernt und sie auch in wenigen Monaten „die Basics“ lernen konnte und „relativ schnell eine Freundin gefunden“ hatte (vgl. ebd., Z. 36).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund für die deutsche Gesellschaft und thematisiert die Forschungsfrage nach der Rolle des Migrationshintergrunds für Bildungsbiographien.
2 Definition der Begriffe Bildung und Migration: Dieses Kapitel erläutert theoretische Konzepte von Bildung als Zusammenspiel von Betreuung und Erziehung sowie den Migrationsbegriff im gesellschaftlichen Kontext.
3 Migration als Herausforderung für Bildung: Hier werden Daten zur Bildungsbeteiligung von Migrantenkindern dargestellt und Erklärungsansätze für Bildungsbenachteiligungen untersucht.
4 Bildungsbiographie als theoretisches Rahmenkonzept: Dieses Kapitel führt die Biographie als theoretisches Rahmenkonzept ein und definiert Bildungsbiographie als Prozess der Selbst- und Welterfahrung.
5 Qualitative Arbeit zu den Bildungswegen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Hier werden die methodischen Grundlagen der qualitativen Forschung, die Forschungsfrage, das Forschungsfeld und die Erhebungsmethode der narrativen Interviews dargelegt.
6 Ergebnisdarstellung der Einzelinterviews: Dieses Kapitel präsentiert die rekonstruierten Bildungsbiographien der fünf interviewten Jugendlichen (Nelly, Jenny, Sara, Rezi, Poyraz).
7 Ergebnisse: Basierend auf den Interviews werden induktive Kategorien entwickelt und in einem Kodierleitfaden strukturiert, um förderliche und hinderliche Faktoren aufzuzeigen.
8 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der theoretischen und empirischen Befunde und formuliert Thesen für pädagogische Ansätze.
Bildungsbiographie, Migrationshintergrund, Bildung, qualitative Sozialforschung, narrative Interviews, Schulerfolg, Bildungsgerechtigkeit, Biografiearbeit, soziale Herkunft, Bildungsbenachteiligung, Integration, Sozialisation, Hamburg, Identitätsbildung, institutionelle Diskriminierung.
Die Masterarbeit untersucht die Bildungsbiographien von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus deren eigener Perspektive und analysiert, welche Rolle dieser Hintergrund für ihren Bildungsweg spielt.
Zentrale Themen sind der Zusammenhang zwischen individueller Lebensgeschichte und gesellschaftlichen Strukturen, der Einfluss von Migration auf Bildungsprozesse, sowie die Bedeutung von Faktoren wie Familie, Lehrkräften und Freundeskreis.
Das Ziel ist zu erforschen, wie Jugendliche mit Migrationshintergrund Ereignisse in ihrer Bildungsbiographie wahrnehmen, bewerten und welche Bedeutung sie diesen als Bestandteil ihres Bildungswegs beimessen.
Die Autorin wendet qualitative Forschungsmethoden an, konkret biographisch-narrative Interviews, um subjektive Wirklichkeitskonstruktionen der Jugendlichen zu rekonstruieren und zu analysieren.
Im Hauptteil werden neben theoretischen Grundlagen (Bildungs- und Migrationsbegriff, Bildungsbiographie) vor allem die empirische Durchführung der Interviews sowie die Einzelfallanalysen und eine kategoriale Auswertung der Daten präsentiert.
Die wichtigsten Schlagworte sind Bildungsbiographie, Migrationshintergrund, qualitative Sozialforschung, Bildungsgerechtigkeit und soziale Herkunft.
Das soziale Umfeld, insbesondere das Milieu und das soziale Kapital der Eltern, spielt eine entscheidende Rolle. Die Interviews zeigen, dass finanzielle Notlagen oder ein niedrigerer Bildungsstand der Eltern die Unterstützungsmöglichkeiten einschränken können, was die Jugendlichen teilweise durch eigene Strategien auszugleichen versuchen.
Lehrkräfte werden ambivalent wahrgenommen: Einerseits als diskriminierend oder stigmatisierend erlebt, andererseits als entscheidende Bezugspersonen, die durch Wertschätzung und Unterstützung eine positive Lernmotivation und Selbstverwirklichung fördern können.
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