Bachelorarbeit, 2011
62 Seiten, Note: 1,1
1. ZUR EINFÜHRUNG
2. IMMIGRATION UND ARBEITSMARKT IN DEUTSCHLAND UNTER SPRACHTHEORETISCHEN BEDINGUNGEN
2.1. Arbeitsmigration und „Gastarbeiterdeutsch“
2.2. Sprachtheoretische Grundlagen unter individuellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
3. STAND DER FORSCHUNG
4. FELDFORSCHUNG
4.1. Die interviewten MigrantInnen
4.2. Das narrativ fundierte Interview: theoretische Grundlagen und praktische Herausforderungen im Umgang mit MigrantInnen
4.3. Die dokumentarische Methode
5. ERFAHRUNGEN MIT DER DEUTSCHEN SPRACHE AUF DEM ARBEITSMARKT
5.1. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt – oder „Ich hatte mit dem Meister erst mit Handzeichen kommuniziert dan hat er langsam erzählt“
5.2. Rechtliche Exklusion bei der Nicht-Anerkennung des ausländischen Bildungstitels – oder „ohne wenn und aber mindestens Deutsch C2“
5.3. Der sprachliche Umgang in interkulturellen Arbeitsgesprächen – oder „Ich verstehe nicht, können Sie nochmal sagen?“
5.4. Klassifizierung und Diskriminierung – oder „Sie hat mich so richtig zur Schnecke gemacht“
5.5. Die Kompensation von sprachlichen Fähigkeiten durch fachliche Kompetenzen – oder „Manchmal ist es auch nicht nur das Verstehen“
5.6. Abschließende Betrachtung
6. FAZIT UND AUSBLICK
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die praktischen Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund im Umgang mit der deutschen Sprache als Zweitsprache auf dem Arbeitsmarkt. Ziel ist es, mittels narrativ fundierter Interviews zu ergründen, inwieweit sprachliche Defizite den Berufsalltag determinieren oder ob andere Kompetenzen diese kompensieren können.
Der Einstieg in den Arbeitsmarkt – oder „Ich hatte mit dem Meister erst mit Handzeichen kommuniziert dan hat er langsam erzählt“
„Die Bäckerei war türkische und habe ich erst als Bäckerhelfer (6 Monate) angefangen, wir waren 5 Mitarbeiter und unser Meister war erfahrener deutscher Brotmeister. Ich habe von ihm viel gelernt dann nach einem Jahr bin ich als Brotmeister eingestigen. Weil unser Meister aufgehört hatte. Meine Aufgaben waren die Bestellungen aufzunehmen, den Teig vorbereiten, den Ofen an und ausmachen den Garraum kontrolieren den Teig in den Ofen reinschiben und die Brote aus dem Ofen rausholen usw. Ich hatte mit dem Meister erst mit Handzeichen kommuniziert dan hat er langsam erzählt, was ich machen sollte. Die Kunden waren meisten türkische Geschäftsleute.“ (Işık, Sozialpädagoge, Auszug aus einer E-Mail vom 07.01.2011, Z.290-298)
Das bestehende Sprachdefizit impliziert und legitimiert den Einstieg in einer türkischen Firma, da hierbei auch die türkische Sprache als Kommunikationsmedium genutzt werden kann. Zudem spielt „der ethnische Hintergrund“ der Bäckerei eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, sich mit der Arbeit zu identifizieren. Allerdings stellt sich dabei auch heraus, dass sein höchster direkter Vorgesetzter ein „deutscher Brotmeister“ war. Beide haben anfangs nur „mit Handzeichen kommuniziert“. Eine sprachliche Ebene war möglicherweise aber dennoch, wenn auch nur auf einfachstem Niveau vorhanden. So kommt es bspw. dazu, dass die zu erklärenden Tätigkeiten dennoch automatisch in der jeweiligen Sprache expliziert werden, ohne dass das Gesagte verstanden wird. So entwickeln sich die Begriffe mit den Tätigkeiten und ermöglichen mittelfristig auch eine gegenseitige verbale Interaktion („dan hat er langsam erzählt, was ich machen sollte“). Seine Tätigkeiten in der Bäckerei waren anfangs deutlich auf das handwerkliche reduziert.
1. ZUR EINFÜHRUNG: Die Arbeit thematisiert die Schwierigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt und stellt die Relevanz der deutschen Sprache als zentrales Medium für die berufliche Integration heraus.
2. IMMIGRATION UND ARBEITSMARKT IN DEUTSCHLAND UNTER SPRACHTHEORETISCHEN BEDINGUNGEN: Es erfolgt ein historischer Abriss der Arbeitsmigration in Deutschland und eine theoretische Fundierung des Begriffs „Sprache“ im Kontext von Migration.
3. STAND DER FORSCHUNG: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über bestehende Studien zum Thema Sprache und Arbeitsmarkt, insbesondere unter Einbeziehung von kulturellem Kapital.
4. FELDFORSCHUNG: Der Autor beschreibt das methodische Vorgehen der Studie, inklusive der biografischen Skizzierung der Interviewpartner und der Anwendung der dokumentarischen Methode.
5. ERFAHRUNGEN MIT DER DEUTSCHEN SPRACHE AUF DEM ARBEITSMARKT: Der Hauptteil analysiert konkrete Fallbeispiele bezüglich Arbeitsmarkteinstieg, rechtlicher Exklusion, interkultureller Kommunikation, Diskriminierung und Kompetenzkompensation.
6. FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassend wird das Verhältnis zwischen Sprachkompetenz und beruflichem Erfolg bewertet und diskutiert, wie andere Fähigkeiten sprachliche Barrieren ausgleichen können.
Arbeitsmigration, Gastarbeiterdeutsch, Sprachdefizit, Zweitspracherwerb, Dokumentarische Methode, Soziale Integration, Diskriminierung, Fachkompetenz, Kulturelles Kapital, Narratives Interview, Berufspädagogik, Interkulturelle Kommunikation, Akkreditierung, Bildungstitel, Arbeitsmarktzugang
Die Arbeit untersucht die Erfahrungen von MigrantInnen mit der deutschen Sprache im beruflichen Kontext und deren Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Im Fokus stehen der Arbeitsmarkteinstieg, die Bedeutung von Sprachzertifikaten, interkulturelle Kommunikation im Team sowie die Diskriminierungserfahrungen aufgrund sprachlicher Barrieren.
Die Arbeit möchte herausarbeiten, ob und wie Sprachdefizite den Berufsalltag behindern oder ob fachliche und soziale Kompetenzen als Ausgleich fungieren können.
Es wurde eine qualitative Untersuchung durchgeführt, die sich primär auf narrativ fundierte Interviews stützt, welche im Anschluss mit der dokumentarischen Methode analysiert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Bereiche: Einstiegsszenarien, rechtliche Exklusion durch nicht anerkannte Titel, sprachliche Dynamiken in interkulturellen Gesprächen, Diskriminierungserfahrungen sowie die Kompensation sprachlicher Defizite durch fachliche Stärken.
Wichtige Schlagworte sind Migration, Sprachkompetenz als kulturelles Kapital, soziale Inklusion, berufliche Identität und der "modus operandi" des Habitus.
Das Sprachniveau C2 wird für Lehrer als zwingende Voraussetzung für die Anerkennung ihrer ausländischen Bildungsabschlüsse gefordert, was zu einer langwierigen rechtlichen Exklusion und Wartezeiten führt.
Die Muttersprache dient häufig als Mittel zur Konfliktdeeskalation, zur Sicherung von Informationen gegenüber Dritten oder zur präzisen Vermittlung von Anweisungen an Jugendliche, wenn Deutsch als Medium nicht ausreicht.
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