Diplomarbeit, 2002
83 Seiten, Note: 2,0
1 EINLEITUNG
1.1 Anfangs ein Paradoxon - Überlegungen zu dieser Arbeit
2 LANDSCHAFTS- UND NATURWAHRNEHMUNG IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN ABSOLUTISMUS UND AUFKLÄRUNG
2.1 Ideallandschaft – Annährungen und Abgrenzungen
2.1.1 Wurzeln des Landschaftsbegriffs
2.1.2 Landschaft als ästhetische Schöpfung?
2.1.3 Die Vorstellung des Vollkommenen
2.2 Ideallandschaft im Absolutismus – Feudalherrschaft in Wechselwirkung mit Mythos und Natur
2.2.1 Absolutistische Weltanschauung und verwandte Sichtweisen
2.2.2 Römisches Ideal und klassische Bildungsreise
2.2.3 Zwinggeister der Natur
2.3 Die „vernünftige Effektivität“ der Aufklärung – Technik als Gegenmacht zur Natur
2.3.1 Das Aufkommen moderner Wissenschaft
2.3.2 Operationalisierung der Natur
2.3.3 Übergang zur technisch-industriellen Praxis
2.4 Schnittpunkt zweier Weltanschauungen
3 HERKUNFT UND BEDEUTUNG DES „SCHWEIZ“-BEGRIFFS
3.1 Von der terra incognita zur terra scientia – die landschaftliche Entdeckung der Schweizer Alpen
3.1.1 Leidvolle Gebirgserfahrungen
3.1.2 Hort des Aberglaubens
3.1.3 Erhabenheit des Hochgebirges
3.2 Die Alpen im Spiegel wissenschaftlicher und ideeller Anschauung
3.2.1 Wissenschaftliche Grenzgänge
3.2.2 Die Bergwelt als freier und sittlicher Ort
3.3 Die Heraufkunft des „Schweiz“-Motivs
3.3.1 Natursehnsucht und Empfindsamkeit
3.3.2 Echte Empfindsamkeit oder bloße Affektion?
3.4 Der Blick auf die Schweiz in CHR. C. L. HIRSCHFELDS Reiseschilderungen
3.4.1 Von der Tatsachenbeschreibung...
3.4.2 ... zum Topos „Schweiz“
3.5 Epochenphänomen „Schweiz“ - verbreitetes Wunschbild und Qualitätssiegel
4 DIE WERDUNG DER „HOLSTEINISCHEN SCHWEIZ“
4.1 Einführung in die Region Ostholstein
4.1.1 Naturräumliche Gliederung und Lage
4.1.2 Kurzer Einblick in die Geschichte Ostholsteins
4.2 Entstehung und Veränderung der Kulturlandschaft Ostholsteins
4.2.1 Landschaftsentwicklung bis zur frühen Neuzeit
4.2.2 Landeskulturelle Veränderungen im 18. Jahrhundert
4.3 „Holstein, mit Schönheiten geschmückt...“ – CHR. C. L. HIRSCHFELD und die Erfahrbarmachung der Idylle
4.3.1 Der Werdegang des jungen HIRSCHFELD
4.3.2 Dasein auf dem Land als Kritik der höfischen Lebensart
4.3.3 Ostholstein, idyllischer Garten der Natur
4.3.4 Heitere und melancholische Landstriche
4.4 Holstein und das Gütesiegel „Schweiz“ – Betrachtung unter ideell-ästhetischen und materiellen Gesichtspunkten
4.4.1 Indienststellung der „Schweiz“ als Mittel zum Zweck?
4.4.2 Reisebeschreibungen mit „Schweizer“ Prädikat
4.4.3 Holstein und die Schweiz - unterschiedliche Landschaftstypen...
4.4.4 ...aber verfestigtes Wahrnehmungsmuster in den Köpfen
4.5 Vom idealisierten Raum zur gemalten ostholsteinischen Landschaft
4.5.1 Eine Gegend ohne bildkünstlerischen Wert?
4.5.2 Herzog PETER FRIEDRICH LUDWIG und das „Weimar des Nordens“
4.5.3 Gemaltes Ostholstein – die Inwertsetzung eines Ideals
5 DIE TOURISTISCHE ERSCHLIESSUNG DER „HOLSTEINISCHEN SCHWEIZ“ IM 19. JAHRHUNDERT
5.1 Vom Reisetagebuch zum Reiseführer
5.1.1 Ruchbare Idylle – gestörte Andacht
5.1.2 Frühtouristische Reiseorganisation
5.1.3 Die ersten Reisehandbücher
5.2 Die ostholsteinische Eisenbahn – touristischer Erschließungsstrang
5.2.1 Das Beförderungswesen um 1800
5.2.2 Das Aufkommen der Schienenverbindungen
5.2.3 Bahnverbindungen und Reisekultur in Ostholstein
5.3 Klares Wasser und saubere Luft– die Fremdenverkehrswirtschaft „entdeckt“ Schweizer Güte in Ostholstein
5.3.1 Anfänge der Dampfschiffahrt
5.3.2 Altertümliche Schenken und moderne Hotelbetriebe
5.3.3 „Gesunde Gebirgsluft“ – Ostholstein im Spiegel der Tourismusbranche
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
6.1 Zusammenfassung
6.2 Danksagung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Entstehung und Verbreitung der Gebietsbezeichnung „Holsteinische Schweiz“. Ziel ist es zu analysieren, wie sich dieses spezielle Landschaftsverständnis, das ursprünglich mit der alpinen Schweiz verknüpft war, im Kontext des gesellschaftlichen und kulturellen Wandels um 1800 auf die norddeutsche Region Ostholstein übertragen ließ.
Die Vorstellung des Vollkommenen
Unter einem Ideal versteht man gemeinhin den Inbegriff der Vollkommenheit, ein Wunschbild, dem alle positiven Vorstellungen bezüglich einer Sache zugrunde liegen. Die idea führt also prinzipiell eine von physikalisch erfaßbarer Existenz unabhängiges Dasein. Die Vorstellung von Makellosigkeit wandelt sich unter dem Voranschreiten des Zeitpfeils, da jeder Epoche bestimmte Ideen und Tendenzen eingegeben sind.
In der Literatur wurden „Ideal“ und „Landschaft“ zu einem spezifischen Terminus der Malerei verschmolzen, um so Ideallandschaft oder Ideale Landschaftsmalerei als Bildgattung einzuführen. Hierunter ist primär ein Kompositionstypus zu verstehen, der als neues künstlerisches Feld entwickelt wurde - erstmals verortbar im Italien der Spätrenaissance. Der Begriff „Ideallandschaft“ wird heute meist spezifisch mit einer malerischen Periode im 17. Jahrhundert sowie deren Weltsicht verknüpft und damit als einheitliches Geschehen kenntlich gemacht.
Jene spezielle Bindung an Personen, Raum und Funktion engt den Ausdruck „Ideallandschaft“ stark ein. Die sinnstiftende Bedeutung des Ideals als visionäre Vorstellung von Dingen unserer Umwelt geht dadurch verloren. Man muß „Ideal Landschaft“ weiter fassen, soll der ganzheitlich-vollkommene Anspruch an einen Naturausschnitt, geschaut durch Filter von Wertungen und Stimmungen, nicht verloren gehen. Ideallandschaft im weiteren Sinne entsteht zuvorderst als innerweltliches, geistiges Konstrukt. Nachgeordnet gewinnt sie funktionellen Charakter, indem äußere, mitteilbare Formen wie Wort, Schrift oder Bild zur Übersetzung gewählt werden. Abschließend tragen Auffassung und Reflektion zur endgültigen Werdung von Ideallandschaft bei.
1 EINLEITUNG: Der Autor erläutert das Paradoxon des Begriffs „Holsteinische Schweiz“ und stellt die topographischen sowie geologischen Unterschiede der beiden Teilräume gegenüber.
2 LANDSCHAFTS- UND NATURWAHRNEHMUNG IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN ABSOLUTISMUS UND AUFKLÄRUNG: Dieses Kapitel analysiert, wie sich der Begriff „Landschaft“ ästhetisch wandelte und welche Rolle aufklärerisches Denken bei der technokratischen Naturbeherrschung spielte.
3 HERKUNFT UND BEDEUTUNG DES „SCHWEIZ“-BEGRIFFS: Es wird untersucht, wie die Alpen von einer „terra incognita“ zu einem positiven ästhetischen Topos wurden und welche Rolle Autoren wie Rousseau und Haller dabei spielten.
4 DIE WERDUNG DER „HOLSTEINISCHEN SCHWEIZ“: Hier wird die regionale Entwicklung Ostholsteins unter besonderer Berücksichtigung von C. C. L. Hirschfeld und der ästhetischen Idealisierung durch Kunst und Literatur betrachtet.
5 DIE TOURISTISCHE ERSCHLIESSUNG DER „HOLSTEINISCHEN SCHWEIZ“ IM 19. JAHRHUNDERT: Das Kapitel beschreibt den Einfluss von Eisenbahn, Schifffahrt und frühen Reiseführern auf die Etablierung des Tourismus und die Kommerzialisierung des Begriffs.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Danksagung an die Förderer der Arbeit.
Holsteinische Schweiz, Ideallandschaft, Naturwahrnehmung, Aufklärung, Landschaftsästhetik, C. C. L. Hirschfeld, Tourismusgeschichte, Kulturgut, Alpen-Topos, 18. Jahrhundert, Regionalgeschichte, Landschaftsmalerei, Reisekultur.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entstehung und touristischen Etablierung des Begriffs „Holsteinische Schweiz“ als Epochenphänomen um 1800.
Zentrale Themen sind die Wandlung der Landschaftswahrnehmung in der Aufklärung, der Einfluss von Literatur und Malerei auf das Naturverständnis und die Entwicklung touristischer Infrastrukturen in Ostholstein.
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen ein eigentlich alpines Denkmuster auf norddeutsche Verhältnisse übertragen wurde, sodass „Holsteinische Schweiz“ zu einer allgemein anerkannten Gebietsbezeichnung avancierte.
Der Autor nutzt eine kulturhistorische Herangehensweise, indem er Literaturanalyse, geistesgeschichtliche Diskurse und die Untersuchung von Reiseschilderungen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Landschaftsbegriffs, die Bedeutung der Schweiz als Motiv in der Kunst und Literatur sowie die spezifische Umsetzung dieser Ideale auf die ostholsteinische Kulturlandschaft.
Schlüsselwörter sind unter anderem Holsteinische Schweiz, Ideallandschaft, C. C. L. Hirschfeld, Natursehnsucht, Tourismusgeschichte und Landschaftsästhetik.
Hirschfeld gilt als entscheidender Mentor der Region, dessen Schriften und ästhetische Theorien die ostholsteinische Seenplatte für ein breiteres Publikum als „reizende Gegend“ attraktiv machten.
Die Eisenbahn verkürzte die Reisezeiten massiv, vergrößerte die Transportkapazitäten und ermöglichte so dem aufstrebenden Bürgertum, die Region abseits von Residenzstädten zu bereisen und als Erholungsraum zu nutzen.
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