Bachelorarbeit, 2024
51 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Verbindung von Liebe, Freude und Trauer im mittelhochdeutschen Roman Willehalm von Orlens von Rudolf von Ems. Im Zentrum steht die Frage, wie Emotionen innerhalb des literarischen Konzepts der Minne dargestellt und funktionalisiert werden. Aufbauend auf kulturwissenschaftlichen und emotionshistorischen Ansätzen werden Emotionen als kulturell codierte und performative Phänomene verstanden, die sowohl individuelle Gefühlszustände als auch soziale Praktiken widerspiegeln.
Anhand einer detaillierten Analyse der Liebesbeziehungen – insbesondere zwischen Willehalm und Elye sowie Willehalm und Amelie – wird gezeigt, dass Freude und Trauer untrennbar mit der Liebe verbunden sind und zentrale Bestandteile des höfischen Minneideals bilden. Während die Vorgeschichte ein paradigmatisches Ideal wechselseitiger Liebe präsentiert, verdeutlicht der weitere Handlungsverlauf die Spannungen zwischen einseitiger und erfüllter Minne. Besonders die Darstellung von Trennung, Leid, Liebeskommunikation und Wiedervereinigung macht deutlich, dass emotionale Extreme nicht nur individuelle Erfahrungen sind, sondern narrative Funktionen erfüllen und gesellschaftliche Normen reflektieren.
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