Bachelorarbeit, 2010
75 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Jugendsprache
2.1 Begriffsbestimmung
2.1.1 Jugend
2.1.2 Sprache und Standardsprache
2.1.3 Jugendsprache
2.2 Funktionen
2.3 Sprachliche Besonderheiten
2.4 Die historische Entwicklung der jugendsprachlichen Lexik
2.4.1 60er Jahre
2.4.2 80er Jahre
2.4.3 Aktuelle Entwicklungen
3. Jugendzeitschriften
3.1 Zielgruppe
3.2 Merkmale von Jugendzeitschriften
3.3 Die Jugendzeitschrift „Bravo“
3.3.1 Entwicklung
3.3.2 Thematische Schwerpunkte
3.3.3 Journalistische Umsetzung
4. Empirische Untersuchung der lexikalischen Veränderungen der Jugendsprache
4.1 Auswahl und Begründung der Untersuchungsgegenstände
4.2 Leitfragen und methodisches Vorgehen
4.3 Ergebnisse der Untersuchung
4.3.1 Textkorpus 1960
4.3.2 Textkorpus 1985
4.3.3 Textkorpus 2010
4.4 Vergleich und Erläuterung der Ergebnisse
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht diachronisch die Verwendung von jugendsprachlicher Lexik in der deutschen Jugendzeitschrift Bravo. Ziel ist es zu klären, welche Rolle die sprachliche Gestaltung für die Zielgruppenorientierung spielt und wie sich der Gebrauch jugendsprachlicher Phänomene über einen Zeitraum von 50 Jahren verändert hat.
2.1.1 Jugend
Unter dem Begriff Jugend versteht man ein „gesellschaftlich-historisches Phänomen“ (Griese 1987, 34), das sich im Laufe der Industrialisierung durch die komplexer werdende Gesellschaft und die verlängerten Ausbildungszeiten im soziologischen Sinne entwickelte (vgl. ebd., 45). Der Jugendliche befindet sich in der Altersrolle zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter, in der er nicht mehr als Kind anerkannt wird, ihm der volle Status eines Erwachsenen aber auch noch nicht zugesprochen wird (vgl. Bühler-Niederberger 2008, 11).
Ein offener Jugendbegriff, wie er in dieser Arbeit verwendet wird, bezieht neben der Jugend im engeren Sinne auch eine weitere Altersrolle mit ein, nämlich die Phase der Post-Adoleszenz (vgl. Neuland c 2008, 121). Diese wird auch als Nachjugend bezeichnet und befindet sich folglich zwischen dem Jugend- und dem Erwachsenenalter. Die Post-Adoleszenz ist ein Merkmal der heutigen konsumkapitalistischen Zeit, in welcher die post-adoleszenten Individuen zwar soziokulturell unabhängig sind, in Hinblick auf das Alter bzw. die Persönlichkeit, ökonomisch, d. h. finanziell, aber noch an andere Individuen gebunden sind (vgl. Griese 1987, 46 f.).
Die Phase der Jugend lässt sich nicht nach dem Alter abgrenzen, da Eintritt und Dauer bei jedem Individuum unterschiedlich ausgeprägt sind. So beginnt und endet die Suche nach der eigenen Identität bzw. die Ausbildung von individueller Persönlichkeit, durch die die Jugendphase geprägt ist (vgl. Nowottnick 1988, 22), bei jedem unterschiedlich. Die Medien stellen dabei „einen entscheidenden und integrativen Sozialisationsfaktor im Lern- und Entwicklungsprozeß Heranwachsender dar, der sich sprachlich überdeutlich manifestiert“ (Ehmann 1992, 116).
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Beliebtheit von Jugendzeitschriften und formuliert die zentrale Fragestellung, auf welche Weise die Jugendsprache in der Bravo verwendet wird und ob sich dieser Gebrauch im Laufe der Zeit verändert hat.
2. Die Jugendsprache: Dieses Kapitel definiert Jugendsprache soziolinguistisch als heterogene Erscheinung, die durch Kreativität und Gruppenspezifik geprägt ist, und erläutert deren Funktionen sowie die methodischen Herausforderungen bei der Erfassung sprachlicher Besonderheiten.
3. Jugendzeitschriften: Dieser Abschnitt beleuchtet die Rolle der Medien als Vermittler von Jugendkultur und analysiert das journalistische Konzept der Bravo, das Identifikationsangebote schafft, um eine enge Bindung zur Zielgruppe aufzubauen.
4. Empirische Untersuchung der lexikalischen Veränderungen der Jugendsprache: Hier wird anhand eines Textkorpus aus drei verschiedenen Jahrzehnten quantitativ und qualitativ untersucht, welche jugendsprachlichen Lexeme in der Bravo vorkommen und wie sie sich in die Kategorien Entlehnung, Neubedeutung und Neubildung einordnen lassen.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Bravo nur in geringem Maße echte Jugendsprache verwendet, um ein breites Publikum anzusprechen, und unterstreicht die Problematik, dass Medien eine eigene, teils konstruierte Form der Jugendsprache verbreiten.
Jugendsprache, Jugendzeitschriften, Bravo, Soziolinguistik, Sprachwandel, Medienanalyse, Lexik, Neubildungen, Neubedeutungen, Entlehnungen, Jugendsubkultur, Identitätsbildung, Konsumorientierung, Standardisierung, Varietäten
Die Arbeit untersucht den Gebrauch jugendsprachlicher Wörter und Ausdrücke in der Jugendzeitschrift Bravo und analysiert, wie sich dieser Sprachgebrauch über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Im Zentrum stehen die soziolinguistische Definition von Jugendsprache, die Rolle von Jugendzeitschriften als Mediensysteme sowie die empirische Analyse von Textkorpus-Daten aus den Jahren 1960, 1985 und 2010.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Bravo als auflagenstarke Zeitschrift Sprache einsetzt, um Jugendliche anzusprechen, und ob sie dabei tatsächlich die reale Jugendsprache abbildet oder eher medial konstruierte Sprachmuster verwendet.
Die Arbeit nutzt eine empirische, korpusbasierte Analyse, bei der ausgewählte Zeitschriftenartikel auf das Vorkommen jugendsprachlicher Lemmata geprüft und diese anschließend in linguistische Kategorien wie Entlehnung oder Neubedeutung eingeordnet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Jugendsprache und zu Jugendmedien sowie in eine empirische Studie, die den prozentualen Anteil jugendsprachlicher Begriffe in der Bravo über einen Zeitraum von 50 Jahren vergleicht.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Jugendsprache, Sprachwandel, Medienlinguistik, empirische Analyse, Varietäten und das spezifische Fallbeispiel der Bravo.
Dies lässt sich vermutlich mit der Entstehungsphase des Jugendzeitschriftenmarktes erklären, in der die Publikationen noch stärker von pädagogischen Idealen und weniger von expliziter "Szenensprache" geprägt waren.
Die Zeitschrift fungiert als Vorbild, indem sie neue Begriffe populär macht. Dennoch zeigt die Arbeit, dass die Bravo eher einer "Verteilersprache" bedarf, die verständlich bleiben muss, weshalb der Anteil an extremer Jugendsprache gering gehalten wird, um keine Leserschichten zu verärgern.
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