Examensarbeit, 2009
81 Seiten, Note: 1,7
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
0. Einleitung
1. Frauen in der Türkei – Schreibende Türkinnen in Deutschland
1.1. Frauen in der türkischen Gesellschaft
1.2. Türkische Frauen in Deutschland
1.3. Literarische Themen
2. Transkulturalität in der postmodernen Gesellschaft – eine kulturelle Begriffsreform
2.1. Der traditionelle Kulturbegriff
2.2. Transkulturalität
2.2.1. Monadisierung
2.2.2. Lebensformen
2.2.3. Cross-Culture
2.3. Zwischenfazit
2.4. Die Verbindung von Literatur, Transkulturalität und Weiblichkeit
3. Die Konstruktion von Identität und Rolle
3.1. Rolle, Rollenhandeln und Rollendistanz
3.2. Relevanz des theoretischen Identitätskonzepts für die Interpretation der MigrantInnenliteratur
4. Aysel Özakın: Kultur und Weiblichkeit überschreiten Grenzen
4.1. Migrationserfahrungen
4.2. Geschlechterrolle und Weiblichkeit
4.3. Zwischenfazit
5. Emine Sevgi Özdamar: „Grenzgängerin und Sprachwechslerin“
5.1. Der Roman ‚Karawanserei’ als türkische Frauengeschichte
5.2. Die Bedeutung und Funktion von Sprache
5.3. Zwischenfazit
6. Fazit
Die Arbeit untersucht das literarische Schaffen der türkisch-deutschen Autorinnen Aysel Özakın und Emine Sevgi Özdamar vor dem Hintergrund transkultureller Identitätskonzepte. Ziel ist es, die oft einseitige Wahrnehmung dieser Literatur als bloße „Gastarbeiterliteratur“ zu hinterfragen und den transkulturellen Wert ihrer Werke als soziale Dokumente herauszuarbeiten.
2.1. Der traditionelle Kulturbegriff
Der Naturrechtsphilosoph Samuel Pufendorf (1632–1694) prägte Ende des 17. Jahrhunderts Kultur als autonomen Begriff, als Kollektivsingular, der nun vereinheitlichend alle Tätigkeiten und Äußerungen eines Volkes, einer Gesellschaft oder Nation unter sich zusammenfassen sollte. Seine verbindliche und bis heute gültige Form erhielt der Begriff aber erst rund hundert Jahre später durch Johann Gottfried Herder (1744 – 1803, deutscher Dichter und Denker). Herder nannte drei dem Kulturbegriff zugehörige Charakteristika: Erstens Abgrenzung nach außen: Jede Kultur hat genau definierte und scharf gezogene Grenzen und damit auch mindestens einen spezifischen Unterschied zu anderen Kulturen. Den definitorischen Kern bildet das zweite Charakteristikum, das Volk selbst, denn jede Kultur ist fest an ein Volk geknüpft, das sowohl den Träger, als auch den Produzenten bildet und dafür sorgt, dass das spezifische Wesen der Kultur entfaltet wird. Die Vereinheitlichungsfunktion bildet das dritte Charakteristikum. Sie beinhaltet die Forderung, dass die Kultur sowohl das Leben des Einzelnen, als auch das aller Mitglieder der Gesellschaft prägen soll, so dass jede Handlung und jedes Objekt zu einem eindeutig erkennbaren Bestandteil genau dieser Kultur wird.
Welsch stellt fest, dass ein solch veralteter Kulturbegriff – falls er jemals mehr als ein rein theoretisches Konstrukt war – auf gegenwärtige Gesellschaften nicht mehr anwendbar ist. Die Lebensläufe ein und desselben Volks verlaufen heute hochgradig verschieden und die verschiedenen Milieus haben keinen gemeinsamen Nenner mehr: Welsch ist davon überzeugt: „so uniform lebt man in der Moderne nicht mehr“.
0. Einleitung: Die Arbeit motiviert die Auseinandersetzung mit deutsch-türkischer Literatur aus einer pädagogischen und kulturwissenschaftlichen Perspektive heraus.
1. Frauen in der Türkei – Schreibende Türkinnen in Deutschland: Dieses Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Hintergrund türkischer Frauen und kritisiert den Klischee-geprägten Türkeidiskurs in Deutschland.
2. Transkulturalität in der postmodernen Gesellschaft – eine kulturelle Begriffsreform: Hier wird Welschs Konzept der Transkulturalität eingeführt, um traditionelle, als überholt geltende Kulturbegriffe kritisch zu hinterfragen.
3. Die Konstruktion von Identität und Rolle: Es wird diskutiert, wie Identität und Rollenhandeln in einer komplexen Migrationsgesellschaft als dynamische Prozesse verstanden werden müssen.
4. Aysel Özakın: Kultur und Weiblichkeit überschreiten Grenzen: Die Analyse von Aysel Özakıns Werk fokussiert auf Migrationserfahrungen und das Aufbrechen traditioneller Geschlechterrollen.
5. Emine Sevgi Özdamar: „Grenzgängerin und Sprachwechslerin“: Dieses Kapitel widmet sich Özdamars Sprachstil und der Darstellung von Identität durch die Verbindung von türkischen und deutschen Sprachmustern.
6. Fazit: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse und betont die Notwendigkeit, Literatur unabhängig von ethnischen Zuschreibungen als ästhetische und soziale Produkte zu betrachten.
Transkulturalität, MigrantInnenliteratur, Identität, Aysel Özakın, Emine Sevgi Özdamar, Weiblichkeit, Kulturkonzept, Migration, Rollenhandeln, Gastarbeiterliteratur, Postmoderne, Interkulturelles Lernen, Geschlechterrolle, Literaturwissenschaft, Grenzüberschreitung.
Die Arbeit untersucht das literarische Schaffen von türkisch-deutschen Autorinnen und analysiert, wie diese ihre transkulturelle Identität und die damit verbundenen Herausforderungen thematisieren.
Zentrale Themen sind Transkulturalität, die Konstruktion weiblicher Identität, die Kritik an traditionellen Kulturbegriffen und die Bedeutung der Sprache in der Migrationsliteratur.
Das Ziel ist es, die Literatur von Aysel Özakın und Emine Sevgi Özdamar nicht als „Migrantenliteratur“ zu stigmatisieren, sondern ihren Wert als hochqualitative, transkulturelle Literatur zu würdigen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch soziologische und kulturwissenschaftliche Ansätze (insbesondere Wolfgang Welschs Konzept der Transkulturalität) ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Transkulturalität und Identität sowie in die spezifische Werk-Analyse der Autorinnen Özakın und Özdamar.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transkulturalität, Identitätsbalance, MigrantInnenliteratur und die Analyse der weiblichen Rolle in der Gesellschaft charakterisiert.
Anstatt die Autorinnen auf eine „Opferrolle“ oder reine Migrationserfahrungen zu reduzieren, betrachtet die Arbeit ihre Texte als bewusste, individuelle künstlerische Leistungen.
Özdamar nutzt das Spiel mit Metaphern und die Vermischung von türkischen und deutschen Sprachstrukturen, um Fremdheit und Identität als fließende, nicht greifbare Konzepte darzustellen.
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