Wissenschaftlicher Aufsatz, 1995
35 Seiten
Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden
Die Arbeit untersucht den bisher wissenschaftlich wenig gewürdigten Anteil der vorderösterreichischen Vorlande an den Hexenprozessen in Südwestdeutschland, wobei sie den Ablauf, die Hintergründe und die rechtlichen sowie sozialen Aspekte am Fallbeispiel der Stadt Rheinfelden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts analysiert.
Die Zweischneidigkeit der Injurienklagen
Deutlicher als in diesem Beispiel kann sich die Zweischneidigkeit der Injurienklagen gegen Hexereivorwürfe kaum zeigen. In dem Konflikt mit Lienhart Seyler hatte sie es versäumt, gerichtlich gegen denjenigen vorzugehen, der die Gerüchte gegen sie aufgebracht oder auch nur weiterverbreitet hatte, und so ihre Ehre wiederherzustellen. Der Vorfall dürfte im Gedächtnis der Bevölkerung haften geblieben sein, zumal er möglicherweise nicht allzulange zurücklag - Seyler starb zwischen Frühjahr 1623 und Frühjahr 1624 und ihr Kontrahent als wohlhabendster Bauer des unter städtischer Grundherrschaft stehenden Dorfes Höflingen und als dessen Vogt mit Sicherheit zu den einflußreicheren Persönlichkeiten zählte. Es scheint, als wollte Anna Ackhermännin diesen Fehler nicht noch einmal begehen, und hätte daher im August 1624 gegen Veit Claus geklagt. Doch damit nahm das Verhängnis erst richtig seinen Lauf, wie noch zu zeigen sein wird.
Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden: Der einleitende Abschnitt identifiziert das Forschungsdesiderat bezüglich der Hexenverfolgung in den vorderösterreichischen Vorlanden und etabliert die Stadt Rheinfelden als zentrales Fallbeispiel für die Analyse von Prozeßabläufen und Vermögenskonfiskationen.
Hexenprozesse, Vorderösterreich, Rheinfelden, Hexenverfolgung, Vermögenskonfiskation, Injurienklage, Hochgerichtsbarkeit, Dreißigjähriger Krieg, Hexenurgichten, Schadenzauber, Rechtsgeschichte, Sozialgeschichte, Landesherrschaft, Hexenlehre, Peinliche Gerichtsordnung
Die Arbeit befasst sich mit der bisher wenig erforschten Hexenverfolgung in den vorderösterreichischen Gebieten, exemplarisch dargestellt an der Stadt Rheinfelden im 17. Jahrhundert.
Neben dem Ablauf und den Charakteristika der Hexenprozesse stehen die rechtlichen Grundlagen, die Rolle von Injurienklagen sowie die Konflikte um Vermögenskonfiskationen nach einer Verurteilung im Fokus.
Das Ziel ist es, Licht in die bisher weitgehend unbekannten Hintergründe und Strukturen vorderösterreichischer Hexenprozesse zu bringen und aufzuzeigen, wie die lokale Gerichtsbarkeit in diesem Kontext agierte.
Die Untersuchung basiert auf einer intensiven Analyse von Primärquellen, insbesondere Ratsprotokollen, Gerichtsprotokollen, Stadtrechnungen und Akten zu Vermögenskonfiskationen aus dem Stadtarchiv Rheinfelden.
Der Hauptteil analysiert detailliert konkrete Prozeßwellen, die Entstehung von Anklagen aus nachbarschaftlichen Konflikten, den Verlauf der Urgichten sowie den langwierigen Streit zwischen der Stadt und der landesherrlichen Kammer um das konfiszierte Vermögen der Verurteilten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hexenprozesse, Vorderösterreich, Rechtsgeschichte, Konfiskationspraxis und soziale Dynamik in Kleinstädten der frühen Neuzeit charakterisieren.
Injurienklagen, die eigentlich der Wiederherstellung der persönlichen Ehre dienen sollten, fungierten in Rheinfelden häufig als gefährlicher Bumerang: Anstatt die Vorwürfe zu entkräften, führten sie dazu, dass das Gericht die "Wahrheit" der Gerüchte prüfte und dies oft direkt in ein Malefizverfahren wegen Hexerei mündete.
Der Streit war deshalb so bedeutend, weil er die Interessenkonstellation zwischen der Stadt Rheinfelden und der vorderösterreichischen Landesherrschaft offenlegte, da beide Parteien Ansprüche auf das Vermögen der Hingerichteten erhoben, was die finanziellen Motive hinter der Verfolgung und die Verteidigung städtischer Privilegien verdeutlichte.
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