Magisterarbeit, 2010
138 Seiten, Note: 1,0
1. Fußball in Brasilien
1.1. Abriss der brasilianischen Fußballgeschichte
1.1.1. Hintergrund: Abschaffung der Sklaverei und Ausrufung der Republik
1.1.2. Ein englischer Sport kommt nach Brasilien
1.1.3. Fußball etabliert sich als Massensport
1.1.3.1. 1900–1910: Gründung der ersten Vereine
1.1.3.2. 1910–1930: Die Demokratisierung des Fußballs
1.1.3.3. Die 1930er Jahre: Amateure werden Profis
1.1.3.4. Die 1950er Jahre: Die Weltmeisterschaft kommt nach Brasilien
1.1.3.4.1. Bedeutung des Stadions
1.1.3.4.2. Die größte Niederlage des brasilianischen Fußballs
1.2. Fußball und die nationale Identitätsfrage
1.3. Rassismus im brasilianischen Fußball
1.4. Kapitalismus und Fußball: Die Frage des Neokolonialismus
1.5. Fußball als die Möglichkeit des sozialen Aufstieges
1.6. Fußball als Bindeglied der sozialen Klassen
2. Fußball in der brasilianischen Literatur
2.1. Historischer und kultureller Abriss der 1950er und 1960er Jahre
2.1.1. Von Vargas zum Militärputsch
2.1.2. Vom TBC zum CPC
2.2. Beziehung zwischen Literatur und Fußball
2.2.1. Panem et circenses? – Die Anfänge einer Polemik
2.2.2. Literarische Gattungen mit Thema Fußball
2.2.3. Theater und Fußball
2.3. Nelson Rodrigues
2.3.1. Vita Nelson Rodrigues`
2.3.1.1. Erste Schritte als Journalist
2.3.1.2. Ermordung Robertos
2.3.1.3. Die ersten Kontakte mit dem Theater
2.3.1.4. Von A vida como ela é... zu Meu personagem da semana
2.3.2. Crônicas Nelson Rodrigues`
2.3.2.1. Fußball in den crônicas
2.3.3. A falecida
2.3.3.1. Fußball als zentrales Thema in A falecida: Ein Tabubruch
2.3.3.2. Die Uraufführung – Ein Skandal
2.3.3.3. Umgangssprache wird zur Theatersprache
2.3.3.3.1. Fußballjargon: A gíria
2.3.3.3.2. Aufgabe der gíria
2.3.3.4. Vasco oder Ehefrau?
2.3.3.5. Vasco gegen Fluminense – Weit mehr als nur ein Fußballspiel
2.3.3.6. Fußballspieler im Theaterstück
2.3.3.6.1. Ademir
2.3.3.6.2. Carlyle
2.3.3.6.3. Funktionen der Spieler im Stück
2.4. Oduvaldo Vianna Filho
2.4.1. Leben und Werk Oduvaldo Vianna Seniors
2.4.2. Vita Vianinhas
2.4.3. Kindheit und Jugend
2.4.4. Vianinha in São Paulo: Die Zeit am Teatro de Arena
2.4.5. Die 1960er: Gründung des Centro Popular de Cultura
2.4.6. Schreiben als subversive Handlung
2.4.7. Chapetuba Futebol Clube
2.4.7.1. Chapetuba F.C.: Ein gesellschaftskritisches Werk?
2.4.7.2. Durval und Maranhão – Opfer des kapitalistischen Fußballsystems?
2.4.7.3. Os cartolas – Täter und Nutznießer eines ausbeuterischen Systems
2.4.7.4. Fußball als Metapher?
2.4.7.5. Umgangssprache als politisches Mittel zum Zweck?
2.4.7.6. Unbekanntheit als Prämisse einer politischen Botschaft
3. Chapetuba Futebol Clube versus A falecida
3.1. Verhältnis Vianinhas und Nelson Rodrigues`
3.1.1. Teatro de Arena versus Nelson Rodrigues
3.2. Gemeinsamkeiten der Theaterstücke
3.2.1. Struktureller Aufbau
3.2.1.1. Gliederung von Chapetuba Futebol Clube
3.2.1.2. Aufbau von A falecida
3.3. Unterschiede der Theaterstücke
3.3.1. Chronologische Abfolge der Handlung
3.3.2. Beweggründe des unmoralischen Handelns der Protagonisten
4. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Inszenierung des Fußballs in der brasilianischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Im Fokus stehen die Theaterstücke A falecida von Nelson Rodrigues und Chapetuba Futebol Clube von Oduvaldo Vianna Filho, deren unterschiedliche gesellschaftskritische und ästhetische Ansätze im historischen Kontext der 1950er Jahre analysiert und verglichen werden.
1.1.3.2. 1910–1930: Die Demokratisierung des Fußballs
Die aufkommende Begeisterung der Massen für den Fußballsport kann aber durch die hohen Reise- und Materialkosten nicht aufgehalten werden. Jugendliche der unteren Gesellschaftsschichten vergnügen sich mit ausgestopften Socken in den Auen der Städte und wohnen den Fußballspielen, wie Joel Rufino dos Santos es beschreibt, klandestin bei: »Os pobres – os que não tinham dinheiro para a bola, os uniformes e os ingressos – espiavam por cima do muro« (dos Santos 1981: 15). Einige der mittellosen, meist farbigen Spieler versuchen in den 1910er Jahren ihre dunkle Hautfarbe mit Hilfe von Puder zu verbergen, um so am Spielbetrieb der elitären Vereine teilnehmen zu können und sich vor rassistischen Angriffen zu schützen. Unter ihnen ist der Fluminense-Spieler Carlos Alberto, der, wie Mario Filho es eingehend beschreibt, seinem Verein aus diesem Grund den noch heute existierenden Beinamen pó-de-arroz (Puder)8 verleiht:
Tinha entrar em campo, correr para o lugar mais cheio de moças na arquibancada, parar um instante, levantar o braço, abrir a boca num hih, hip hurrah. Era o momento que Carlos alberto mais temia. Preparava-se para ele, por isso mesmo, cuidadosamente, enchendo a cara de pó-de-arroz, ficando quase cinzento.[...] E o ´Pó-de-arroz` acabou passando dele para o Fluminense. (Filho 2003: 60)
Immer mehr Menschen aus der ärmeren Arbeiterschicht begeistern sich für den Sport und fordern eine Demokratisierung des Fußballs. Martin Curi registriert, dass in den Arbeitervierteln der Großstädte São Paulo und Rio de Janeiro das Verlangen nach Unterhaltung angestiegen war und die Zuschauer der Fußballspiele nicht mehr an europäischstämmigen Spielern der Oberklasse interessiert waren.
1. Fußball in Brasilien: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Fußballs in Brasilien nach, von den elitären Anfängen bis hin zum Massensport und seiner Nutzung als politisches Instrument.
2. Fußball in der brasilianischen Literatur: Hier wird untersucht, wie Schriftsteller das Fußballphänomen in den 1950er und 1960er Jahren literarisch verarbeiteten und welche ästhetischen und gesellschaftskritischen Funktionen dem Sport dabei zugeschrieben wurden.
3. Chapetuba Futebol Clube versus A falecida: Dieser Abschnitt bietet einen direkten Vergleich der beiden Theaterstücke, wobei die unterschiedlichen Herangehensweisen von Nelson Rodrigues und Oduvaldo Vianna Filho in Bezug auf Struktur, Handlung und politische Intention beleuchtet werden.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass der Fußball trotz konträrer politischer Auslegungen durch die Autoren ein essenzielles Element zur Erforschung und Darstellung der brasilianischen Identität in der Literatur darstellt.
Brasilien, Fußball, Literatur, Theater, Nelson Rodrigues, Oduvaldo Vianna Filho, Gesellschaftskritik, Identität, Sportgeschichte, A falecida, Chapetuba Futebol Clube, Massenkultur, Politische Theater, Soziologie, Maracanã
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion des Fußballs in zwei bedeutenden brasilianischen Theaterstücken der 1950er Jahre und setzt diese in den Kontext der soziopolitischen Entwicklungen Brasiliens.
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte des brasilianischen Fußballs, die Entwicklung des nationalen Theaters, das Verhältnis von Literatur und Sport sowie die soziokulturellen Auswirkungen des Fußballs auf die Identitätsbildung.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Autoren den Fußball als Spiegel der Gesellschaft nutzen und welche politischen Absichten sie mit dieser thematischen Einbindung in ihre Dramen verfolgen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche und inhaltssoziologische Untersuchung durchgeführt, die historische Kontexte sowie die theatertheoretischen Ansätze der Autoren einbezieht.
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Genese des Fußballs in Brasilien, die politischen Hintergründe der 1950er/60er Jahre, Biografien der Autoren und eine detaillierte vergleichende Analyse von Nelson Rodrigues’ A falecida und Vianna Filhos Chapetuba Futebol Clube.
Brasilien, Fußball, Theater, Nelson Rodrigues, Oduvaldo Vianna Filho, Gesellschaftskritik und Identität sind die maßgeblichen Begriffe.
Der Begriff dient zur Erklärung des nationalen Schocks nach der WM-Niederlage 1950 und verdeutlicht, wie tief der Fußball das kollektive Selbstverständnis Brasiliens beeinflusst hat.
Rodrigues sieht im Fußball eine lebensbejahende, identitätsstiftende Kraft und ein "Ventil", während Vianna Filho den Fußball als korruptes, kapitalistisches Instrument betrachtet, das das Proletariat blendet und von der politischen Auflehnung abhält.
Das Maracanã symbolisiert für beide Autoren das Zentrum der nationalen Fußballhysterie und dient als Schauplatz, an dem gesellschaftliche Spannungen und individuelle Schicksale aufeinandertreffen.
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