Diplomarbeit, 2001
97 Seiten, Note: 2
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundkonzepte der Zinsstruktur
2.1 Terminologie
2.1.1 (Null-)Kupon-Anleihen
2.1.2 Zinssatz
2.1.3 Zinsstruktur
2.2 Zinsstrukturtheorien
2.2.1 Traditionelle Theorien
2.2.2 Neuere Theorien
3 Nichtparametrische statistische Verfahren
3.1 Eindimensionale Zufallsgrößen
3.1.1 Kernschätzung der unbedingten Dichte
3.1.2 Kernschätzung der bedingten Verteilung
3.1.3 Kriterien für die Güte von Dichteschätzungen
3.1.4 Bandbreitenwahl
3.1.5 Nichtlineare Regression
3.2 Mehrdimensionale Zufallsgrößen
3.2.1 Kernschätzung multivariater unbedingter Dichten
3.2.2 Bandbreitenwahl
3.2.3 Dimensionsreduktion: Hauptkomponentenanalyse
4 Anwendung auf die Zinsstruktur
4.1 Datenbasis und Konstruktion der Zinsstruktur
4.1.1 Interpolation
4.1.2 Die effektiv verzinsten Periodenlängen α(T1,T2)
4.1.3 Berechnung der Bondpreise (Diskontfaktoren) B(T0,T1)
4.1.4 Nullkupon-DM-LIBOR-Kurve R(T0,T)
4.2 Nichtparametrische Modellierung der Zinsstruktur
4.2.1 Beziehungen zwischen Fristigkeiten
4.2.2 Markow-Eigenschaft der Zinsstruktur
4.2.3 Modell-Matrix
4.2.4 Modell 1: Univariate unbedingte Schätzung
4.2.5 Modell 2: Univariate bedingte Schätzung
4.2.6 Modell 3: Multivariate unbedingte Schätzung
4.2.7 Modell 4: Multivariate bedingte Schätzung
5 Schlußbetrachtungen
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick
6 Anhang
6.1 Funktionen in VBA EXCEL
6.1.1 Kernfunktionen
6.1.2 Schätzung der unbedingte Dichtefunktion und Kreuzvalidierung
6.1.3 Regressogramm, Kreuzvalidierung, Schätzfehler von Shibata und Rice
6.1.4 Bedingte Dichtefunktion und Kreuzvalidierung
6.1.5 Bivariate Dichtefunktion
6.2 Ausgangsdaten
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit nichtparametrischer statistischer Verfahren zur Schätzung der Zinsstruktur. Das primäre Ziel besteht darin, die theoretischen Konzepte dieser Methoden systematisch darzustellen und deren Leistungsfähigkeit sowie Grenzen durch eine praktische Anwendung auf historische DM-LIBOR-Zinsdaten (1967–2000) zu evaluieren.
1.1 Problemstellung
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen Bedeutung, Möglichkeiten und Grenzen nichtparametrischer Verfahren bei der Schätzung der Zinsstruktur.
Die Zinsstruktur gibt den funktionalen Zusammenhang zwischen der Rendite von Nullkuponanleihen (ohne Kreditrisiko) und ihren Laufzeiten wieder. Als Grundlage zur Bewertung von zinsabhängigen Finanzinstrumenten haben Zinsstrukturmodelle einen zentralen Platz in der Finanztheorie eingenommen. Bei traditionellen Zinsstrukturmodellen werden Gleichgewichtsannahmen getroffen und daraus Wechselwirkungen zwischen kurz- und langfristigen Zinssätzen zu einem bestimmten Zeitpunkt gefolgert. Sie haben demnach zwar eher statischen Charakter, spielen jedoch bei intuitiven Überlegungen eine wesentliche Rolle. Zu den wichtigsten traditionellen Theorien zählen die Erwartungstheorie, die Liquiditätstheorie, die Marktsegmentierungstheorie sowie die Preferred Habitat Theorie. Der steigende Bedarf nach Absicherungsmöglichkeiten gegen Veränderungen der Zinsstruktur hat seit den letzten Jahrzehnten dazu geführt, daß die Bedeutung von Zinsderivaten wie Caps, Floors, Swaps oder Swaptions ständig wächst. Für die Bewertung solcher Termingeschäfte werden Modelle gebraucht, die Bewegung der Zinskurve beschreiben, so daß neben einigen portfolioorientierten Theorien eine Vielzahl zeitstetiger/-diskreter neuerer Zinsstrukturtheorien entwickelt wurden, die den zeitlichen Verlauf der Zinssätze als stochastischen Prozeß ausweisen. Das wesentliche Charakteristikum zeitstetiger/-diskreter Modells ist somit die Definition der Prozeßgleichung. Sehr häufig wird nach möglichst allgemeingültigen Gleichungen gesucht, deren Parameter aus Vergangenheitsdaten geschätzt werden können. Allgemeinheit setzt schwache Annahmen voraus und erschwert für gewöhnlich die Schätzung der Parameter.
Nichtparametrische statistische Methoden erfordern vergleichsweise wenig einschränkende Voraussetzungen und halten so das Risiko der Fehlmodellierung klein. Deshalb finden diese Verfahren in der Wissenschaft immer mehr Beachtung. Nichtparametrische Dichteschätzung, Regression und Autoregression werden in vielen Aufsätzen intensiv behandelt. Dabei ist die Forschung auf dem Gebiet noch lange nicht abgeschlossen. Insbesondere die Probleme der Bandbreitenwahl, Biasreduktion, Randkerne und Konferenzschätzung sind nicht gelöst. Vorteil nichtparametrischer statistischer Verfahren ist, daß keine Verteilungsannahme getroffen wird, sich ein Robustheitsproblem folglich nicht stellt.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Zinsstrukturschätzung ein und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2 Grundkonzepte der Zinsstruktur: Hier werden die theoretischen Grundlagen, wichtige Definitionen und die klassischen sowie neueren Zinsstrukturtheorien dargelegt.
3 Nichtparametrische statistische Verfahren: Dieses Kapitel behandelt die mathematischen Methoden der Kernschätzung und Regression sowie die Optimierungsparameter wie die Bandbreitenwahl.
4 Anwendung auf die Zinsstruktur: Der praktische Teil der Arbeit wendet die zuvor erläuterten Verfahren auf die DM-LIBOR-Marktdaten an, um verschiedene Modelle zur Zinsstrukturschätzung zu konstruieren.
5 Schlußbetrachtungen: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten gegeben.
6 Anhang: Der Anhang enthält die konkreten VBA-Funktionen, die für die Berechnungen der Schätzverfahren in EXCEL verwendet wurden.
Zinsstruktur, Nichtparametrische Statistik, Kernschätzung, Dichteschätzung, Bandbreitenwahl, DM-LIBOR, Nullkuponanleihe, Regression, Finanzmathematik, Markow-Prozess, Hauptkomponentenanalyse, Finanzderivate, Stochastik, Zinssatz, Zeitstetige Modelle.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schätzung der Zinsstruktur mittels nichtparametrischer statistischer Verfahren anstelle traditioneller parametrischer Modelle.
Die Schwerpunkte liegen auf den theoretischen Grundlagen der Zinsstruktur, nichtparametrischen Schätzmethoden wie der Kernschätzung sowie deren praktischer Anwendung auf historische LIBOR-Zinssätze.
Das Ziel ist es, den Nutzen und die Grenzen nichtparametrischer Verfahren bei der Zinsstrukturanalyse zu evaluieren, da diese Methoden ohne strenge Verteilungsannahmen auskommen.
Es kommen vorwiegend Methoden der nichtparametrischen Statistik zum Einsatz, insbesondere die Kernschätzung (Dichte- und Verteilungsschätzung) sowie Verfahren zur Dimensionsreduktion wie die Hauptkomponentenanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der statistischen Verfahren und deren anschließende Anwendung auf reale DM-LIBOR-Daten, wobei verschiedene Modelle (univariate/multivariate Schätzungen) getestet werden.
Zu den zentralen Begriffen gehören Zinsstruktur, nichtparametrische Statistik, Kernschätzung, Bandbreitenwahl, LIBOR-Kurven und die Modellierung stochastischer Prozesse.
Die Hauptkomponentenanalyse wird genutzt, um die Dimension der hochdimensionalen Zinsstrukturdaten zu reduzieren, damit nichtparametrische Schätzmethoden überhaupt anwendbar werden.
Die Kreuzvalidierung dient der empirisch fundierten Bestimmung der optimalen Bandbreite, da die theoretisch optimale Bandbreite oft von unbekannten Funktionen abhängt.
Die Daten werden durch Interpolationsverfahren ("Curve-Stripping") aufbereitet, um stetige Zinskurven bzw. Nullkuponraten zu konstruieren, die als Basis für die nichtparametrische Analyse dienen.
Die Markow-Eigenschaft wird in den bedingten Modellen vorausgesetzt, um die zukünftige Entwicklung der Zinsstruktur auf Basis des aktuellen Stands modellieren zu können.
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