Masterarbeit, 2010
126 Seiten
1. Einleitung
2. Das deutsche Passiv
2.1. Der aktuelle Stand der Passivforschung
2.2. Die Qual der Wahl: Definition(en) des Passivs und Kriterien für die Auswahl der brauchbaren Passivtheorien
2.3. Das Verbalgenus im Deutschen
2.3.1. Definition
2.3.2. Funktionen des Passivs
2.3.3. Typen von Passiv nach Ágel (1996a)
2.3.3.1. Die methodologische Grundlage für die Typologie
2.3.3.2. Die Passivtypen
2.3.4. Zusätzliche Passivtypen
2.3.5. Die Einzelbetrachtung der Passivtypen und das Problem der Passivierbarkeit
2.3.5.1. Passivbildung und Passivierbarkeit
2.3.5.2. Unpersönliches (subjektloses) Passiv
2.3.5.3. Reflexivpassiv
2.3.5.4. Das persönliche (subjekthaltige) Passiv
2.3.5.4.1. Das Akkusativpassiv
2.3.5.4.1.1. Bildungsmuster und Einschränkungen
2.3.5.4.1.2 Die Agensphrase
2.3.5.4.1.3. Die passiv-alternativen Konstruktionen (Passiv-Paraphrasen)
2.3.5.4.2. Zustandspassiv (sein-Passiv)
2.3.5.4.2.1. Restriktionen
2.3.5.4.2.2. Die Abgrenzung von formal gleichen Konstruktionen
2.3.5.4.3. Rezipientenpassiv (Dativpassiv)
2.3.5.4.3.1. Das vorgangsbezogene bekommen-Passiv (b-Passiv)
2.3.5.4.3.2.. Das zustandsbezogene haben-Passiv
3. Verbalgenera im Russischen
3.1. Reflexive Verben
3.2. Das russische Passiv: Die Formenbildung
3.3 Die Passivierung: Voraussetzungen und Restriktionen
3.3.1. Das synthetische Passiv mit reflexiven Verben
3.3.2. Das analytische Passiv aus быть und passivischen Partizipien
3.3.3. Der Vergleich und die Verwendung von deutschen und russischen Passiva
4. Die Textanalyse
4.1. Kriterien für die Auswahl der Texte
4.1.1. Deutsch-Russisch
4.1.2. Russisch-Deutsch
4.1.3 Die Frage der Vergleichbarkeit beider Texte
4.2. Die Vorgehensweise
4.3. Methodologische Einschränkungen
4.4. Die Auswertung von Analyseergebnissen
4.4.1. Agentivität und Transitivität
4.4.2. Menschliches vs. nicht menschliches Agens im unpersönlichen Passiv
4.4.3. Der Kontext
4.4.4. Der ‚passiv-fördernde‘ Kontext: Theorie
4.4.5. Der restriktive Kontext: Was kann die Passivierung verhindern?
4.4.6. Ereignisperspektivierung: Die Perspektive als Restriktion
4.5. Deutscher Text
4.5.1. Das ‚reale‘ Passiv im deutschen Original
4.5.2. Das ‚potentielle‘ Passiv im Roman Das Parfüm
4.5.2.1 Passivfähig im deutschen Originaltext
4.5.2.2 Passivfähig in der russischen Übersetzung
4.5.2.3 Passivunfähig im deutschen Originaltext
4.5.2.4 Passivunfähig in der russischen Übersetzung
4.6. Der russische Text
4.6.1. Das ‚reale‘ Passiv im Eisbrecher
4.6.2. Passivfähig im russischen Originaltext
4.6.2.1. Passivfähig in der deutschen Übersetzung
4.6.2.2. Passivunfähig im russischen Originaltext (Ледокол)
4.6.2.3. Passivunfähig in der deutschen Übersetzung von Dem Eisbrecher
4.7. Die Gesamtauswertung der Analyseergebnisse
4.7.1. Die Übersetzung des ‚realen‘ Passivs im Originaltext in die jeweils andere Sprache
4.7.2. Das ‚potentielle‘ Passiv im Deutschen und im Russischen
4.7.2.1 Die passivfähigen Aktivsätze
4.7.2.2 Die passivunfähigen Aktivsätze
4.7.2.3. Fazit
5. Zusammenfassung
5.1. Resümee I (zum Anliegen der Arbeit)
5.2. Resümee II: Schlussbemerkungen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht im kontrastiven Vergleich das deutsche und russische Verbalgenus hinsichtlich der Verwendung des Passivs. Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob das verbale Paradigma des Deutschen in Bezug auf die Diathese variabler ist als das des Russischen und inwiefern sich dies in der Übersetzung von belletristischer Literatur widerspiegelt.
1. Einleitung
Das Thema der vorliegenden Abhandlung ist das deutsche Verbalgenus im kontrastiven Vergleich mit dem im Russischen. Diese grammatische Kategorie, die auch häufig als Diathese bezeichnet wird, umfasst in beiden Sprachen zwei Formen: Aktiv und Passiv (vgl. Duden 2009: 543 sowie Kirschbaum 2001: 61).
Das Deutsche gilt bekanntlich als eine Sprache, in der das markierte Genus – das Passiv – relativ häufig vorkommt (vgl. Krušel’nickaja 2008: 169ff). Im Russischen wird das Passiv wesentlich seltener verwendet, was sich auch in der Übersetzung aus einer Sprache in die andere widerspiegelt – so lautet zumindest ein notorisches Klischee über das Verhältnis der Verbalgenera in beiden Sprachen (vgl. bspw. Mihajlova/Šendels 1969: 126). Und wie auch viele andere Klischees, muss dieses nicht unbedingt wahr sein, es ist aber nicht umsonst entstanden, sondern sollte zumindest teilweise stimmen. Genau diese Frage wird in der vorliegenden Arbeit behandelt.
An dieser Stelle möchte ich vom Thema kurz abschweifen, um die Grundidee dieser Arbeit klarzumachen, aus der die Arbeitshypothese gefolgert wird. Seit der Zeit der griechischen Antike sind die Meinungen bekannt, die Sprache als wichtigstes Charakteristikum des Menschen betrachten (vgl. Trabant 2009: 7-10). In der modernen Wissenschaft gilt dies als generell anerkannt (vgl. Lyons 1983: 12). Sprache ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation, sondern sie stellt die Grundlage aller kognitiven Prozesse dar (vgl. Trabant 2009: 15).
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Hypothese, dass das deutsche verbale Paradigma in Bezug auf die Diathese variabler ist als das russische.
2. Das deutsche Passiv: Detaillierte theoretische Auseinandersetzung mit dem Passiv im Deutschen, seinen Typen und den Bedingungen der Passivbildung.
3. Verbalgenera im Russischen: Analyse der passivischen Strukturen im Russischen, ihrer Abhängigkeit vom Aspekt und spezifischer Restriktionen.
4. Die Textanalyse: Empirische Untersuchung der Passivverwendung in einem zweisprachigen Textkorpus, unterteilt in reale und potentielle Passivstrukturen.
5. Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse, die die Tendenz zum Passiv im Deutschen bestätigen und die sprachspezifischen Unterschiede erläutern.
Verbalgenus, Passiv, Diathese, Kontrastive Linguistik, Deutsch, Russisch, Passivierung, Agentivität, Transitivität, Textanalyse, Belletristik, Geschehensperspektive, Handlungsperspektive, Sprachvergleich, Grammatik.
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem kontrastiven Vergleich der grammatischen Kategorie des Verbalgenus, speziell der Passivkonstruktionen, zwischen der deutschen und der russischen Sprache.
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung des Passivs in beiden Sprachen, die Analyse der Passivbildungsregeln und deren Restriktionen sowie die empirische Untersuchung des Passivgebrauchs in literarischen Texten.
Das Hauptziel ist die Untersuchung, ob das deutsche verbale Paradigma hinsichtlich der Diathese variabler ist als das russische, und wie sich dies durch eine kontrastive Analyse von Originaltexten und Übersetzungen belegen lässt.
Es wird eine kontrastive Textanalyse angewandt, wobei ein Korpus aus belletristischen Originaltexten und deren Übersetzungen in die jeweils andere Sprache auf das reale und potentielle Passiv untersucht wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu den Passivsystemen beider Sprachen sowie den praktischen Analyseteil, in dem Passivsätze und potentielle Passivierungsstellen in den Texten ausgewertet werden.
Die wichtigsten Begriffe sind Verbalgenus, Passiv, Diathese, Kontrastive Linguistik, Passivierung und Agentivität.
Die Belletristik wird als repräsentativ für die Schriftsprache angesehen, da sie sowohl konzeptuelle als auch mündliche Elemente enthält und somit ein breiteres Spektrum des natürlichen Sprachgebrauchs abbildet als beispielsweise Gesetzestexte.
Der Kontext fungiert als restriktiver Faktor; er entscheidet darüber, ob eine an sich grammatisch mögliche Passivkonstruktion im aktuellen Sprachgebrauch adäquat erscheint oder als unnatürlich empfunden wird.
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